Fritz Gerlich – was für ein Mensch? Ausstellung zeigt Vita und Werk eines „Lobbyisten des Lebens“

20.05.2014
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Er stand ganz oben auf den Hasslisten der Nationalsozialisten – für seine Überzeugungen ließ Fritz Michael Gerlich sein Leben. Anlässlich des Todestages, der sich am 30. Juni zum achtzigsten Mal jähren wird, veranstaltet der Arbeitskreis Kunst der Pfarrei Herz Marien Regensburg in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung in der Stadt Regensburg (KEB) eine Ausstellung rund um den Journalisten Gerlich.
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer eröffnete die Fritz-Gerlich-Ausstellung in der Regensburger Pfarrkirche Herz Marien am Montagabend. An der Ausstellungseröffnung nahmen 400 Menschen teil.

Neben grundlegenden Informationen zu Gerlichs Vita ermöglicht die breit gefächerte Sammlung mit vielen Textauszügen und Nachdrucken einen Blick in Gerlichs publizistisches Wirken gegen das nationalsozialistische Regime noch weit vor der Machtübernahme 1933. Der Regensburger Bischof zeigte eine Kreuzigungsdarstellung, die Resl von Konnersreuth Fritz Gerlich anlässlich seiner Erstkommunion zukommen ließ, mit rückseitiger geistlicher Widmung! Außerdem enthält die Ausstellung bemerkenswerte historische Exponate, so auch eine originale Schreibmaschine aus der Redaktion der Zeitschrift „Der gerade Weg“, deren Chefredakteur Fritz Gerlich selbst war. Ein besonderes Highlight ist die eigens durch den Architekten Andreas Prucker in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Kunst der Pfarrgemeinde gestaltete Büste Gerlichs. Über dessen Entstehung erzählte Prucker im Gespräch mit Georg Walser, der die Person Fritz Gerlichs näher vorstellte, sowie Uli Scherr, der die Unterhaltung moderierte. Interessierte können die Ausstellung  mit dem Titel „Fritz Gerlich – Was für ein Mensch?“ fünf Wochen lang besuchen.

Doch was für ein Mensch war Gerlich? Auch wenn er nach seiner Geburt 1883 in Stettin vorzugsweise in München lebte und wirkte, geschah seine entscheidende Lebenswende im Bistum Regensburg: Im oberpfälzischen Konnersreuth begegnete er Therese Neumann. Gerlich, der mit der Absicht anreiste, den „Schwindel“ aufzudecken, war in solchem Maße von dem Zeugnis der Konnersreuther Bauerntochter beeindruckt, dass er wenig später zum katholischen Glauben konvertierte und den zweiten Namen Michael annahm. Er übernahm die Zeitschrift „Illustrierter Sonntag“ und führte sie unter dem Titel „Der gerade Weg“ fort. Für den Zeitpunkt der politischen Wende der Zeitschrift, weg von der Illustrierten, vertraute er auf den Rat der „Konnersreuther Resl“. Als ein „kompromissloser und radikaler Wahrheitssucher“, wie ihn Bischof Rudolf in seinem Vortrag zur Ausstellungseröffnung bezeichnet, „durchschaute er die Schwächen der nationalsozialistischen Ideologie.“ Der Glaube schenkte ihm stets Mut, seine Anliegen mit Konsequenz zu verfolgen. Selbst wenn durch die Ermordung in Dachau sein Engagement vergeblich zu bleiben schien, war der Märtyrer im antinationalsozialistischen Widerstand dennoch ein „Lobbyist des Lebens“, erklärte der Regensburger Bischof.

Die Ausstellung während des Katholikentages solle viele auf diesen „tapferen Menschen“ aufmerksam machen. Nicht nur Medienschaffende könnten ihn zum Patron nehmen, sondern auch alle Gläubigen, die nach seinem Vorbild für ihren als wahr erkannten Glauben eintreten, sagte Bischof Voderholzer. Mit großer Dankbarkeit könne auf dieses Zeugnis geschaut werden, um den Märtyrer zu ehren und ihn so der Vergessenheit zu entreißen.

Wer sich selbst ein Bild von Gerlich machen möchte, kann bis zum 20. Juni 2014 die Ausstellung täglich von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr in der Pfarrkirche Herz Marien (Rilkestraße 17, Regensburg) besichtigen. Auch während des 99. Katholikentages ist sie an allen Tagen zugänglich. An Christi Himmelfahrt wird es im Rahmen des Glaubensfestes einen weiteren Höhepunkt zu Fritz Gerlich geben: Unter dem Titel „Fritz Gerlich: Publizist - NS-Gegner – Katholik“ sprechen auf dem Podium der Regisseur des Dokumentarfilms über Gerlich „Auf der Suche nach der Wahrheit“, Juri Köster, sowie Jan Christoph Gerlich und Bischof Voderholzer von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr an der Regensburger Universität.

Sehen sie sich die Bilder der Ausstellungseröffnung in unserer Mediathek an.

Zur Zeit wird ein Seligsprechungsverfahren von der katholischen Kirche geprüft. Lesen Sie hier den Artikel von der KNA.

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