Requiem für Domdekan em. Prälat Edmund Stauffer, 28. November 2013 in Neusorg Patrona Bavariae - Statio und Predigt von Bischof Rudolf Voderholzer

02.12.2013

 

Verehrte liebe trauernde Angehörige, liebe Frau Schraml

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Am vergangenen Sonntag, es war der Christkönigssonntag, verstarb in Kemnath im Alter von 89 Jahren und im 64. Jahr als Priester der emeritierte Domdekan von Regensburg Prälat Edmund Stauffer. Bevor wir ihn nachher auf dem nahegelegenen Friedhof zu Grabe tragen, sind wir hier in der neuen Pfarrkirche seines Heimatortes Neusorg zusammengekommen, um für ihn das Requiem zu feiern.

Damit wir ihn vor unserem geistigen Auge noch besser gegenwärtig haben, möchte ich kurz seine Lebensstationen in Erinnerung rufen und bitte Sie, dazu Platz zu nehmen.

Am 9. August 1924 hier in Neusorg als Kind der Eheleute Ignaz und Anna Stauffer zur Welt gekommen, gehörte Prälat Stauffer einem der Jahrgänge an, die den größten Blutzoll durch Krieg und Gefangenschaft leisten mussten. Auch dem jungen Edmund Stauffer blieben Krieg und Gefangenschaft nicht erspart. Doch er kam durch und fand offenbar angesichts dieser Erfahrungen wie so viele andere auch seine Berufung. Im Februar 1943 wird er nach Abschluss der 7. Klasse und dem Erreichen des Reifevermerks zum Wehrdienst einberufen. Zunächst an der Ostfront in Russland eingesetzt, kommt er dann aber in den Westen, wo er in amerikanische Gefangenschaft gerät, und schon im September 1945 entlassen wird. Während der letzten Kriegsjahre, so schreibt er in seinem Gesuch um Aufnahme ins Priesterseminar, habe er sich entschlossen, Priester zu werden.

Nach der Priesterweihe am Peter-und-Pauls-Tag 1950 tat Stauffer zunächst Dienst als Kaplan in Schönwald und Marktredwitz. Schon bald zeigte sich seine besondere Neigung und Begabung für das Unterrichten, für den Schuldienst. Fast eineinhalb Jahrzehnte war er mit Leidenschaft Religionslehrer zunächst an verschiedenen Schularten, am längsten dann aber am Gymnasium (damals „Oberrealschule“) in Marktredwitz, bevor mein Vorgänger Rudolf Graber auf ihn aufmerksam wurde und ihn dann ins Ordinariat holte. Erst für kurze Zeit Seelsorgsreferent, übernahm er 1971 das Schulreferat, zunächst noch zusammen mit Prälat Rosner, der noch für die Volksschulen zuständig blieb, dann als alleiniger Schulreferent. Als Beauftragter für Hochschulfragen übernahm er 1974 auch den Vorsitz der Konferenz der Leiter der Schulabteilungen aller Diözesen Deutschlands. 1978 erhält Prälat Stauffer eine zusätzliche große Verantwortung. Die Geschäftsstelle der Lehrbuchkommission der DBK kommt nach Regensburg und Stauffer wird ihr Leiter. Vorsitzender der Schulbuchkommission war Manfred Müller, damals noch Weihbischof in Augsburg. Und so hatte Stauffer schon vor der Berufung von Bischof Manfred nach Regensburg mit ihm zusammengearbeitet. Eine Kooperation, die sich dann nach 1982 intensivierte. Bischof Manfred, mit dem ich gleich am Montag gesprochen habe, lobte Prälat Stauffer mir gegenüber in den höchsten Tönen als einen äußerst wichtigen und wertvollen Mitarbeiter. Er sei der beste Schulreferent gewesen, den er sich nur vorstellen konnte. Gewissenhaft, ausgesprochen fleißig, menschenfreundlich und sehr beliebt, vor allem was die Begutachtung und Kontrolle der Lehrbuch-Erstellung betrifft. 1972 zum Domkapitular berufen, war er von 1991 bis zu seinem Ruhestand am 1. Februar 1995 zuletzt auch Dekan des Domkapitels. Als großer Kenner und Freund des Regensburger Domes war er dem Bischof ein unverzichtbarer Ratgeber gerade in den wichtigen Jahren der Domrenovierung, und er hat er sich nicht zuletzt um die kunstgerechte fotografische Erfassung der Glasfenster des Domes verdient gemacht. ? Nach einigen Jahren als Ruheständler in Regensburg St. Emmeram kehrte er vor drei Jahren in seine oberpfälzische Heimat zurück. Seine Wahl fiel auf das BRK-Altenheim Falkenstein in Kemnath, wo er seinen Lebensabend verbrachte. Dort habe ich ihn am Dreifaltigkeitssonntag Ende Mai nach meinem Pastoralbesuch in Kirchenlaibach besucht und kennenlernen dürfen. Obwohl schon von der altersbedingten Vergesslichkeit gezeichnet, habe ich ihn als einen Gentleman und zugleich durch und durch geistlichen Menschen erlebt, dem wichtig war, dass wir miteinander in der Kapelle beteten und der meinen Segen erbat. Am tiefsten freilich hat sich mir eingeprägt, mit welchem Nachdruck er Sie, liebe Frau Sieglinde Schraml, seine Cousine, lobte und Ihnen immer und immer wieder dankte, dass Sie ihm all die Jahre als Haushälterin so treu zur Seite standen. Ich darf diesen seinen Dank hier an dieser Stelle aufgreifen und ihn auch ganz persönlich noch einmal aussprechen. Herzlich Vergelts Gott für Ihren Dienst, gerade jetzt auch in den letzten Jahren.

