Zentrale Ausstellung in Regensburg: „Mehr als Schwarz & Weiß. 800 Jahre Dominikanerorden“ läuft noch bis 15. August

03.08.2016

Am 22. Dezember 1216 bestätigte Papst Honorius III. den neugegründeten Predigerorden, heute besser bekannt als Dominikanerorden. Dieser 800. Geburtstag ist für den noch heute weltweit aktiven Orden Anlass, ein Jubiläumsjahr zu feiern, das vom 7. November 2015 bis zum 21. Januar 2017 dauert.

 

„Mehr als Schwarz & Weiß. 800 Jahre Dominikanerorden“

Unter diesem Titel läuft noch bis 15. August in der Dominikanerkirche St. Blasius am Albertus-Magnus-Platz in Regensburg die zentrale Ausstellung über den Dominikanerorden!

Bis zum 15. August haben Sie noch die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen. Was es zu sehen gibt?  Einen kleinen Einblick können Sie in unserer Fotostrecke bekommen.

In einer der größten und bedeutendsten Bettelordenskirchen Deutschlands, einem Meisterwerk der Gotik, im Kreuzgang, der angrenzenden Albertus-Magnus-Kapelle und im Refektorium des ehemaligen Klosters führen Exponate vom 13. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Kunst durch die Geschichte. Die mächtige, nahezu 73 Meter lange und 25 Meter breite dreischiffige Basilika, die ab ca. 1240 mit einer Bauzeit von nahezu 150 Jahren errichtet wurde, nimmt mit vielen sehenswerten Details den Besucher hinein in die frühe Zeit des Ordens.

Film- und Hörstationen sowie wertvolle Ausstellungsstücke wie mittelalterliche Handschriften, Goldschmiedearbeiten, Skulpturen und Gemälde führen durch die Jahrhunderte – vom Aufblühen der Gemeinschaft über die Schattenseiten. Zu diesen gehören unter anderem die Rolle der Dominikaner als Inquisitoren. Auch die Visionen der großen Mystiker wie Meister Eckhart und das Wirken der Ordensbrüder und Ordensschwestern im 21. Jahrhundert werden aufgegriffen.

 

Kulturreferent Clemens Unger von der Stadt Regensburg erzählt hier mehr über die Ausstellung: 

Die Initiatoren und Unterstützer der Ausstellung: Domkapitular Peter Hubbauer, Dr. Hermann Reidel (Leiter des Diözesanmuseums Regensburg), Sr. M. Dominika Geyder O.P. (Dominikanerinnenkloster Hl. Kreuz, Regensburg), Dr. Sigmund Bonk, Provinzial Thomas Gabriel Brogl O.P. (Wien), Pater Elias Füllenbach O.P. (Düsseldorf), Klemens Unger (Kulturreferent der Stadt Regensburg), Dr. Susanne Biber, Hermann Goß (Brauereidirektor der Brauerei Bischofshof) und Elisabeth Pustet (Verlag Pustet Regensburg)

Eckdaten zur Ausstellung

Orte

Ehem. Dominikanerkloster St. Blasius (Albertus- Magnus- Platz 1, 93047 Regensburg)

Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz (Am Judenstein 10, 93047 Regensburg)

Ehem. Dominikanerinnenklosterkirche Adlersberg (naturkundlicher Wanderweg „Albertus Magnus“ vom Dreifaltigkeitsberg nach Adlersberg)  

 

WANN

Dauer: 11.05.-15.08.2016 (Di–So 11–17 Uhr)

 

WER

Veranstalter:  Dominikanerorden (Provinz Teutonia, Diözesanmuseum Regensburg

 

In Zusammenarbeit mit:

Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz, Regensburg

Süddeutsch-Österreichische Provinz des Dominikanerordens

Akademisches Forum Albertus Magnus, Regensburg

Stadt Regensburg

 

Weitere Kooperationspartner:

Universität Regensburg, Forum Mittelalter

Katholische Akademie in Bayern

 

Unterstützt von:

Kulturfonds des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst,

Brauerei Bischofshof, LIGA Bank eG, Bezirk Oberpfalz, Versicherungskammer Bayern

 

