Sich in Liebe verschenken- Gründonnerstag im Dom

25.03.2016




Doch, die Fußwaschung in der Gründonnerstagsliturgie hat etwas Spektakuläres. Auch in diesem Jahr. Einige Gläubige im Regensburger Dom stehen auf. Sie wollen genau sehen, ob und wie Bischof Voderholzer nach der Predigt den 17 Frauen und Männern die Füße wäscht. Man versteht den Petrus im Abendmahlssaal, von dem man gerade im Evangelium gehört hatte, dass er sich nicht von Jesus diesen Sklavendienst erweisen lassen wollte. „Du, Herr willst mir die Füße waschen?“ „Niemals sollst Du mir die Füße waschen!“ (Joh. 13,6 und 8)

Fußwaschung: Was das bedeutet?

Wenn man einen besiegten Feind so richtig erniedrigen und seinen Sklavenstatus vor Augen führen wollte, dann zwang man ihn in der Antike, einem die Füße zu waschen. Man muss das aber gar nicht wissen, um zu verstehen. Der kniende Bischof, der sich zu den Füßen beugt, macht sich klein und niedrig vor einem anderen. Das begreift jeder, der hinschaut. 

Bischof Rudolf erläuterte in seiner Predigt den Sinn dieses Zeichens. Die Fußwaschung sei etwas anderes als bloß ein Dienst am Nächsten oder ein Werk der Barmherzigkeit. Die Freunde, denen Jesus im Abendmahlssaal die Füße wusch, die waren ja nicht hilfsbedürftig. Sie wären durchaus in der Lage gewesen, selbst für die entsprechende Körperpflege zu sorgen. Dazu brauchten sie Jesus nicht. Das gilt genauso für die Frauen und Männer im Dom, denen sich heute der Bischof zuwandte.


Barmherzigkeit von innen betrachtet

Der Sklavendienst Jesu war nicht nur etwas anderes, er war wesentlich mehr als ein einzelnes Werk der Barmherzigkeit. Das Waschen der Füße spiegelt das Wesen göttlicher Barmherzigkeit. Es zeigt uns ihre innere Beschaffenheit. Gott ist bereit, sich selbst zu verschenken, sich hinzugeben, sich selbst zu opfern.

Hingabe, die keine Angst davor hat, sich zu erniedrigen, das ist die innere Haltung der Barmherzigkeit. Bischof Voderholzer: „Das Zeichen der Fußwaschung verbindet die Einsetzung der Eucharistie mit dem demutsvollen Dienst der Hingabe an unserem Nächsten. Es ist deshalb in keiner Weise geeignet, in einem kirchenpolitischen Gerangel eingesetzt zu werden.“

Papst Franziskus hatte es im Januar dieses Jahres als uneingeschränkt erlaubt bezeichnet, die Fußwaschung am Gründonnerstag auch an Frauen zu vollziehen. Im Bistum Regensburg ist dies eine selbstverständliche Praxis. 

Die Gründonnerstagsliturgie

In der Gründonnerstagsliturgie feiern die Katholiken die Bereitschaft Gottes, sich ganz und gar zu verschenken. Sie gedenken des Geschehens beim letzten Abendmahl im Jerusalem, wenige Stunden bevor der Leidensweg Jesu begann, der zu seinem Tod am Kreuz führte, aber dort nicht endete. Jesus Christus setzt die Heilige Messe ein und stimmt seine Freunde ein auf das, was in Kürze beginnen wird.

Mit der Liturgie am Gründonnerstag eröffnet die Kirche die Feier der Heiligen Drei Tage, die des Leidens und Sterbens Jesu gedenken und in der Osternacht in die Auferstehungsliturgie münden. Nach dem Gloria verstummt die Orgel im Regensburger Dom. Sie erklingt erst wieder mit der Freude der Osterfeier.


Umso eindringlicher wirkt der unbegleitete Gesang des Domchores, unter anderem mit dem „Pange Lingua“ von Anton Bruckner und dem „In Monte Olivetti“ von Orlando di Lasso. Die Domspatzen gestalten die Liturgie der Karwoche und der Auferstehung mit einer einzigartigen Klangfülle. Nicht wenige sehen in diesen Tagen den musikalischen Höhepunkt des Kirchenjahres im Regensburger Dom. Zum Abschluss der Messe tragen der Bischof und die Weihbischöfe das Allerheiligste in die Sailerkapelle.

Wem der Bischof die Füße wusch

Die Fußwaschung stand heuer im Zeichen des Jahres der Barmherzigkeit. Ausgewählt wurden 17 Personen aus allen Regionen des Bistums Regensburg, die stellvertretend für die vielen stehen, die der Barmherzigkeit ein Gesicht geben. Bischof Voderholzer: „Sie setzen die jeweils sieben geistlichen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit in die kleine Münze des Alltags um.“ Die ausgewählten Frauen und Männer engagieren sich für Flüchtlinge, für Sterbende, für Alte und Einsame, für die Caritas oder in der Nachbarschaftshilfe.  Bischof Voderholzer: „Der treue und oft in aller Stille getane Dienst so vieler Christen kann nicht oft genug dankbar erwähnt werden. Er ist eine tragende Säule der Kirche.“    

Syrische Christen dabei

Zu Beginn der Gründonnerstagsliturgie begrüßte Bischof Voderholzer auch eine Gruppe christlicher Syrer, die an der Feier teilnahmen. Sie gehören zur Gemeinschaft der griechisch-katholisch-melkitischen Christen. Unter den Konzelebranten war auch Albuna Mayas, ein griechisch-katholisch-melkitischer Priester, der im Bistum Regensburg die Seelsorge für die geflüchteten Christen unterstützt.

Eine Übersicht der Heiligen Woche im Regensburger Dom finden Sie auf der Webseite des Bistums Regensburg.