Am Christkönigssonntag nun hat der Herr unseren Prälat Edmund Stauffer heimgerufen. Im Namen des ganzen Bistums Regensburg danke ich ihm für seinen Dienst als Priester für die Kirche von Regensburg, für das kirchliche Schulwesen und für seine geliebte Heimat, das Fichtelgebirge und die Oberpfalz.

Wir danken dem Herrn, dem Schöpfer und Erlöser dafür, dass er uns Prälat Stauffer und sein priesterliches Wirken geschenkt hat. Wir bitten um Vergebung und Erbarmen für all das, was Stückwerk geblieben und unvollkommen gewesen sein mag. Machen wir uns die Worte aus dem Christkönigsevangelium vom Sonntag, seinem Sterbetag zu Eigen und bitten wir: Herr, denk an ihn, wenn Du in Deiner Macht als König kommst, auf dass auch er hören darf: Heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein.

Wir erheben uns, treten hin vor den Herrn und bitten ihn Vergebung und Erbarmen.

Erbarme Dich, Herr unser Gott, erbarme Dich …

 

Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Zu den Schriftstellen, die Prälat Stauffer am liebsten hatte, gehört der dankbare Ruf der aus dem Exil heimgekommenen Israeliten. Erstmals wieder ? noch unter ganz ärmlichen und provisorischen Umständen aber in Freiheit ? bekommen sie das Wort Gottes verkündet und vor lauter Rührung und Freude brechen sie in Tränen aus– wir haben die Lesung vorhin gehört. Ihnen ruft der Schriftgelehrte Esra zu: Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!

In seinem Brief an meinem Vorgänger Gerhard Ludwig, in dem er sich für die Glückwünsche zum 80. Geburtstag bedankt, schreibt er: „Eines meiner Lieblingsworte aus der Heiligen Schrift findet sich bei Nehemia: Die Freude an Gott ist unsere Kraft“.

Kann man sich nicht vorstellen, wie das auch schon einem jungen Mann wie Edmund Stauffer über die Lippen kommen musste, nachdem er zweieinhalb seiner besten Jahre vom Frühjahr 43 bis Herbst 45 für einen sinnlosen Krieg vergeuden musste und wie er dann in Freiheit sich mit Leidenschaft ins Studium der Theologie stürzte: Die Freude an Gott ist unsere Kraft. Ja, dass er auch schon diese schwere Kriegszeit selbst nur in der Kraft überstehen konnte, die ihm die Freude am Glauben vermittelte?

Aus dieser Freude heraus hat Edmund Stauffer seinen Dienst getan, als Priester, Religionslehrer und Prälat in hohen und verantwortungsvollen Funktionen in der Kirchenleitung, als geistlicher Reiseleiter ins Heilige Land, gefragter Referent und Exerzitienleiter und zuletzt als Seelsorger auch noch im Altenheim. Auch als seine körperlichen Kräfte schon dahinschwanden, konnte ich doch spüren. Die Freude an Gott war seine innere Kraft. Das Gebet war ihm sozusagen in Fleisch und Blut übergangen.