Schirmherren:

Christoph Kardinal Schönborn O.P. Erzbischof von Wien, Dominik Kardinal Duka O.P. Erzbischof von Prag, Bischof Charles Morerod (Freiburg/Schweiz), Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg)

 

Kuratorium:

Dr. Maria Baumann, Dr. Susanne Biber, Prof. Dr. Sigmund Bonk, Pater Elias H. Füllenbach O.P. (Düsseldorf), Pater Prof. Dr. Paul D. Hellmeier O.P. (München), Frau Elisabeth Pustet, Dr. Hermann Reidel, Pater Prof. Dr. Herbert Schlögel O.P., Domvikar Msgr. Dr. Werner Schrüfer, Kulturreferent Klemens Unger, Prof. Dr. Klaus Unterburger

 

Regensburg – eine Stadt der Dominikanerinnen und Dominikaner

In Regensburg finden sich gleich mehrere Bezugspunkte zum Orden des hl. Dominikus. Sie ist die einzige Stadt Deutschlands, die seit 1229 eine ununterbrochene dominikanische Präsenz aufzuweisen hat. Bischof Siegfried berief 1229 die Predigerbrüder nach Regensburg, die hier die fünfte Niederlassung ihres Ordens in Deutschland gründeten. Wie die Minoriten erfreuten auch sie sich großer Beliebtheit und erfuhren so wichtige materielle Hilfe.

Dank tatkräftiger Förderung durch Bischof, Domgeistlichkeit und Bürgertum konnten sie in der westlichen Vorstadt – noch innerhalb der Stadtmauer des 10. Jahrhunderts – ein Kloster errichten. Eine alte Konventstradition will wissen, Albertus Magnus, der große Universalgelehrte des Mittelalters und Kirchenlehrer, habe als Bischof von Regensburg (1260–62) zum Bau des Kirchenchores beigetragen. Zur Zeit seiner Blüte im späten 15. Jahrhundert zählte St. Blasius mit 49 Konventualen zu den größten Dominikanerklöstern Deutschlands.

Das im Jahr 1233 gegründete Kloster der dominikanischen Nonnen „Heilig Kreuz“ am Judenstein ist das älteste Dominikanerinnenkloster Bayerns und besteht trotz aller politischen und religiösen Wirren seither ununterbrochen. Im Zuge der Säkularisation erlosch im Jahr 1809 das dominikanische Leben der Brüder im Kloster St. Blasius, doch die Nonnen in Heilig Kreuz hielten die Stellung, bis die Dominikaner im Jahr 2001 am Ölberg wieder ein Dominikanisches Zentrum errichteten.

Ab etwa 1274 gab es für rund 300 Jahre auf dem Adlersberg bei Regensburg ein Dominikanerinnenkloster. Die Kirche „Unserer Lieben Frau“ schmücken bedeutende Wandmalereien, unter anderem eine der ältesten bekannten Darstellungen der Schutzmantelmadonna.

 

Geschichte des Ordens

Der Predigerorden wurde aus einem ganz konkreten seelsorgerischen Anlass heraus gegründet. Zu Beginn des Hochmittelalters vor etwa 1000 Jahren waren die ersten großen Städte entstanden. Deren vor allem auch bildungsmäßig aufstrebende Bevölkerung sollte im Glauben unterwiesen und zum christlichen Leben angeleitet werden. Die meistenteils reiche, verweltlichte Kirche hatte ein Glaubwürdigkeitsproblem angesichts der gerade in den Städten weit verbreiteten Armut. Als Reaktion darauf war eine religiös orientierte und sich schnell ausbreitende Armutsbewegung entstanden, die sich auf den armen Christus berief.

Diese glitt jedoch vor allem in Südfrankreich und Oberitalien in die Häresie ab. Um deren weitere Verbreitung zu verhindern, leitete das Vierte Laterankonzil von 1215 eine Pastoralreform ein. Das Ziel war eine solide theologische Ausbildung und moralische Formung des Klerus. Fast zeitgleich mit dem Konzil entstanden inmitten der Kirche die Bettelorden wie die Dominikaner, die Franziskaner und die Augustiner-Eremiten. Sie breiteten sich während des 13. Jahrhunderts äußerst rasch aus. Ihnen wurde die Umsetzung dieser Reform übertragen.

