Fast schon Tradition in Regensburg: Die ökumenische Donausegnung stand heuer auch im Zeichen des Reformationsgedenkens

08.01.2017

Geradezu "lauschig warmes" Wetter herrschte heuer bei der vierten ökumenischen Donausegnung in Regensburg: Schneefall und ein paar Eisschollen auf der Donau zeugten davon. Bischof Rudolf Voderholzer drückte an diesem Sonntagnachmittag seinen Dank darüber aus, dass die Tradition auch in diesem Jahr fortgesetzt werden konnte: "Dieses Jahr, das für die Gemeinschaft der Christenheit unter dem Zeichen des Reformationsgedenkens steht und wo wir unsere Bemühungen verstärken wollen, die sichtbare Einheit der Kirche wiederzuerlangen." Wegen der noch bis ins nächste Jahr andauernden Renovierungsarbeiten an der Steinernen Brücke ist die Donausegnung heuer ein Stück weiter in die Mitte des Flusses gerückt. Bischof Rudolf verwies deshalb auf die Brücke als Sinnbild - auch die Christen seien Brückenbauer. So wie die Steinerne Brücke gerade renoviert werden würde, müssten auch die Christen an sich arbeiten, dass ihre Brücke funktioniert und auch ihre "Renovierungsarbeiten" zu einem baldigen sichtbaren Erfolg führen.

 

Griechisch-orthodoxe, ökumenische und fast schon Regensburger Tradition

Bei der Donausegnung wird nach griechisch-orthodoxer Tradition dreimal ein Holzkreuz in den Fluss geworfen. Die orthodoxe Tradition der Donausegnung sei ganz selbstverständlich zu einer ökumenischen geworden, fügte der evangelische Regionalbischof Hans Martin-Weiss den Worten von Bischof Rudolf Voderholzer hinzu. Er rief die Bedeutung der Donau ins Gedächtnis, die als Fluss gerade jene Regionen durchfließt, in denen Besorgnis und Not herrscht und um die wir uns auch in diesem Jahr Gedanken machen werden.

Von griechisch-orthodoxer Seite waren der Weihbischof der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, Bischof von Lefka Evmenios Tamiolakis, der Bischöfliche Beauftragte für die staatlichen Belange im Freistaat Erzpriester Apostolos Malamoussis, Archimandrit Peter Klitsch und Archimandrit Georgios Siomos anwesend. "Lasst uns weise, gerecht und fromm in dieser Zeit leben", so der Wunsch von Bischof Evmenios. Jeder Mensch würde wissen, dass das Licht, das Jesus mit seiner Geburt in die Welt gebracht hat, die Herzen aller Menschen erleuchte,  "... sodass wir Menschen der Liebe, der Freude, des Friedens, der Hoffnung und des Lichts werden. Wir dürfen nicht tatenlos und unbeteiligt bleiben."

Wir alle bewohnen dasselbe Haus

Der Donausegnung voraus ging eine ökumenische Vesper im Regensburger Dom. Hier legten Bischof Rudolf Voderholzer, Regionalbischof Hans-Martin Weiss und Bischof Evmenios Tamiolakis als Zeichen der Verbundenheit gemeinsam Weihrauch in eine Schale. Bischof Voderholzer formulierte hier, was er später auf der Donau wiederholte: dass wir uns verpflichtet haben zu einem behutsamen und ehrfurchtsvollen Umgang mit  der Schöpfung, mit unserem gemeinsamen Haus, das wir alle zusammen bewohnen. Er sprach dabei auch die bewusste Zerstörung von Zisternen in den syrischen Kriegsgebieten an. In nicht wenigen Teilen der Erde sei das kostbare Gut Wasser ungerecht verteilt.

"Das Kreuz, das Zeichen der Erlösung, wird hineingesenkt in das Element des Wassers, weil Gott die Schöpfung hervorgebracht hat und uns anvertraut hat. Nehmen wir es als eine Erinnerung daran, dass wir behutsam mit ihr umgehen", sagte Bischof Voderholzer dann zu Beginn der Segnung auf der Steinernen Brücke. Das Holzkreuz wurde anschließend von ihm, Bischof Evmenios und Regionalbischof Weiss in den Fluss geworfen. Schwimmer der Wasserwacht holten es wieder hinaus. Die Tradition der Wassersegnung rührt daher, dass im orthodoxen Kirchenjahr am 6. Januar der Tag der Epiphanie, das Fest der Taufe Jesu, gefeiert wird. Alle orthodoxen Kirchen zelebrieren an diesem großen Feiertag eine Segnung des Wassers. Vielerorts wird an diesem oder einem der nächsten Tage auch eine Gewässersegnung vollzogen.