Pressemitteilung: In Präventionsanstrengungen nicht nachlassen

09.01.2018

Das Verfahren am Landgericht Deggendorf gegen einen aus dem Klerikerstand entlassenen Geistlichen des Erzbistums Stettin (Polen), der unter anderem wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs angeklagt ist, beschäftigt auch die Verantwortlichen der Diözese Regensburg.

Der Angeklagte hatte sich das Vertrauen eines Pfarrers im Dekanat Deggendorf-Plattling erschlichen und Kontakt gefunden zu einer Familie, dessen Sohn er laut Anklage missbraucht haben soll.

Die Diözese hatte - wie die anderen deutschen Diözesen - in 2014 vor dem Mann gewarnt. Er würde versuchen, trotz der Entlassung aus dem Klerikerstand pastorale Tätigkeiten aufzunehmen. Diese deutliche Warnung ging an alle Pfarreien. Dennoch gelang es dem Mann, für einige Monate unter Vortäuschen falscher Tatsachen und Ausnutzen der Gutgläubigkeit des Pfarrers sich in dessen Pfarrei einzuschleichen. Nach einer weiteren Warnmail des Bistums an alle Pfarreien am 6. Oktober 2015 drängte der Pfarrer den Beschuldigten, die Pfarrei zu verlassen. Nach dessen Weggang in das Bistum Passau hat der Pfarrer das dort zuständige Ordinariat informiert.

Als sich die Mutter des Jungen einige Zeit nach dem Wegzug des Beschuldigten aus der Pfarrei mit Missbrauchsschilderungen beim Pfarrer meldete, drängte dieser umgehend auf die Anzeige, die zur Festnahme des Beschuldigten führte.

„Ich bin erschüttert darüber, dass sich der Beschuldigte an einen Jungen aus einer unserer Pfarreien heranmachen konnte“, so Generalvikar Michael Fuchs. „Wir mühen uns seit Jahren mit Präventionsschulungen für Hauptamtliche und Ehrenamtliche in der pfarrlichen Arbeit und mit der Vorlagepflicht von erweiterten Führungszeugnissen für das Thema wach zu halten, um genau solche Fälle möglichst zu verhindern.“

Leider habe dieser Vorfall gezeigt, dass Täter immer wieder Lücken finden würden, die sie ausnützten. Deswegen müsse die Präventionsarbeit ständig überprüft, weiterentwickelt und vorangetrieben werden. Generalvikar Michael Fuchs: „Die Kinder und Jugendlichen brauchen den größtmöglichen Schutz. Die seelischen Verletzungen eines Missbrauchs greifen so tief in die Persönlichkeit ein, dass es jede Anstrengung wert ist, Straftaten vorzubeugen und zu verhindern. Das Leiden des Kindes, dessen Fall in Deggendorf verhandelt wird, tut uns leid und muss uns bewegen, in den Präventionsanstrengungen nicht nachzulassen.“

Dabei gehe es um Fragen wie: Welche Regeln müssen deutlicher, überzeugender und eindringlicher gefasst werden? Wie können interne Informationsflüsse noch verbessert werden? Wie können die Menschen noch besser sensibilisiert werden?

Michael Fuchs: „Der ganze Vorfall zeigt: In diesen Fragen müssen wir noch besser werden.“