Diözese startet erneut Aktion Austrittstelefon - Frauen und Männer stehen für Gespräch und Kritik zur Verfügung

26.06.2020

Am 26. Juni 2020 hat das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zusammen mit der EKD die Zahlen kirchlichen Lebens in Deutschland für das Jahr 2019 bekannt gegeben. Im Fokus des öffentlichen Interesses stehen traditionell die Austrittszahlen. Sie liegen im vergangenen Jahr 2019 erschreckend hoch. Im Bistum Regensburg haben 10.655 Menschen den Austritt aus der katholischen Kirche erklärt. Das entspricht einer Quote von 0,93 % im Verhältnis zur Gesamtmitgliederzahl von 1.143.030 Katholiken.

Statistik aller Bistümer in Bayern.

Mit den Austritten umzugehen ist eine schwierige Herausforderung für die Kirche. Die Kirche respektiert die Freiheit der Menschen, sich zum Glauben an Christus zu bekennen und dies durch die Mitgliedschaft der Kirche zum Ausdruck zu bringen, oder davon abzusehen. Jeden einzelnen Austritt bedauert die Kirche aber zutiefst. Die Kirche ist für alle Menschen und zu jeder Zeit offen und freut sich, sich der Anliegen auch der Personen anzunehmen, die die Entscheidung eines Austritts getroffen haben. Im laufenden Jahr hat es einen Rückgang der Austrittszahlen gegeben. Wir sind von der Hoffnung getragen, dass der katholische Glaube uns und viele Menschen in den für uns alle schwierigen Zeiten der Corona-Epidemie trägt.

Im Bistum Regensburg stehen in diesem Jahr erneut vier Personen zur Verfügung, um mit Menschen, die einen Austritt erwägen oder die ausgetreten sind, über Zweifel, Fragen oder Beschwerden zu sprechen. Bitte zögern Sie nicht, anzurufen. Die Aktion beginnt am heutigen Freitag, 26. Juni. Sie dauert mehrere Wochen lang (zu den konkreten Zeiten siehe unten). Alle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner stehen ab diesem Freitag zur Verfügung.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass auf diese Weise interessante und fruchtbare Gespräche zustande kommen. Die Personen, die sich zur Verfügung gestellt haben, sind: Diakon Michael Weißmann, der als Direktor der Caritas im Bistum Regensburg wirkt, Monsignore Thomas Schmid, Schwester M. Anne Strubel von den Mallersdorfer Schwestern und Gemeindereferentin Claudia Stöckl aus Rothenstadt-Etzenricht. Msgr. Thomas Schmid wird außerdem im Mobil in zahlreichen und mobilen Orten im ganzen Bistum Regensburg präsent sein. Er wird face-to-face für Gespräche zur Verfügung stehen, die ebenfalls Sorgen, Nöte, Beschwerden betreffen.

Direktor Michael Weißmann: bis 31. Juli, einschließlich samstags von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

Telefon: 0151-73029484

Direktor Michael Weißmann sagt: „Auf die Gespräch freue ich mich schon! Ich denke gerade in diesem ganz besonderen Jahr mit Corona gibt es Redebedarf. Auch in den letzten Jahren waren die Telefonate oft sehr bereichernd, auch für mich! Es steht der Kirche gut an, wenn die Menschen so ein niederschwelliges Angebot zum Gespräch bekommen!“

Msgr. Thomas Schmid: bis 17. Juli, 9-21 Uhr, auch am Wochenende.

Telefon: 0151-64 09 1669

Msgr. Schmid erklärt: „Es gibt ein bayrisches Sprichwort, das wie in den vergangenen Jahren so auch heuer über meinem Gesprächsangebot stehen soll: „Im Redn kemma d'Leid zamm“! Auch und gerade wenn sich das Gefühl einstellt, dass man sich zunehmend verliert oder Trennendes immer stärker wird, ist respektvolle Gesprächsbereitschaft besonders wichtig. Nicht selten entsteht aus einem offenen Gespräch ein heilsamer Prozess des Sich-Wiederfindens. Und wenn das nicht mehr möglich sein sollte, dann kann das Miteinander-Reden Hilfe zu einem Auseinandergehen in gegenseitiger Achtung sein: Im Redn kemma d'Leid zamm!“

Gemeindereferentin Claudia Stöckl: bis 23. Juli, auch am Wochenende.

