Geweihte Jungfrauen aus ganz Europa tagten in Schloss Spindlhof in Regenstauf

30.05.2016
Ira Winter referierte zum Thema "Leibliche und spirituelle Fruchtbarkeit im Zeichen der Barmherzigkeit".

Unter dem Motto "Jungfrauenweihe - Zeichen jenes großen Geheimnisses der Barmherzigkeit Gottes“  trafen sich vom Fronleichnamstag bis zum Sonntag zahlreiche Geweihte Jungfrauen (Virgines consecratae), Kandidatinnen und Interessentinnen aus ganz Europa in Regenstauf im Bildungshaus Schloss Spindlhof. Veranstalter der Tagung waren die Hauptabteilung Kirchliches Leben im Bistum Augsburg sowie die Hauptabteilung Orden und Geistliche Gemeinschaften im Bistum Regensburg. Die Organisatorin Ordinariatsrätin María Luisa Öfele hatte bereits das Pontifikalamt und die Regensburger Fronleichnamsprozession mit den ersten angereisten Teilnehmerinnen besucht, diesmal kamen sie aus Deutschland und Österreich, aus Ungarn, Großbritannien und Rußland.

 

Jungfrauenweihe im Kontext der göttlichen Barmherzigkeit

Im Blick auf das von Papst Franziskus ausgerufene außerordentliche Jahr der Barmherzigkeit wurde die Jungfrauenweihe in diesem Kontext aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. So sprach Sr. Dr. Theresia Mende OP (Institut für Neuevangelisierung im Bistum Augsburg) zum Thema "Gott hat ein Herz – sogar für mich", Prof. Dr. Wolfgang Vogl (Universität Augsburg) über "Die Seligpreisung der Barmherzigen bei Augustinus" und Prof. Dr. Stephan Müller (Universität Eichstätt) fand einen kunsthistorischen Zugang zur Thematik mit "Barmherzigkeit als Weg der Heilung - Am Beispiel eines gotischen Glasfensters dargestellt". María Luisa Öfele (Ordinariat Regensburg) betrachtete den Psalm 45 - "Mein Herz fließt über von froher Kunde" - der in der Liturgie der Jungfrauenweihe seinen Platz hat und Prof. Dr. Manfred Hauke (Universität Lugano) näherte sich dem Thema Barmherzigkeit mariologisch mit dem Referat "Maria als Mutter und Prophetin der Barmherzigkeit".

Die Teilnehmerinnen der Tagung reihten sich auch in die Fronleichnamsprozession in der Regensburger Altstadt ein.

 

"Leibliche und spirituelle Fruchtbarkeit im Zeichen der Barmherzigkeit"

Ein Vortrag, der besondere Beachtung fand, stammte von der gebürtigen Wienerin Ira Winter, selbst Geweihte Jungfrau und gelernte Krankenschwester - "Leibliche und spirituelle Fruchtbarkeit im Zeichen der Barmherzigkeit". Seit vielen Jahren berät sie in ihrer Praxis nahe London Paare in punkto „Natürliche Familienplanung“, sowohl praktisch als auch spirituell. Dabei ist es ihr wichtig, die Ehe als Ursakrament des Bundes Gottes mit den Menschen den Hilfesuchenden zu vermitteln. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die sich für den Lebensschutz einsetzen, gehört zu ihren Aufgaben. In ihre jahrelange praktische Arbeit, die ihr Fundament im katholischen Glauben und dessen Morallehre hat, konnte Ira Winter viele aufschlussreiche Einblicke geben. Sie skizzierte auch die verschiedenen Stationen der katholischen Moraltheologie von "Humanae vitae" (1968), der Enzyklika Papst Paul VI., bis hin zum aktuellen nachsynodalen Schreiben "Amoris laetitiae". Ira Winter bedauert außerordentlich, dass im Bewusstsein so vieler die Fruchtbarkeit ihren göttlichen Ursprung verloren habe und dem Menschen vom Menschen steuerbar erscheine. Gott zeige sich uns in seiner Schöpfung und so gehörten körperliche und spirituelle Fruchtbarkeit zusammen.

 

Jungfrauenweihe - eine neue und doch sehr alte Berufung

Fallen die Stichworte "Gottgeweihte Jungfrau" oder auch "Jungfrauenweihe", dann verbinden viele diese mit dem Stand der Ordensfrauen in der Katholischen Kirche, womit sie aber falsch liegen. María Luisa Öfele, selbst Geweihte Jungfrau, ist als Ordinariatsrätin im Bistum Regensburg Leiterin der Hauptabteilung Orden und Geistliche Gemeinschaften. Sie beantworte am Rande der Tagung einige wichtige grundsätzliche Fragen zum Thema.

