1200 Gläubige im Regensburger Dom bei der Feier vom Leiden und Sterben Christi - „Wer Christus als den Gekreuzigten verkündet, der hat auch Gemeinschaft mit dem Auferstandenen“

10.04.2009

Rund 1200 Gläubige begingen zusammen mit Bischof Gerhard Ludwig Müller die Feier vom Leben und Sterben Christi, die sich aus dem Wortgottesdienst mit der Passionserzählung nach Johannes, den Großen Fürbitten, der Kreuzesverehrung und der Kommunionfeier zusammensetzt. Die Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Domkapellmeister Roland Büchner begleiteten die Feier musikalisch.
In seiner Predigt erläuterte Bischof Gerhard Ludwig Müller, dass die Leidensgeschichte Jesu alle Abgründe der menschlichen Seele zu Tage bringe: „Feigheit, Verrat und Flucht der Freunde; auf Seiten der Feinde ausgeklügelte Bosheit und Heimtücke, rohester Sadismus der Folterknechte, borniertes Sichaufwiegelnlassen des Volkes, gespielte Empörungsrituale der öffentlichen Meinungsmacher, berechnendes Machtgebaren religiöser und politischer Autoritäten. Unter dem Schein des Rechtes wird der Justizmord inszeniert“. Religiös-emotional gesinnte Menschen forderten bis in die heutige Zeit Zeichen für die Existenz Gottes und stellten dabei die Frage, warum Jesu sich nicht selbst geholfen oder Gott ihn nicht errettet habe.
Den Gurus der Zivilreligion sei dabei Religion nur insofern gut, als sie dem egozentrischen „Wellness-Programm“ entspreche. Religion solle sich dem höchsten Götzen der Welt unterwerfen: nämlich sich wohl zu fühlen, Spaß zu haben und nicht von einer tieferen existenziellen Herausforderung gestört zu werden. „Ein Christentum ohne Kreuz mit einem organisierten Netz sozialer Dienstleistungen und einer Ethik, die nicht mehr zu sagen hat, als „seid nett und artig zueinander“, lassen wir uns gefallen; mehr aber nicht!“, prangerte der Regensburger Oberhirte an.
Dem gegenüber stünden die Worte des Apostel Paulus: „Was den einen Ärgernis und den andern Torheit ist, das verkündigen wir: Christus den Gekreuzigten. Er ist für alle Berufenen, dass heißt solche die hinter die Glitzerfassaden der materialistischen Selbsterlösungsreligion schauen, Christus – Gottes Kraft und Gottes Weisheit (vgl. 1 Kor 1,22ff.). Als gläubige Menschen erfassten wir die Passion unseres Herrn Jesus Christus als das Erlösungswerk Gottes, der allen Menschen in der Lebenshingabe seines Sohnes am Kreuz seine Liebe zuwenden wolle. Der Sohn Gottes von Ewigkeit habe unser sterbliches Fleisch angenommen. In seinem Leiden habe er unser Leiden an sich selbst und für uns erlitten, erklärte Bischof Gerhard Ludwig Müller.
„Christus hat uns nicht nur vom Tod am Ende unseres irdischen Weges erlöst. Er hat uns auch befreit von dem Tod, den unsere Seele täglich stirbt, wenn sie durch die Werke des Fleisches, nämlich des Handelns ohne Gottes Geist der Liebe, ohne Sinn und Ziel vor sich hin lebt. Wer Christus als den Gekreuzigten verkündet und sich in seinem Leben und Sterben von ihm prägen lässt, der hat auch Gemeinschaft mit dem Auferstandenen, jetzt und für immer – ohne Ende. Er ist vom Tod des Egoismus und dem Wahn der Selbsterlösung befreit. Er erfährt jetzt schon im Glauben die Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“, so der Bischof abschließend.(jas)

Lesen Sie hier die Predigt im Wortlaut

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