50 Jahre „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger. Bischof Voderholzer spricht in Notre Dame University über einen Klassiker der Theologie

06.11.2018
Prof. Dr. Clemens Sedmak, Mitorganisator der Veranstaltung, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Dr. Christian Schaller.

Es habe ihn „fast ein wenig beschämt“, zu dem Symposium anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger eingeladen worden zu sein, denn eine solche Initiative habe es in ganz Europa, vor allem in Deutschland, nicht gegeben. Im Sommersemester 1967 hielt der mittlerweile zu hohem Ansehen gekommene Theologieprofessor Joseph Ratzinger an der Universität in Tübingen Vorlesungen über das Apostolische Glaubensbekenntnis für Hörer aller Fakultäten. Das daraus entstandene Buch „Einführung in das Christentum“ wurde ein Jahr später vom Kösel-Verlag veröffentlicht und wurde umgehend zu einem weltweiten Bestseller. In 23 Sprachen übersetzt hat es eine Verbreitung gefunden wie wenige andere theologische Bücher.

 

Einführung in das Christentum ist im Geiste des Konzils

Die Notre Dame University, an der u.a. auch der aus Regensburg stammende Philosoph Vittorio Hösle lehrt, nahm dies zum Anlass, einen internationalen Kongress abzuhalten. Neben Bischof Voderholzer nahmen u.a. die Professoren Richard Schenk OP, der frühere Präsident der Katholischen Universität Eichstätt, sowie die Australierin Tracy Rowland, Mitglied der Internationalen Theologischen Kommission, daran teil.
Bischof Voderholzer vertrat in seinem Vortrag die These, dass die Einführung in das Christentum Erschließung des christlichen Glaubens im Geiste des Konzils ist, obwohl der Autor das Konzil nicht ein einziges Mal zitiert. Joseph Ratzinger, der selbst maßgeblich an der Formulierung mehrerer Texte des Konzils beteiligt war, setze mit seiner Entfaltung des Glaubensbekenntnisses aber wesentliche Einsichten des Konzils um: die biblische Fundierung der Theologie, die Christozentrik, das Aggiornamento und die Selbstrelativierung der Kirche zugunsten ihrer Sendung, nämlich „der Raum zu sein, in dem man Jesus Christus authentisch und persönlich begegnen könne“, so der Bischof in seinem Vortrag. In dieser neuen, die Fragen der Zeit ernstnehmenden und doch den Glauben der Kirche unverkürzt erschließenden Art und Weise Theologie zu betreiben, dürfte auch der enorme Erfolg des Buches begründet sein. Die Theologie Joseph Ratzingers / Benedikts XVI. wird in den USA vielfach rezipiert und ist wesentlicher Bestandteil der theologischen Diskussion.

Nach dem Vortrag nutzen einige Zuhörer die Gelegenheit, mit dem Gast aus Deutschland ins Gespräch zu kommen.

Institut Papst Benedikt XVI. präsentiert „Schätze“

Dr. Christian Schaller, der stellvertretende Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI. - der den Bischof neben Prof. Dr. Sigmund Bonk, dem Direktor des Akademischen Forums Albertus Magnus und Gabriel Weiten, seinem theologischen Referenten auf der Reise begleitete - konnte die Hörerschaft mit zwei „Schätzen“ aus dem Archiv des Institutes sichtlich beeindrucken. Er präsentierte eine Tonaufnahme der Vorlesung Joseph Ratzingers von 1967 sowie das Originalmanuskript des Buches mit den Korrekturen Joseph Ratzingers.
Im letzten Jahr hatte Bischof Voderholzer im Mundelein Seminary bei Chicago einen Vortrag über die Primatstheologie Joseph Ratzingers und ihre Bedeutung für die Ökumene gehalten.

Glaubenserschließung im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils. Zu Joseph Ratzingers "Einführung in das Christentum" (1968), Vortrag von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am 5. November 2018 an der Notre Dame University in South Bend (Indiana).

Integral Faith Formation in the Spirit of the Second Vatican Council. To Joseph Ratzingers "Introduction to Christianity" (1968), Lecture by Bishop Dr. Rudolf Voderholzer on novembre 5th 2018 at the Notre Dame University in South Bend (Indiana):

Konferenzraum der Notre Dame University während des Vortrages von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.
Nach dem Vortrag gab Bischof Voderholzer ein Radiointerview, in dem er neben den Vortragsthemen auch zum Hintergrund der deutschen Debatte über den Eucharistieempfang von evangelischen Ehepartnern gefragt wurde.
Das Manuskript der „Einführung“ mit den handschriftlichen Korrekturen Joseph Ratzingers stößt auf besonderes Interesse.