Einsetzung der Reliquie vom hl. Papst Johannes Paul II. in St. Johann in Regensburg durch Bischof Rudolf Voderholzer

12.10.2015

 

Im Rahmen eines Pontifikalamtes in der jahrhundertealten Kollegiatstiftskirche St. Johann in Regensburg setzte Bischof Rudolf Voderholzer an diesem Sonntag eine Reliquie des hl. Papst Johannes Paul II. (1920-2005) feierlich in ein neugeschaffenes Bronze-Reliquiar ein. Die Stiftskirche war bis auf den letzten Platz besetzt, viele Gläubige konnten nur noch stehend der Festmesse beiwohnen. Mit dem Bischof feierten sechs Priester die Heilige Messe, allen voran der Stiftsdekan von St. Johann. Prälat Heinrich Wachter.

"Der hl. Johannes Paul II. gab als Papst sein Herzblut"

"Kaum eine andere Frömmigkeitsform" so Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt, "wird so stark kritisiert wie die Reliquienverehrung". Dabei handle es sich dabei um eine zutiefst menschliche Angelegenheit, denn Begegnung geschehe immer auch leiblich und könne greifbar sein. Die Frage: "Ist Reliquienverehrung überhaupt noch zeitgemäß", beantwortete er mit der Aufforderung, doch einmal einen Blick in ein Jugendzimmer zu werfen. Dort finde man so viele "weltliche Reliquien", eine erste Haarlocke, das Autorgramm eines Popstars oder auch das Trikot des Lieblingsfußballvereins, lauter kleine "Alltagssakramente".

Wichtig sei bei der Reliquienverehrung, den jeweiligen Heiligen und sein Glaubensleben im Blick zu haben. "Der hl. Johannes Paul II. hat als Papst sein Herzblut hingegeben", so Bischof Rudolf, als Hirte und Lehrer der Kirche, auf seinen zahlreichen Pastoralreisen, bis hin zu seiner Krankheit und seinem Tod. Durch die Annahme seines Leidens habe er ein stärkeres Glaubenszeugnis abgelegt, als er dies mit einer Predigt hätte tun können. Da sei es nicht verwunderlich gewesen, das bereits bei seinem Requiem auf dem Petersplatz die Rufe "Santo subito!" - "Sofort Heilig! " laut geworden seien. "Das deutsche Volk verdankt Johannes Paul II. sehr viel", so der Bischof weiter. Sein Einsatz für die polnische Gewerkschaft Solidarność sei der Anfang vom Ende des Kommunismus gewesen, durch den auch die Deutsche Einheit möglich geworden sei. Von ihm wurde bereits 1989 gesagt: „Das Schiff des Kommunismus ist vor allem an dem Felsen gestrandet, auf den Christus, der Herr seine Kirche gebaut hat“.

Und durch sein geduldig getragenes Leiden sei er zum Vorbild für alle Kranken und Leidgeprüften geworden. Er selbst sei bei seinem zweiten Pastoralbesuch in Lourdes mehr als Pilger dort gewesen, als als Pontifex. Bischof Rudolf dankte sehr herzlich den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Deutschen Hospitalité für ihren selbstlosen Einsatz in Lourdes. Zum Abschluss der Predigt äußerte er den Wunsch, das St. Johann nun durch die Gegenwart des hl. Papstes zu einem Ort des Trostes und der Zuversicht für viele werde und schloss mit dessen letzten Worten: "Ich bin froh, seid ihr es auch!"

Nachdem Bischof Rudolf den Gläubigen mit dem kleinen Reliquiar, das während der gesamten Messe auf dem Volksaltar gestanden hatte, den Schlusssegen spendete übertrug er dies nun feierlich in das größere Bronzereliquiar, das auf einem Steinblock aus Lourdes an der linken Seitenwand befestigt ist. Viele Gläubige verehrten nach der Festmesse die Reliquie durch Berührung mit der Hand und riefen den hl. Papst als Fürsprecher in ihren Anliegen an. Mit dem Rosenkranzgebet in St. Johann am Nachmittag schlossen die Feierlichkeiten zur Reliquieneinsetzung ab. Die Reliquie soll auch den Weg in die Pfarreien des Bistums finden. Ansprechpartner dafür ist das Bischöfliche Seelsorgeamt.

 

 

Die Reliquie und das Reliquiar

Die Reliquie und das Reliquiar ist eine Stiftung der Deutschen Hospitalité Notre Dame de Lourdes, der Vereinigung der ehrenamtlichen Helfer im südfranzösischen Marienwallfahrtsort. Initiiert wurde die Stiftung von deren Gründerin und Ehrenpräsidentin, Adelheid Freifrau von Gemmingen-Hornberg. Das Reliquiar ist ein Werk des oberpfälzer Künstlers Engelbert Süss und zeigt auf der linken Seite die Grotte von Lourdes mit der hl. Bernadette und der Gottesmutter und auf der rechten Seite den hl. Papst Johannes Paul II., den Petersdom und zwei Zitate des Papstes. Bei der Reliquie handelt es sich um einen Blutstropfen auf einem kleinen Stoffstück. Dieser Tropfen entstammt aus einer der Blut-Ampullen, die dem Papst wenige Wochen vor seinem Tod mit Blick auf eine mögliche Bluttransfusion entnommen worden waren und dann nicht mehr benötigt wurden. Auf Beschluss der Ärzte waren zwei der Ampullen dem damaligen Papstsekretär und heutigen Krakauer Erzbischof Stanisław Kardinal Dziwisz übergeben worden. In Bayern werden Reliquien des Papstes u.a. noch in Altötting, Aschaffenburg, Augsburg, Würzburg und im oberbayerischen Wartenberg verehrt. Weltweit gibt es mehr als 100 Blutreliquien, die Mehrzahl davon in Polen.   

 

Info: Deutsche Hospitalité N.D. de Lourdes

Die Gründung der Deutschen Hospitalité Notre Dame de Lourdes, kurz DH genannt, wurde 1993 von der Hospitalité Notre Dame de Lourdes, der Vereinigung christlicher Freiwilliger für die Pilgerbetreuung im französischen Marienwallfahrtsort, in Auftrag gegeben. Mit der Gründung, die 1997 auch ins deutsche Vereinsregister eingetragen wurde, sollten die deutschsprachigen Helferinnen und Helfer in Lourdes eine Heimat bekommen. Heute ist die DH eine zentrale Anlaufstelle für die internationale Helfergemeinschaft der Hospitalité im deutschsprachigen Raum. Seit der Gründung koordiniert die DH die Helferinnen und Helfer in Deutschland, Österreich und der Schweiz und verzeichnet bereits die stolze Zahl von rund 380 Mitgliedern. An jedem zweiten Donnerstag im Monat treffen sich die Mitglieder der Hospitalité und der Marianischen Frauencongregation um 17:30 Uhr zur Feier der Heiligen Messe und zum Rosenkranzgebet in der Stiftskirche des Kollegialstiftes St. Johann in Regensburg mit Stiftsdekan Prälat Heinrich Wachter. Dieser hat mit Wirkung vom 1. Mai 2014 die Stiftskirche der DH als Kongregationskirche überlassen und ihr damit auch eine geistlichen Heimat in Deutschland gegeben. Weitere Informationen zur DH unter www.hospitalite.de.