Telefon: 0961-38867399

Claudia Stöckl erklärt: „Als Gemeindereferentin freue ich mich auf diese spannende und zugleich herausfordernde Aufgabe. Für uns als Seelsorger ist es wichtig zu hören, welche Beweggründe es gab, diesen Schritt zu gehen. Jeder und jede kennt im persönlichen Umfeld Verwandte, Freunde und Bekannte, die bereits aus der Kirche ausgetreten sind. Das es nur finanzielle Gründe sind, mag ich persönlich zu bezweifeln. Und so will ich mich gerne auch in der Zukunft dieser Aufgabe stellen, was wir als Vertreter der Kirche und in der Nachfolge Jesu Christi daraus lernen sollen und dürfen, damit man sich als Mensch in dieser Gemeinschaft wieder heimisch fühlen kann.“

Schwester M. Anne Strubel, Arme Franziskanerin von der Heiligen Familie zu Mallersdorf, das sind die Mallersdorfer Schwestern

Telefon: 08772 69-293 oder 69-00 (Vermittlung)

Dienstag bis Samstag 9.00 bis 11.00 Uhr, 14.00 bis 17.00 Uhr, Dienstag und Donnerstag 19.30 bis 20.30 Uhr

In der Woche vom 6.7. bis einschließlich 11.7.2020 und vom 7.8. bis einschließlich 22.8.2020 ist Sr. Anne ausnahmsweise nicht erreichbar. Anrufe sind möglich bis 15.9.2020.

Schwester M. Anne Strubel teilt mit: „Ich lebe im Konvent des Mutterhauses in Mallersdorf. Ich bin Geistliche Begleiterin und habe langjährige Erfahrung in der Seelsorge und Trauerarbeit sowie in der Begleitung von Frauen in Tagen der Stille. Seit Beginn meines Ordenslebens begleite ich Menschen in den unterschiedlichen Lebensphasen und in ihren individuellen Bedürfnissen. Ich gehe gerne in Kontakt mit Menschen, um sie ein Stück auf ihren Lebensweg zu begleiten. Schon unserem Ordensgründer, Dr. Paul Josef Nardini, lagen die Menschen mit ihren Nöten am Herzen, deshalb sind wir Mallersdorfer Schwestern in verschiedenen sozial-caritativen Aufgabenfeldern tätig. Ich freue mich auf Ihren Anruf.“

Wir haben die Theologin Isabel Kirchner gebeten, Gedanken zum Kirchenaustritt aufzuschreiben und zusammenzutragen. Hier sind ihre Ergebnisse:

Zwischen Glaube und Glaubwürdigkeit: Kirchenaustritte in Deutschland

Auch im vergangenen Jahr haben in Deutschland wieder eine große Zahl von Katholiken ihre Kirche verlassen. Von einem Aufbruch, wie ihn sich viele vom sogenannten Synodalen Weg versprochen haben, ist bislang nichts zu spüren. Was sind die Ursachen für diese Entwicklung?

Entfremdungsgeschichte

Die Motive, die zum Kirchenaustritt führen, sind sehr vielfältig und persönlich. Hinter jedem Austritt steht eine ganz eigene Geschichte. Manche fühlen sich entfremdet, andere sind enttäuscht, wieder andere haben sich geärgert. Spielt der Missbrauchsskandal eine Rolle? Sicherlich schon. Vielleicht nicht als Ursache, aber als Anlass, einer Kirche den Rücken zu kehren, deren Heilsbotschaft gerade von Priestern in ihr völliges Gegenteil verkehrt wird. Auch persönliche negative Erfahrungen mit Kirchenvertretern mögen ihren Teil beitragen. Und außerdem: Der Glaube an Gott, an den auferstandenen Herrn und das Wirken des Heiligen Geistes scheint für viele Menschen nahezu bedeutungslos geworden zu sein. Am Ende dieses Entfremdungsprozesses steht dann häufig der Entschluss, eine als irrelevant empfundene Institution nicht mehr länger durch die Kirchensteuer unterstützen zu wollen. Es ist sicher richtig, die tiefere Ursache als Glaubenskrise zu bezeichnen. Wenn ich die Kirche verlasse, glaube ich nicht mehr, dass sie mir Heil vermittelt und den Weg zu meinem persönlichen Lebensglück zeigt. Doch keine Glaubenskrise ohne Krise der Glaubwürdigkeit: Die Kirche scheint genau das nicht mehr auszustrahlen, dass in ihr Heil, Erlösung, Glück, Liebe, Geborgenheit zu finden ist.