 

Studium, Gebet und Armut

Der Dominikanerorden wurde vom hl. Dominikus von Caleruega, einem kastilischen Geistlichen, gegründet und im Jahr 1216 vom Papst als neuer Orden in der Kirche anerkannt. Ausdrücklicher Daseinsgrund des Ordens ist die Predigt, basierend auf Studium (besonders der theologischen Wissenschaften) und Gebet. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Predigen ein ausschließlich den Bischöfen vorbehaltenes Privileg; mit der Anerkennung des Ordens als „Predigerorden“ (Ordo fratrum Praedicatorum, OP), so der offizielle Name, wurde diese Aufgabe auch den Dominikanern übertragen.

Um dem Auftrag der Predigt gut gerecht werden zu können, verfügt der Dominikanerorden nach dem ausdrücklichen Willen seines Gründers über einige Besonderheiten: So blieben diejenigen Brüder, denen vor allem die Aufgabe der Predigt übertragen war, nicht ständig an einem Ort, sondern zogen immer wieder für einige Zeit als Wanderprediger – und zwar ganz ausdrücklich und als Zeichen der Armut zu Fuß – durch die Lande, um möglichst viele Menschen erreichen und zu ihnen predigen zu können. Und um die Brüder zur Erfüllung dieser Aufgabe überhaupt befähigen zu können und sie von der Verwaltung von Grundbesitz und anderen festen Einkünften zu entlasten, ersetzte der hl. Dominikus die bis dahin – vor allem der Regel des hl. Benedikt „ora et labora“ folgend – für Ordensleute verpflichtende Handarbeit (sprich: Feldarbeit) ganz ausdrücklich durch das Studium. Der Lebensunterhalt wurde mit den Gaben der Gläubigen bestritten, d. h. erbettelt.

 

Bereits zehn Jahre vor der kirchlichen Anerkennung des Ordens hatte der hl. Dominikus im Jahr 1206 mit dem Aufbau des weiblichen Zweiges seines Ordens begonnen. Entstanden war dies gewissermaßen aus einer Notlage heraus: Durch seine Predigt hatte der hl. Dominikus Frauen, die sich den oben genannten häretischen Sekten angeschlossen hatten, für den katholischen Glauben zurückgewonnen. Um ihrem Wunsch, auch weiterhin ein strenges religiöses Leben führen zu können, nachzukommen, sammelte er sie in einem Kloster, wo sie nun als klausurierte Nonnen lebten und vor allem anderen für die Mission der Brüder beteten. Bald folgten viele weitere Klöster in verschiedenen Ländern. Ganz analog zum Ordenszweig der Brüder, verfügten auch die Nonnen nie über größeren Landbesitz, sondern lebten buchstäblich von für sie Erbetteltem. Statt manueller (Feld-)Arbeit widmeten sie sich Hand- und Schreibarbeiten verschiedenster Art.

 

Heute weltweit

Heute ist der Predigerorden weltweit präsent. Besondere Tätigkeitsfelder sind die Seelsorge, der interreligiöse Dialog, Forschung und Wissenschaft (z. B. die Ecole biblique et archeologique in Jerusalem), Bildung und Lehre (z. B. in Form von „Domuni“, einer digitalen Universität für das Fernstudium in Philosophie, Theologie, Sozialwissenschaften) usw.

 

Im Verlauf der Jahrhunderte haben sich dem Orden immer wieder und bis heute verschiedenste Arten von regulierten (d. h. nach einer festen Regel lebende) oder nicht-regulierten Laien und Welt-Geistlichen angeschlossen, z. B. als aktive, in der Welt tätige Schwestern im sog. III. Orden, als Mitglieder von Rosenkranz-Bruderschaften, Laien- oder Priestergemeinschaften. Sie alle werden heute unter dem Begriff „Dominikanische Familie“ zusammengefasst.

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