Fundstücke – Werke von Alois Achatz in Ihrlerstein - Neue Ausstellung in der Kunststation St. Jakob eröffnet

26.09.2008
Der Künstler Alois Achatz, der Leiter der Diözesanmuseen Dr. Hermann Reidel, Pfarrer Martin Stempfhuber (Ihrlerstein) und Pfarrer i. R. Josef Roßmaier (Rainertshausen) vor der Installation „Fundstücke“.

Ein Augenblick von unendlicher Dauer: Die neue Ausstellung in der Alten Pfarrkirche St. Jakobus in Ihrlerstein lädt ein zum Schauen, zum Betrachten, zum Innehalten. Alois Achatz aus Eitlbrunn zeigt mit dem Titel „Tafelbilder“ Temperamalerei und Bleistiftzeichnungen auf grundierten Holztafeln sowie Objektkästen, in denen Holz-Fundstücke selbst zu Bildern werden.

Sie sind für den Raum der neugotischen Kirche geschaffen, fügen sich harmonisch und gleichzeitig spannungsvoll ein in die Sakralarchitektur und gewähren, wie es Pfarrer Josef Roßmaier am Sonntag in der Eröffnungsrede formulierte, „ein atemgefülltes Auszeitmoment“.

Seit 1999 ist St. Jakobus Kunststation. Die Kunstsammlungen des Bistums und die Pfarrgemeinde gestalten jedes Jahr gemeinsam Ausstellungen mit heimischen Künstlern. Bis 19. Oktober kann der Besucher in der aktuellen Schau den Werken von Alois Achatz begegnen. Er wohnt und arbeitet in Eitlbrunn bei Regenstauf. „Er ist in der Region nicht bloß eingesiedelt, im Gespräch merkt man bald seine ostbayerische Art“, beschrieb Pfarrer Roßmaier bei der Vernissage den bodenständig-kreativen Mann.

1964 in Kaikenried geboren, erhielt Alois Achatz an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer in Oberammergau eine gründliche Ausbildung, die ihn zu sorgsamer Arbeit am Material befähigt. An der Akademie für Bildende Künste in München studierte er anschließend Bildhauerei bei Professor Hubertus von Pilgramm, er war Stipendiat in Aberdeen/Schottland (Druckgraphik) und am Virginia Center for the Creative Arts in den USA.

Seine Bilder prägen eine fast graphische Malerei. Der Künstler trägt auf Holz Kreidegrund auf, ritzt seine Motive ein und bringt die Farbe auf, um sie dann zum Teil noch mal neu zu bearbeiten. Es sind stille Werke, gespannte Augenblicke, Innehalten vor der Belebung. Stärker noch als im Blatt einer Radierung werden die Grabungen der Werkzeuge in der Fläche merkbar, berührbar, ersichtlich; die ins Aufgebrochene eingetragene Farbe schafft räumlichen Blick und Struktur. „Diese kleinen Gemälde haben vielmehr den Moment, da das Bild ganz ins Auge tritt, innehält, bis es in der Zeit wahrgenommen wird - zeitloser Zeitpunkt in der monochromhaften Farbgebung“, formulierte Pfarrer Roßmaier, der sich in der Eröffnungsrede dem Urteil der Kunstjournalistin Anke Humpeneder über Alois Achatz anschloss: „Der ist ein ganz Guter.“

Eindrucksvoll wirken in der Ihrlersteiner Ausstellung besonders die kleinen Objektkästen mit ihren filigranen Darstellern, betitelt „Fundstücke“. Zweiglein werden in ihren weißen Rahmen zu schweigenden, spielenden, tanzenden Figuren. Im Kirchenraum rückt die Assoziation zu der Dornenkrone des Gekreuzigten nah. Und wieder wird der Gegensatz zwischen Leichtigkeit und tiefen Empfindungen spürbar. Die Kastenskulpturen zeigen, so Roßmaier, „die Realität des vergehenden und zerbrechenden Menschlichen“; es sind Gestalten der Möglichkeiten.

Die Geringheit, die Sparsamkeit der Arbeiten prägt die Ausstellung: Kleine Objekte, kleine Räume, kleine Formate, nichts Buntes, nichts fällt sofort auf, nichts drängt einen gleich an – „Tafelbilder“ sind zu sehen bis 19. Oktober (Finissage um 15 Uhr), geöffnet Sonntags 11 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Am Sonntag, 5. Oktober, um 15 Uhr besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit dem Künstler.