Einberufung des Konzils der Orthodoxen Kirche - ein großes kirchliches Ereignis rückt näher

21.03.2016
P. Dr. Dietmar Schon OP ist designierter Direktor des Ostkircheninstituts der Diözese Regensburg sowie Lehrbeauftragter für Ostkirchenkunde an der Universität Regensburg. Das Ostkircheninstitut der Diözese wird im September 2016 offiziell errichtet und dem akademischen und ökumenischen Dialog mit den orthodoxen und orientalischen Schwesterkirchen gewidmet sein.

Ein Kommentar von P. Dr. Dietmar Schon OP, designierter Direktor des Ostkircheninstituts der Diözese Regensburg:

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat am gestrigen Sonntag das Große und Heilige Konzil der Orthodoxen Kirche feierlich für den 18.-27. Juni nach Kreta einberufen. Damit rückt ein bedeutsames Ereignis für das Leben unserer orthodoxen Schwesterkirche in greifbare Nähe - das auch uns Katholiken interessieren sollte.

 

Ein symbolträchtiges Datum der Einberufung

Die von Patriarch Bartholomaios verfasste Enzyklika zur Einberufung des Großen und Heiligen Konzils datiert auf den „Sonntag der Orthodoxie“, der nach orthodoxem Kirchenkalender zu Beginn der Großen Fastenzeit gefeiert wird. Der symbolträchtige Feiertag erinnert an das 7. Ökumenische Konzil von Nizäa (787), das die theologischen Grundlagen der Bilderverehrung verbindlich ins Wort brachte. Vorausgegangen war eine von verschiedenen byzantinischen Kaisern initiierte Zerstörung von Bildern Christi und der Heiligen sowie Verfolgung der Bilderverehrer. Auch nach dem Konzil von 787 flammte der Bilderstreit neu auf, bis Kaiserin Theodora 843 dessen Beschlüsse endgültig durchsetzte. Die Einberufungsenzyklika ruft das Zeugnis vieler Märtyrer für den Glauben in Erinnerung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Sonntag der Orthodoxie weit über das historische Ereignis hinausreicht. Die orthodoxe Kirche in Deutschland vermerkt sehr treffend auf ihrer Homepage: „Mit der Wiederherstellung der Bilder tritt die Wiederherstellung des göttlichen Abbildes, das der Mensch selbst darstellt, in Blick“.

Der Sonntag der Orthodoxie hat zudem ökumenische Relevanz. Die römisch-katholische Kirche hat, obwohl selbst nur durch einige kaiserliche Strafmaßnahmen direkt vom Bilderstreit betroffen, konsequent den Standpunkt der orthodoxen Bilderverehrer unterstützt und sich beim Konzil von Nizäa (787) entsprechend eingebracht. Dieses fruchtbare Zusammenwirken ist leider durch die spätere Entfremdung zwischen beiden Kirchen aus dem Blick geraten.

 

Sichtbare Einheit der Orthodoxen Kirche durch konziliares Zusammenwirken

Leitgedanke der Enzyklika des Ökumenischen Patriarchen Bartolomaios ist der Hinweis auf das orthodoxe Prinzip der Konziliarität. Damit ist das notwendige Zusammenwirken der im übrigen selbständigen - autokephalen - orthodoxen Kirchen angesprochen, wenn es um Belange geht, die die gesamte Orthodoxe Kirche betrifft. Das bevorstehende Konzil ist selbst Ausdruck dieses Grundsatzes der orthodoxen Lehre von der Kirche. Seine Festlegungen werden Ausdruck der Einheit der Orthodoxie und damit des zukünftigen Weges der Kirche sein. Entsprechend wurde es über lange Zeit und sehr sorgfältig von Kommissionen vorbereitet, denen Vertreter aller orthodoxen Kirchen angehörten; den Vorsitz beim Konzil wird der Ökumenische Patriarch führen, mit den Ersthierarchen der anderen orthodoxen Kirchen an seiner Seite. Auch die Einberufungsenzyklika selbst nicht nur vom Ökumenischen Patriarchen, sondern von 12 Metropoliten des Patriarchats aus verschiedenen Teilen der Welt unterzeichnet, um das synodale Zusammenwirken, aber auch die weltweite Verbreitung der Orthodoxie augenfällig zu machen.

 

Ein Konzil in Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen 

Die Zielsetzung des bevorstehenden orthodoxen Konzils ist gewichtig. Der Ökumenische Patriarch erinnert an die großen Herausforderungen der gegenwärtigen Zeit, in der die Einheit der orthodoxen Kirche als Beispiel für die grundlegende Einheit einer von Spaltungen und Konflikten zerrissenen Menschheit dienen müsse. Diese Einheit der Orthodoxie soll beim Konzil sichtbar gemacht werden, in dessen Feier selbst, aber auch in der Verabschiedung von wegweisenden, gemeinsam vorbereiteten Dokumenten.