 

Was ist eigentlich eine Geweihte Jungfrau?

Eine Geweihte Jungfrau - lateinisch: Virgo consecrata - ist eine Frau, die sich von der Liebe Gottes hat ergreifen lassen und nicht anders kann, als sich ihm ganz und gar, mit Leib und Seele, zu schenken. Mitten in der Welt geht sie ihrem Beruf nach und ist eng verbunden mit der Kirche und dem Bistum in dem sie lebt. Weltweit gibt es sicher gut über 3.000 Geweihte Jungfrauen.

Auch Ordinariatsrätin María Luisa Öfele referierte im Rahmen der Tagung.

 

In welchen Berufen findet man Geweihte Jungfrauen?

Die Virgines consecratae - so der lateinische Name für die Geweihten Jungfrauen - findet man in allen Berufsfeldern: Es gibt Architektinnen, Ärztinnen und Anwältinnen, Pastoral- und Gemeindereferentinnen, Frauen die in der Forschung und der Pflege tätig sind, Lehrerinnen und Erzieherinnen, kein Beruf wird der geweihten Jungfrau entzogen. Es ist nur wichtig, dass sie in ihrem Beruf auch ihre Berufung leben kann und die Zeiten hat, die sie für die Pflege ihrer Beziehung zu Gott benötigt.

 

Was unterscheidet eigentlich die Geweihte Jungfrau von einer Ordensfrau?

Der Unterschied besteht darin, dass die Ordensfrauen eine gemeinschaftliche Lebensform darstellen in der Kirche, mit einem besonderen Charisma oder einer besonderen Sendung, sie kennen einen Ordensgründer oder einen Stifter. Die Geweihte Jungfrau kennt keinen Stifter oder Gründer und hat auch keine Ordensregel und lebt alleine in der Welt. In der Kirche selbst ist sie beheimatet, in ihrem Bistum, ihre Regel ist sozusagen die Heilige Schrift und der Ritus der Jungfrauenweihe.

 

Seit wann gibt es in der Kirche eigentlich schon Geweihte Jungfrauen?

Wir finden erste Zeugnisse schon im Korinther-Brief (1 Kor 7,25ff und 7,34). Den ersten geweihten Jungfrauen begegnen wir im 3. Jahrhundert, wir kennen die hl. Agatha von Catania, die hl. Agnes und Cäcilia von Rom oder die hl. Lucia von Syrakus. Sie wurden teilweise sogar ins Hochgebet aufgenommen und sind als Märtyrerinnen gestorben, weil sie ihr Leben ganz hingegeben haben wegen ihrer Jungfräulichkeit. Sehr bald haben sich auch Gottgeweihte Jungfrauen zusammengeschlossen zu kleinen Gemeinschaften, so dass die ersten sogenannten Monasterien entstanden sind, die Vorläufer der Nonnenklöster, oft auch mit einer Oberin und einer ersten Ordensregel. Die Lebensform ging sozusagen in den Klöstern auf. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Liturgie-Konstitution wurde der Stand wiederbelebt und der Ritus der Jungfrauenweihe 1970 überarbeitet und vereinfacht. Seitdem haben wir wieder die Möglichkeit, dass Frauen die Jungfrauenweihe empfangen und in ihrem Stand mitten in der Welt leben können.

 

Wie werden Kandidatinnen auf die Jungfrauenweihe vorbereitet?

Es gibt weltweit keine einheitlich geregelte Vorbereitung auf die Jungfrauenweihe, das wird im Einzelnen in den verschiedenen Diözesen durch den Ortsbischof geregelt. Meist hat die Kandidatin schon mehrere Jahre so gelebt und erbittet nun von der Kirche, dieses Charisma, diese Lebensweise bestätigt zu bekommen. Es gibt einen vom Papst genehmigten Ritus der Jungfrauenweihe. Der Bischof ist der ordentliche Spender dieser Weihe, der Ort dafür ist die Bischofskirche. Im Bistum Augsburg und Regensburg arbeiten wir in punkto Vorbereitung zusammen, dabei haben die beiden Diözesanbischöfe eine Handreichung und Leitlinien erlassen, die die Vorbereitung für Kandidatinnen geregelt haben.

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