Podiumsdiskussion zur Umweltenzyklika „Laudato si“ des Heiligen Vaters

08.10.2015

"Dieser Papst ist ein Geschenk Gottes" wurde als Schlussresümee beim Podiumsgespräch mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zur Enzyklika "Laudato si" im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing festgestellt. Der Diözesanbischof, Prof. Dr. Hubert Weiger vom Bund Naturschatz, Dr. Bernhard Widmann vom Technologie- und Förderzentrum Straubing, Dr. Christian Barth als Amtschef im Bayerischen Umweltministerium, Prof. Dr. Sigmund Bonk vom Akademischen Forum Albertus Magnus in Regensburg und Beate Eichinger als Umweltbeauftragte des Bistums Regensburg und zugleich Moderatorin der Veranstaltung hatten vor 150 Teilnehmern mehr als zwei Stunden den Blick auf die neueste Enzyklika von Papst Franziskus gelenkt.

 

"Die Sorge für das gemeinsame Haus" war bei allen Referenten gleichermaßen spürbar und sie vermittelten, dass hier Kirche, Politik, Wissenschaft und Umweltschutzverbände bereit sind an einem Strang zu ziehen. Alle Redner fanden sehr aufrüttelnde Worte und machten deutlich, dass der Papst schonungslos die Probleme aufzeigt und vehement eine radikale Änderung des Lebensstil von jedem Einzelnen fordert, der von Achtung vor der Schöpfung, Achtung vor den Menschen und Achtung vor dem gesamten Leben geprägt sein müsse!

 

Bei seinem Impulsreferat konnte Bischof Voderholzer aus dem Vollen schöpfen und dennoch zeitbedingt nur einige wenige Punkte der Enzyklika aus theologischer Sicht ansprechen. "Das Lehrschreiben richtet sich an alle Menschen. Der Ton ist appellativ und herausfordernd" erklärte der Bischof. Geleitet wurde Papst Franziskus bei seiner "Sorge für das gemeinsame Haus" von Laudato si, der gesungenen Schöpfungstheologie des Heiligen Franziskus und den Armen. Es sei wichtig, den Garten der Welt zu bebauen, zu behüten und zu bewachen/bewahren. "Durch den menschlichen Geist erkennt die Schöpfung ihren Schöpfer. Das Laudato si ertönt durch den Mund der Menschen". "Wenn der persönliche und gesellschaftliche Sinn für die Annahme eines neuen Lebens verloren geht, verdorren auch andere, für das gesellschaftliche Leben hilfreiche Formen der Annahme" zitierte der Bischof den Papst in seinem Statement gegen die Abtreibung im dritten Kapitel

"Die menschliche Wurzel der ökologischen Krise"

Mit deutlichen Worten kritisiere der Papst die hemmungslose Ausbeutung der Umwelt sowie das extreme Konsumverhalten in den westlichen Industrienationen. Eine schnelle Verhaltensänderung in kulturellen und spirituellen Beziehungen der Menschheit sei angesichts der drohenden globalen Katastrophe erforderlich. Als konkretes Beispiel nannte der Bischof unter anderem die Dankbarkeit gegenüber dem täglichen Brot mit Gebeten vor und nach den Mahlzeiten. "Lehrt uns dankbar sein. Wer betet hat ein anderes Wegwerfverhältnis", so der Bischof. Damit könne auch die Solidarität mit denen gestärkt werden, die nicht so viel haben. Insgesamt weise der Papst daraufhin, dass der Menschheit das Bewusstsein des gemeinsamen Ursprungs und der wechselseitigen Zugehörigkeit fehle.

Eine Änderung dieses Bewusstseins sei eine große und langwierige erzieherische Herausforderung.

