Drei Würfe bringen den Segen – ökumenische Donausegnung in Regensburg

13.01.2020

Am Sonntag haben in ökumenischem Zusammenwirken die evangelisch-lutherische, die griechisch-orthodoxe, die katholische Kirche und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Regensburg die Donau gesegnet. Mit der Segnung wird an die Taufe Jesu im Jordan erinnert und zugleich auch an die zentrale Bedeutung des Wassers als Lebenselement.

 

Weihrauch-Premiere

Der Nachmittag begann mit einer gemeinsamen Vesper im Dom St. Peter mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, dem evangelisch-lutherischen Regionalbischof Klaus Stiegler und Archimandrit Petros Klitsch. Ein Männerchor der Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß und der „Byzantinische Kantorenchor München“ unter der Leitung von Prof. Dr. Konstantin Nikolakopoulos gestalteten die Vesper musikalisch. Letzterer sang unter anderem ein Chrysostomus-Tropar vor der Handreliquie des heiligen Johannes Chrysostomus, die im Jahr 1652 nach Regensburg kam und im Chorraum der Kathedrale ihren Platz fand. Während des Magnificats legten die beiden Bischöfe und der Archimandrit gemeinsam Weihrauch auf – für den evangelisch-lutherischen Bischof Stiegler das erste Mal, wie er später an der Donau offenbarte. Die anschließenden Fürbitten wurden von je einem Vertreter der katholischen, orthodoxen und evangelischen Gemeinden, der ACK und von einer jungen syrischen Christin vorgetragen.

Gebet für Menschen in Seenot

Bischof Voderholzer freute sich besonders, den neuen Regionalbischof Stiegler zum ersten Mal dienstlich im Dom begrüßen zu dürfen. In der Predigt wies Bischof Rudolf darauf hin, dass es gerade die Taufe sei, die alle christlichen Konfessionen verbinde. Jesu eigene Taufe, sein erster öffentlicher Auftritt, sei ein Zeichen der Demut gewesen, indem sich der Sündenlose unter die Sünder einreihte: „Die Taufe Jesu ist die unblutige Vorwegnahme des Kreuzesopfers.“ Sie lege den Grund für unsere Taufe, wodurch wiederum wir Kirche sein dürften. Die Wassersegnung in orthodoxer Tradition schärfe die Aufmerksamkeit für den Wert der Taufe aber auch die Bedeutung des Wassers. Achtsamkeit im Umgang mit dem Wasser sei tiefer begründet als in nur politischer Programmatik. Bischof Voderholzer sprach den Stadtwerken und allen, die die Wasserversorgung gewährleisten, einen großen Dank aus. Das Zeichen der Taufe erinnere auch an die Ambivalenz des Elements Wasser: Es kann lebenserhaltend wie lebensbedrohend wirken. Das heutige Fürbittgebet bezöge sich also nicht nur auf alle, denen es an Wasser mangelt, sondern ebenso auf alle, die in Seenot sind oder bei der Rettung von Menschen in Seenot selbst in Lebensgefahr geraten.

Dreifacher Wurf in die Donau

Nach der Vesper ging es in einer Prozession zur Donau auf die Steinerne Brücke. Dort übernahm Archimandrit Petros Klitsch die liturgische Regie. Er begrüßte zusätzlich die griechische Generalkonsulin Panagiota Konstantinopoulou, die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Wilhelm Unger, den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Regensburg. Obwohl ein Priester nicht politisch sein solle, so der Archimandrit, wolle er die Gelegenheit nutzen, zur Beteiligung an der Kommunalwahl aufzufordern: Nicht nur der Fluss solle voll sein, sondern auch die Wahlurnen. Die anschließende Segenszeremonie, die mit eindrucksvoll-exotischen Klängen vom byzantinischen Chor begleitet wurde, hatte darin ihren Höhepunkt, dass ein Kreuz dreimal in die Donau geworfen und an einem Seil wieder zur Brücke hochgezogen wurde.

Eine alte Tradition

Mit der Flusssegnung wird in Regensburg jährlich eine orthodoxe Tradition aufgegriffen. Eigentlich feiert die orthodoxe Kirche die große Wasserweihe am Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie). Allerdings gedenkt die orthodoxe Kirche an Epiphanie der Taufe Jesu und damit liegt die Wasserweihe an diesem Tag auch nahe. Die katholische und evangelische Kirche haben am Sonntag nach Epiphanie die Taufe Jesu zum Thema. Und so passte wiederum der vergangene Sonntag für die ökumenische Form der Flusssegnung.

Syrische Christin bei Fürbitte
V.l.: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Generalkonsulin Panagiota Konstantinopoulou, Bischof Rudolf Voderholzer
V.l.: Archimandrit Petros Klitsch, Wilhelm Unger

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