„Der Mensch ist die Krone der Schöpfung“ – Marsch für das Leben in Berlin

24.09.2019

8000 Teilnehmer beteiligten sich am Samstag beim Marsch für das Leben in Berlin. Darunter auch Bischof Rudolf Voderholzer, der damit ein fünftes Mal in Folge in der Öffentlichkeit Flagge zeigte und Farbe bekannte, dass es sich lohnt in der Hauptstadt sichtbar und hörbar für ein ganz wichtiges Anliegen einzutreten. Dabei ließ er auch den Umweltgedanken nicht außer Acht und reiste mit dem Zug an, gemeinsam mit dem Passauer Diözesanbischof Stefan Oster.

Zum „Saturday for life“ begrüßte die Vorsitzende des Bundesverband Lebensrecht e.V. (BVL), Alexandra Linder, tausende Teilnehmer vom Baby bis zur Großmutter vor dem Reichstag in Berlin. Denn ohne Weitergabe des Lebens gibt es keine Zukunft. Der Marsch für das Leben war in diesem Jahr noch bunter und internationaler. Er erfährt stetig wachsende Unterstützung, auch im vorpolitischen Raum. 8000 Teilnehmer waren bundesweit angereist und die wachsende Zahl kirchlicher Vertreter setzte ein positives Signal. Drei bayerische Bischöfe waren dabei: Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer (Regensburg), Diözesanbischof Dr. Stefan Oster (Passau) und Weihbischof Florian Wörner (Augsburg). Diözesanbischof Wolfgang Ipolt aus Görlitz und Weihbischof Matthias Heinrich aus Berlin marschierten ebenfalls mit. Alle wiesen auf die hohen Abtreibungszahlen und die Notwendigkeit hin, unbedingt für jedes Menschenleben einzutreten und brachten zum Ausdruck, dass sie das Engagement des BVL für das unbedingte Recht auf Leben als wichtigen Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft begrüßen.

Wir haben etwas Heiliges zu schützen

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer erinnerte an die Rede von Papst Benedikt XVI. vor acht Jahren vor dem Deutschen Bundestag, als er unter anderem über die Ökologie sprach: Die Natur könne man nicht beliebig manipulieren. „Der Einsatz für das Klima und der Einsatz für die Umwelt sind wichtig, aber die Krone der Schöpfung ist der Mensch“, betonte Bischof Voderholzer und dafür werde bei diesem Marsch auf die Straße gegangen. „Wir demonstrieren nicht gegen etwas, sondern für etwas.“ Es sei wunderbar, dass eine so große Anzahl von Menschen hier versammelt ist, um für die Ökologie des Menschen einzustehen. „Das lautstarke Geschrei und die Obszönität des Protestes, der uns entgegenschlägt, ist ein untrüglicher Beweis dafür, dass wir etwas Wichtiges zu sagen, etwas Notwendiges zu vertreten, etwas Heiliges zu schützen haben“, bekräftigte er seine Meinung auch bei seiner fünften Teilnahme.

 

Friedlich für das Leben eintreten

Der Demonstrationszug durch die Innenstadt zeigte eindrücklich, wie viele Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft hoch motiviert und friedlich dafür eintreten, dass die personale Würde jedes Menschen von der Zeugung bis zum Tod gewahrt und entsprechend politisch beachtet wird. Laut gesprochen wurde nicht, jeder konnte aber für sich leise beten oder seinen Gedanken nachhängen. „Das Gebet ist die stärkste Waffe, die wir haben“, so der Tenor der Beteiligten. Die Teilnehmer begegneten Menschen, die sich einig waren in ihrem Engagement für den eingeschränkten Schutz der Würde und des Lebensrechts ungeborener Kinder und bedrohten Lebens überhaupt – konfessions- und parteiübergreifend.

 

Vom ersten Moment im Mutterleib bis zum letzten Atemzug

Geendet hat der Marsch für das Leben wieder beim Reichstag. Mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde der Tag beschlossen. Weihbischof Florian Wörner – er beteiligte sich zum dritten Mal am Marsch – hielt dabei die Predigt. „Wir sind hier, weil wir gemeinsam dafür Farbe bekennen wollen, dass das menschliche Leben nicht als eine Sache betrachtet werden darf, die man beherrschen kann. Dass Geburt und Tod des Menschen nicht als Dinge gesehen werden dürfen, die man besitzen oder ablehnen kann. Dass das menschliche Leben vielmehr heilig ist, unverfügbar, unserem Zugriff entzogen, und zwar in allen Phasen: vom ersten Moment im Mutterleib bis zum letzten Atemzug“, betonte er.

„Danke, Mama!“

Eine heiße Spätsommersonne schien vom strahlend blauen Himmel bereits kurz nach Mittag, als sich der Platz vor dem Reichstag mit Menschen füllte. Viele trugen ein weißes Holzkreuz oder Plakate mit Aufschriften wie „Töten ist keine ärztliche Kunst“, „Abtreibung ist Unrecht“ oder schlicht „Danke, Mama!“. Vom Kleinkind im Buggy über Teens bis hin zum Rentner war jedes Alter vertreten. Sie alle waren dem Aufruf des Bundesverbandes Lebensrecht, ein Zusammenschluss deutscher Lebensrechtsorganisationen, gefolgt und demonstrieren in Berlins Mitte gegen Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe. Bei der Kundgebung vor dem Reichstag sprachen engagierte Lebensschützer aus den verschiedensten Bereichen. Eindeutig wurde von den Rednern gegen jegliche Form der begleiteten Selbsttötung und Euthanasie und für ein würdiges Lebensende mit Hilfe von Hospizen und Palliativversorgung Position bezogen. Bischof Stefan Oster aus Passau, der sich zum ersten Mal am Marsch für das Leben beteiligte, sagte in seinem Statement auf der Bühne, dass es von Anfang an eine menschliche Identität gibt. Niemand würde beim Herzeigen eines Ultraschallbildes vom Mutterleib von „menschlichem Gewebe“ oder „irgendetwas“ sprechen, sondern das ist jemand, das bin ich: „Wir waren nicht irgendwann einmal ‚etwas‘ und werden dann ‚jemand‘, sondern wir sind von Anfang an ‚jemand‘.“ Oster betonte, dass er bei diesem Marsch mitgehe, weil ihm das Leben insgesamt und besonders auch das junge Leben am Herzen liege.

 

Grußwort des Papstes

Verlesen wurde auch ein Grußwort, das die Katholische Kirche von höchster Stelle schickte: Jeder Mensch sei gleich wertvoll, ließ Papst Franziskus an die Marschteilnehmer übermitteln. „Daher ist es unsere Pflicht, als Christen und Glieder der Gesellschaft aufzustehen, wenn das Recht auf Leben und die Würde des Menschen bedroht oder auf subtile Weise ausgehöhlt und untergraben werden.“ Er erbitte Gottes reichen Segen für alle Teilnehmer, so das Kirchenoberhaupt.

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