Fremder Glanz

Wirkt in der Kirche der Heilige Geist trotz vieler Skandale, trotz vieler Menschen mit sichtbaren Schwächen, die darin tätig sind? Zunächst einmal besteht die Kirche aus Menschen, die ein Geschenk angenommen haben. Und zwar das Geschenk der Gemeinschaft mit Gott. Das ist der Ursprung der Kirche. Aber dieses Geschenk führt auch zur Entfaltung, zu „Früchten“. „An den Früchten sollt ihr sie erkennen“ heißt es im Matthäusevangelium (Mt 7,16). Das heißt, die Glaubwürdigkeit der Kinder Gottes bemisst sich daran, wie der Heilige Geist wiederum in ihnen wirkt, fruchtbar wird, sich entfaltet. „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit“ (Gal 5,22f.). Papst Franziskus betont hier besonders die Freude: „Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Diejenigen, die sich von ihm retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude.“ (Evangelii Gaudium 1) Vor allem an den Heiligen lassen sich die Früchte des Geistes wunderschön ablesen. In den Heiligen leuchtet und glänzt die Kirche. Es ist aber nicht eigener, heldenhafter Glanz der Heiligen, sondern der Glanz Jesu Christi, der durch sie hindurch leuchten kann.

Die Liebe selbst bezeugen

Wie wird die Kirche in Zukunft aussehen? Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir als Christen in unserem Land inzwischen eine Minderheit sind. Zunehmend vollzieht sich damit auch eine „Beweislastumkehr“: Nicht mehr derjenige muss sich rechtfertigen, der aus der Kirche austritt, sondern der, der ihr immer noch treu bleibt. Das ist für Christen keine leichte Situation, zugleich kann es aber auch zur Chance werden. Jetzt muss ich mich fragen: Warum bin ich eigentlich noch in der Kirche? Was bedeutet mir der Glaube? Wer in der Zukunft Teil der Kirche ist, von dem weiß man, er hat sich so entschieden. Wer mit seinem Glauben unaufdringlich aber offen umgeht, der macht andere neugierig. So wird, was früher selbstverständlich war, Mitglied der Kirche zu sein, sonntags zum Gottesdienst zu gehen, regelmäßig zu beten, zum Zeugnis. Und das ist es, was der Kirche ein authentisches Gesicht gibt und Glaubwürdigkeit verleiht.

Gegenwind

Ein Ruf schallt derzeit aus vielen Mündern: Blickt endlich auf die Zeichen der Zeit! Würde es der Kirche nicht besser gehen, wenn sie sich wesentlich mehr am Geist unserer Zeit orientierte? Wenn sie einfacher, leichter und bequemer in eine Lebensführung passte, die heute für viele Menschen üblich ist? Hier ist ein Blick auf die Schwestern und Brüder der EKD sehr aufschlussreich, da sie vieles von dem, was bei uns gefordert wird, verwirklicht haben: Frauen werden zu Pastorinnen ordiniert, Pastoren dürfen heiraten, es gibt demokratische Kirchenstrukturen statt hierarchische. Überraschend mag sein: Dies scheint keinen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Austrittszahlen der EKD zu haben. Für Christen aller Zeiten, schon für die Jünger selbst, war Jesu Handeln, seine Aussagen nicht immer leicht zu verstehen. „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt,“ (Lk 7,23) sagt Jesus in diesem Bewusstsein. Für die Kirche, die nicht sich selbst, sondern Christus verkünden möchte, kann das unter Umständen auch bedeuten, manchmal gegen vorherrschende Intuitionen zu stehen.

Offene Türen

Statt um sich selbst zu kreisen und sich in Strukturdebatten zu verlieren, sollte die Kirche lieber selbstbewusst den Glauben nach außen tragen und vor der Welt bezeugen. Das ist ihre eigentliche Aufgabe: „Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19) – ganz tief im Wesen der Kirche verankert ist die Offenheit der Erlösung: Nicht ein kleiner Kreis von Erwählten soll vom Brot des Lebens kosten dürfen und in liebender Gemeinschaft mit Gott stehen. Nein – so verrückt es klingt – für wirklich alle Menschen steht diese Perspektive offen. Und so sollen auch die Türen der Kirche immer offen stehen, für Neugierige, für Suchende und auch für Menschen, die nach einer Zeit der Abkehr der Kirche wieder neu glauben können: In ihr finde ich wirklich den Schatz, der meinem Leben Sinn verleiht und mir die Liebe schenkt, nach der ich mich sehne.

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