An demselben Tag, an dem der Herr unseren emeritierten Domdekan Prälat Stauffer heimgerufen hat, unterzeichnete in Rom Papst Franziskus sein Apostolisches Schreiben mit dem Titel „Evangelii Gaudium“ – Die Freude des Evangeliums, worin er alle Christgläubigen, besonders aber natürlich die Bischöfe, Priester, Diakone und Religionslehrer mit Leidenschaft dazu aufruft, sich tief in der Freude am Glauben zu verankern. Und damit spricht er unserem Verstorbenen sozusagen aus der Seele. Die Botschaft von Papst Franziskus ist auch das Vermächtnis von Prälat Stauffer: Die Botschaft Jesu von Gottes grenzenloser Liebe, die er dann in seinem Leiden, seinem Tod und in seiner Auferstehung unter Beweis stellt, begründen eine tiefe Freude, die auch von den vielfältigen Bedrängnissen des Lebens nicht umzubringen ist. „Freut euch am Herrn zu jeder Zeit!“, schreibt der Apostel Paulus. „Noch einmal sage ich Euch: Freut Euch!“ Liebe Schwestern und Brüder, das steht nicht auf einer Urlaubskarte aus Malta, wo der Apostel Paulus sich ein paar freie Tage gönnt und sich am Strand sonnt. Die Worte „Freut euch am Herrn!“ sind im Gefängnis geschrieben mit gefesselten Händen. Der Philipperbrief, dem dieses Wort entstammt, gehört zu den Gefangenschaftsbriefen des Apostels Paulus. Gewiss: Freude kann man nicht befehlen. Aber man kann sie nähren, man kann sie bezeugen. Welch ein tiefer Grund zur Freude muss vorliegen, wenn einer sogar aus dem Gefängnis heraus andere zur Freude ermutigt!

Auf jeden Fall aber, so der Papst, widerspricht es dem Evangelium, wenn die Lebensart mancher Christen „wie eine Fastenzeit ohne Ostern“ erscheint (Nr. 6). Oder, ebenso markant formuliert: „Der Verkünder des Glaubens darf nicht ständig ein Gesicht wie bei einer Beerdigung haben!“ (Nr. 10)

Freude aber will sich mitteilen. Und darin und nichts anderem besteht die Kernbotschaft des päpstlichen Schreibens. Die Glaubensfreude will sich mitteilen. Deshalb ist Mission nicht eine Zusatz-Aufgabe zum Glauben, sondern ein Impuls, der aus dem Inneren des Glaubens selbst kommt. Der Ausdruck „missionarische Kirche“ ist deshalb eigentlich ein „weißer Schimmel“, weil Jesu Jüngerinnen und Jünger ihren Glauben umso freudiger mitteilen wollen, je tiefer sie aus der täglich erneuerten Freundschaft mit Jesus leben. „Die Freude an Gott ist unsere Stärke.“ Der Papst wünscht sich nicht Experten für apokalyptische Diagnosen, nicht finstere Richter und Unheilspropheten, sondern frohe Boten, die positiv für den Glauben werben, Hüter des Guten und Schönen, Evangelisten, die dann, wenn sie einmal zu Recht den Finger auf die Wunden legen müssen, nicht bei der Klage und beim Jammern stehenbleiben und sich gar in die Kritik verbeißen, sondern positiv und froh Wege in die Zukunft weisen.

Unser Prälat Stauffer war ein solcher froher Verkünder des Glaubens, ein Priester nach dem Wunsch des Heiligen Vaters Franziskus. Einer, der sich als Weizenkorn verschwendet hat und in seiner Bescheidenheit und Demut uns allen auch ein Vorbild.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, zu den Gebieten, auf denen Prälat Stauffer besonders kompetent war, gehörten neben dem Schulbuchwesen und dem Regensburger Dom auch das Leben und Wirken des großen Bischofs Johann Michael Sailer. 1983, im Nachgang zum 150. Todestag von Sailer, hat er ein Buch mit einer Sammlung von Sprüchen, Aphorismen und Gebeten herausgegeben, die von seiner intensiven Beschäftigung mit dem Werk Sailers zeugt. Er stellt Sailer vor als einen Meister der Formulierungskunst, der auch viele Anliegen der Liturgischen Bewegung und des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweggenommen hat, wenn er beispielsweise ein Gebetbuch in deutscher Sprache und auch die Übersetzungen der Messtexte unters Volk bringen wollte.

Ich habe in den letzten Tagen immer wieder in Stauffers Auswahl gelesen und möchte jetzt schließen mit zwei Gebeten von Sailer, die Prälat Stauffer sicher auch sehr zu Herzen gegangen waren und die ihn begleitet haben.

In kranken Tagen

Ich war gesund und achtete es nicht, Vater meines Lebens!
Lass mich durch diese Krankheit weise und denn auch wieder gesund werden.
Denn alle Gabe kommt von Dir, und ich will nicht mehr undankbar sein.
(Seite 175)

Und das zweite, überschrieben mit:

Beim Sterben eines Frommen

Auf Wiedersehen, lieber Bruder!
O, dass ich rein wäre wie du! Gott, Gott! Ich will deinen Willen tun, ihn von ganzem Herzen tun: damit ich sanft einschlafe, wie dieser mein Bruder. Also auf Wiedersehen!
(Seite 176)

Und so beten auch wir: Herr, du hast deinen Diener Edmund Stauffer mit der Freude über Deine Gegenwart erfüllt und ihn zum Boten der Frohen Botschaft gemacht. Nimm sein Leben an und schenke uns ein Wiedersehen in Deinem himmlischen Reich, Amen.