Aber bitte mit Schönschrift – Sternsinger besuchen Bischof Rudolf

08.01.2020

„Wir kommen von weit aus dem Morgenland“ sangen die Sternsinger der Dompfarrei am frühen Samstagvormittag für den Regensburger Bischof Rudolf. Dieser freute sich sichtlich über diesen so hohen und zahlreichen Besuch – denn gekommen war nicht nur je ein Kaspar, Melchior und Balthasar, sondern ganz viele Könige. In diesem Jahr sind sie unterwegs, um Spenden für Hilfsprojekte im Libanon zu sammeln und die Häuser zu segnen. Mit Kreide schreiben sie auf die Türen und Eingangspforten 20*C+M+B*20, das bedeutet „Christus mansionem benedicat“ bzw. „Christus segne dieses Haus“. Für die großen Türen des Bischofshauses war allerdings eine Leiter vonnöten. Diese hatte Bischof Rudolf in weiser Voraussicht schon vorbereitet, damit der Sternsinger mit der schönsten Schrift auch ganz bequem in luftiger Höhe schreiben kann.

Ihr Begrüßungslied sangen die Sternsinger direkt vor dem Eingang zum Ordinariat. Dann wurden sie vom Bischof in das Haus geleitet, wo er seine große Krippe mit neuen Figuren – darunter auch Sterndeuter oder Figuren aus deren Gefolge – zeigte. Ganz hingerissen waren die Kinder aber von zwei anderen Figuren, die an einem Brunnen stehen. Wer das denn sei, fragten sie. Bischof Rudolf erklärte, es seien Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen. „Auch im Regensburger Dom befindet sich diese Szene. Macht euch doch einmal auf die Suche!“, empfahl er den wissbegierigen Königen. Einen kleinen Tipp gab er ihnen noch. Er zog die Regensburger Sonntagsbibel hervor und zeigte die Abbildung mit Jesus und der Samariterin, die auf dem Regensburger Dombrunnen zu sehen ist. „Der Brunnen ist sogar älter als der Dom“, erklärte der Bischof seinen Zuhörern. „Und wer genau hinsieht, kann erkennen, dass sich die Domtürme in dem Schöpfgefäß der Samariterin spiegeln.“

Sogar die kleinste Krippe der Welt bekamen die Sternsinger bei Bischof Rudolf zu sehen.

Sogar die kleinste Krippe der Welt bekamen die Sternsinger bei Bischof Rudolf zu sehen. Sie ist in einen Traubenkern geschnitzt und steht mit zahlreichen weiteren Krippen im Bischofshaus. So auch eine ganz besondere Krippenszene, die den vierten König zeigt. „Ich dachte, es gibt nur drei Könige“, wunderten sich die Besucher. Doch dann mussten sie lachen, sie kamen ja auch nicht nur zu dritt. Aufmerksam lauschten sie der Legende des vierten Königs, die Bischof Rudolf ihnen erzählte. Der vierte König sei aus dem fernen Russland gekommen, um Jesus als neuen König zu begrüßen. Unterwegs zum Stall jedoch habe er all seine Kostbarkeiten, die für Jesus gedacht waren, an Bedürftige gegeben. Zuletzt diente der vierte König als Sklave 30 Jahre lang auf einer Galeere. Erst am Kreuz begegnete er dem König, den er so lange gesucht hatte wieder.

Mit dem ein oder anderen Abenteuer

Um einiges klüger waren die jungen Weisen aus dem Morgenlande bei ihrem kurzweiligen Besuch beim Bischof geworden. Bevor sie jedoch ihren Weg fortsetzten, wurde die Kasse noch üppig gefüllt. Für die Könige gab es Pralinen zur Stärkung. Es erklang ein letztes gemeinsames „O du fröhliche“ vor der großen Krippe des Bischofs. Und zuletzt wurde der Segen an das große Eingangsportal angebracht. „In allerschönster Sonntagsschrift“, mahnte der Bischof, „hier sieht es nämlich jeder“. Dann zogen die Sternsinger weiter. Noch bis Sonntagabend werden sie die Häuser und Wohnungen segnen und für Kinder in Not Spenden sammeln. „Es macht einfach immer so einen Spaß“, sind sich die Sternsinger einig. „Das einzig Blöde ist, dass oft die Rauchmelder losgehen, wenn wir zu viel Weihrauch nehmen. Aber ohne das ein oder andere Abenteuer wäre es ja auch furchtbar langweilig.“

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