Durch das Kirchenjahr: Der Lottogewinn

11.10.2018

… mit Benedikt.

Mk 10,17-30 – 28. Sonntag im Jahreskreis

Ich stelle mir manchmal vor, was geschähe, wenn ich im Lotto gewinnen würde. So richtig viel. Ich würde wohl weder das Studium aufgeben noch die Arbeit. Ohne Arbeit wird es ja schnell langweilig. Aber ich könnte mir viele Dinge leisten, die für mich in weiter Ferne liegen. Das Leben könnte ein Stück angenehmer werden. Vielleicht sogar ein ganz schön großes Stück. Kein Stress mehr mit den Arbeitsaufträgen und wenn das mit dem Studium ein bisschen länger dauert, wäre das schon auch ok. Ich könnte einen neuen Laptop kaufen, ein teures Auto, kostspielige Urlaube buchen. Aber: Ich gewinne nicht im Lotto. Ich spiele ja noch nicht einmal.

So wird der Gedanke vom Reichtum immer eine Phantasie bleiben. Zumindest im Augenblick noch. Beim Blick in das Sonntagevangelium denke ich mir: Vielleicht gar nicht so schlecht. Da kommt ein junger Mann zu Jesus und stellt eine der entscheidendsten Fragen überhaupt: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ Jesus zählt einige der zehn Gebote auf. Gar kein Problem! Daran hat sich der junge Mann immer gehalten. Er hatte immer versucht, ein gottgefälliges Leben zu führen. Und jetzt will er sich sogar Jesus und seiner Jüngergruppe anschließen. Er bringt eigentlich die besten Voraussetzungen mit.

Bleibt nur eines. „Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach“, sagt Jesus. Da nun kommt das Problem. Der junge Mann ist sehr vermögend. Alles hinter sich zu lassen mochte für die Apostel vielleicht machbar gewesen sein; sie hatten nicht sehr viel. Dieser Mann aber ist sehr reich. Wer viel hat, kann auch viel geben – in dem Fall: muss auch viel geben. Der Mann wird traurig. Er geht. „Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“, meint Jesus.

Die Jünger sind schockiert. Soll das Reich Gottes damit den Reichen ganz verschlossen bleiben? Können sie nicht zu Gott kommen? Doch, können sie schon, denn „für Gott ist alles möglich.“ Ich frage mich, wie wir das heute umsetzen können. Eine kleine Wanderbewegung kann diese radikale Armut aushalten. Aber sollten jetzt alle Christen in unserem Land alles weggeben, was sie haben? Jeden Besitz, alles Geld? Das ist kaum vorstellbar und wäre auch nicht wirklich zweckdienlich.

Aber ein wahrer Kern bleibt: Wer viel hat, hat immer auch viel zu verlieren. Wer kaum etwas oder gar nichts hat, ist freier. Vielleicht macht es das einfacher, Jesus nachzufolgen und nicht immer nur um materielle Fragen zu kreisen. Der Kopf ist freier – vielleicht. Insofern bin ich ganz froh, weder reich zu sein noch Lotto zu spielen.