Ermunterung zum Weitermachen

"Der Bischof hat eine exzellente Zusammenfassung der Enzyklika vorgestellt", betonte Dr. Bernhard Widmann, der Leiter des Technologie- und Förderzentrums KoNaRo in Straubing. Als praktizierender Katholik beschäftige er sich sehr gerne mit den Themen dieser Enzyklika, die er als außergewöhnliches Buch bezeichnete und die Arbeit am KoNaRo bestätige, sowie zum Weitermachen ermuntere. Schließlich sei der Klimaschutz das herausragende Thema dieses Jahrhunderts. Papst Franziskus spreche in dem aufrüttelnden, mahnenden und wegweisenden Buch die nachfolgenden Generationen an, die er zum Hüten und Schützen auffordere. Als Wissenschaftler tue es gut, die wohlwollenden Worte des Papstes zu hören um die Herausforderungen anzupacken. "Der Papst hat für unser Kompetenzzentrum eine eigene Enzyklika geschrieben" stellte Dr. Widmann schmunzelnd fest. Starke Kritik übte er an der Doppelmoral der Gesellschaft, die einerseits Umweltschutz fordere und gleichzeitig gegen nachhaltige Energien sei. Er wünsche sich viel klarere Bekenntnisse der Politik. Eine sofortige massive Senkung der Klimaerwärmung sei nötig.

 

Laudato si – ein Alarmruf des Papstes

Als "Lehrschrift, Mahnschrift und Weckruf an alle Menschen" bezeichnete Prof. Dr. Hubert Weiger vom Bund Naturschutz die Enzyklika. Papst Franziskus formuliere vieles mit Weitblick über den heutigen Tag hinaus. Der Weckruf des Papstes mit dem Hinweis auf den Zusammenhang von Klimawandel, Biodiversität und Armut dürfe von der Gesellschaft nicht überhört werden. "Die Ärmsten der Armen sind am meisten betroffen", so Weiger, der aufrüttelnde Worte fand und feststellte, dass dieser "Alarmruf des Papstes" eine außerordentliche Bedeutung für die Menschen habe. "Die Atmosphäre ist das gemeinsame Eigentum der Menschheit" sei eine der revolutionären Forderungen des Papstes, oder auch der Hinweis, dass der schrankenlose Kapitalismus der vergangenen Jahrzehnte nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft zu tun habe. Intelligente Systeme sollten Lösungen anbieten und Gemeinwohl anders bewertet werden.

"Die Enzyklika ist ein Aufruf zur gesellschaftlichen Diskussion" so Dr. Weiger der abschließend meinte: "Es wird uns schwer fallen, all das umzusetzen". Auch Dr. Christian Barth, der Amtschef im Bayerischen Umweltministerium fand es eine gute Nachricht, dass es eine Umweltenzyklika gibt und der Papst die Bewahrung der Schöpfung als oberstes Ziel ansehe. Es müsse ausgebrochen werden aus der Umweltzerstörung. "Ein Verbrechen gegen die Natur zu begehen ist eine Sünde" zitierte Barth den Papst. Ein starkes Plädoyer hielt Barth dafür, dass alle gemeinsam die Werte verfolgen und die Herzen der Menschen erreichen müssen, um sie aufzurütteln.

"Alle gemeinsam müssen Änderungen bewirken" so seine Aussage. Es gebe keine "Insel der Seligen" sondern die ganze Welt sei eine globale Schicksalsgemeinschaft und deshalb müssten die Änderungen auch gemeinsam gelöst und bewirkt werden. "Die Enzyklika liest sich wie ein Arbeitsauftrag an ein Umweltministerium" drückte der Politiker mit Hochachtung aus.

 

Weitere Diskussionsabende sind geplant

Bereits eingangs hatte Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor des Akademischen Forums Albertus Magnus aus Regensburg gesprochen. Gemeinsam mit der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Regensburg hatte das Institut zu diesem Abend geladen. Wie die Moderatorin Beate Eichinger, Umweltbeauftragte der Diözese betonte, hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Initiative zu der Vortragsreihe ergriffen. Nach diesem Auftakt in Straubing sind weitere sieben Abende im Bistum geplant. "Gehen wir singend voran! Mögen unsere Kämpfe und unsere Sorgen um diesen Planeten uns nicht die Freude und die Hoffnung nehmen" zitierte Eichinger abschließend den Papst aus seiner Enzyklika Laudato si. Die Diskussionsrunde wurde von vielen genutzt, resümiert dass "wir uns um den Frieden kümmern müssen", gefordert dass diese Enzyklika in der Kirche "gepredigt" wird und bestätigt, dass Papst Franziskus genau den Nerv der Menschheit mit dieser Enzyklika getroffen hat und "ein Geschenk Gottes ist". Mit einem nachhaltig produzierten Imbiss klang der Abend aus.