Ein Weg des Lichts in der dunklen Zeit – Pfarreiengemeinschaft Pilsting greift Idee des „Ersten ökumenischen Krippenwegs“ in Regensburg auf

20.11.2020
Fotos: Sabrina Melis

„Es wird Weihnachten“, das soll in diesem turbulenten Jahr in der Pfarreiengemeinschaft Pilsting-Großköllnbach zu spüren sein. Der Pilstinger Pfarrer Jürgen Josef Eckl plant mit seinen Mitarbeitern und dem Pfarrgemeinderat für die Adventszeit eine Krippenschau nach dem Vorbild des „Ersten ökumenischen Krippenwegs“ in Regensburg. Die Vorbereitungen haben Pfarrer Eckl nach Regensburg zu Bischof Rudolf Voderholzer geführt. Am Sonntag, 29. November, wird der Krippenweg am Rathausplatz in Pilsting eröffnet.

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Ein umfangreiches Angebot

Die Adventszeit wird anders als gewohnt – keine Adventsfeiern in großen Kreisen, keine Adventsmärkte. So bitter das für viele sein mag, die Einschränkungen der Pandemie bietet auch die Chance, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In Pilsting gibt es dafür ein reichhaltiges Angebot: das Frauentragen, der „Adventsweg“ – ein Programm mit Andachten, Rorate-Messen, Adventsfenstern und Jugendmeditationen – und ein biblischer Adventskalender für Kinder. Ein besonders Projekt sind der Pilstinger Krippenweg und ein Hausaltar zum Falten.

 

Der Pilstinger Krippenweg

Beim „Krippenweg“ sind die Gläubigen eingeladen, ihre Krippen zu zeigen. Jeder, der eine Krippe zu Hause hat, kann diese ab dem 1. Advent ins Fenster stellen, am besten zur Straßenseite und beleuchtet, zum Beispiel mit LED-Kerzen. Ein Zettel beschreibt für die Besucher des Wegs die Krippe und wann sie entstanden ist. Wer keine Krippe hat, kann die „stade Zeit“ nutzen, um eine im Familienkreis zu basteln – mit ein bisschen Phantasie kann aus jedem Material ein wundervolles Werk entstehen. Die Anmeldung zum Krippenweg erfolgt im Pfarrbüro. In der Adventszeit soll dann ein kleiner „Krippenwegweiser“ zu den verschiedenen Darstellungen der Geburt Christi führen.

Besuch bei Bischof Rudolf

Die Vorbereitungen führten Pfarrer Jürgen Josef Eckl nach Regensburg, zu einem passionierten Krippenfreund: Bischof Rudolf Voderholzer. Dessen Sammlung umfasst Krippen aus aller Welt und in allen Formen und Größen, die er seinen interessierten Besuchern zeigt und im Detail erklärt.

Auf Motivsuche für den Falt-Altar

Pfarrer Jürgen Josef Eckl war auch auf der Suche nach Motiven für den Falt-Hausaltar. Diese fanden sich unter den Krippen des Bischofs zur Genüge: von bunten „Schopkis“, polnischen Krippen in Krakauer Tradition, die mit buntem Stanniol ihre Farbenpracht bekommen, filigran geschnitzten Figuren hinter Glas aus dem 18. Jahrhundert von Propst August Alois (Sterzing in Südtirol) bis hin zu zeitgenössisch gestalteten Krippen, wie der aus Auerkalk gefertigten Krippe von Andrea Prucker aus Regensburg, die im Innenhof des Bischöflichen Ordinariats ihren Platz hat. Jede Krippe hat ihre Besonderheit. Die Figuren der Sizilianische Krippe (Raimondo S. Sizilien 1992-95, Terracotta und Draht) erzählen vom schweren Leben der Hirten, Bauern und Musikanten. Sie zeigen die Realität in vergrämten Gesichtern, gebeugten Rücken und ärmlicher Kleidung. Doch die Augen der Menschen richten sich voller Staunen auf das Wunder in der Krippe.

 

Goethe schaut zu

Eine andere Krippe zeigt eine eher ungewöhnliche Figur, die am Geschehen beteiligt ist: Johann Wolfgang von Goethe. „Der Aufbau geht auf die Beschreibung in einem Reisebericht Goethes zurück“, erklärte Bischof Rudolf. Darin berichtet er, dass die Neapolitaner ihre Krippen auf den Dächern aufbauen. Die Krippe zeigt eine Dachlandschaft in Neapel, dahinter ist der Vesuv angedeutet – mit dabei ist Goethe, als Beobachter.

Wer hat’s erfunden?

Bischof Rudolf räumte mit einem oft verbreiteten Irrtum auf: nicht der heilige Franziskus ist der „Erfinder“ der Krippen. Die ersten Krippen wurden Mitte des 16. Jahrhunderts von den Jesuiten aufgebaut, die erste Erwähnung stammt aus Prag. Jede der Krippen ist besonders, auch die „große“ Neapolitanische Krippe, die den Zusatz „groß“ redlich verdient hat. Sie ist eine vorübergehende Leihgabe aus dem Fundus des im letzten Jahr verstorbenen Architekten Josef Naumann aus Regensburg. Mit wundervoll lebensnahen Figuren zeigt sie das sizilianische ‚vita vivace‘ Neapels: Szenen von Straßenhändlern, die um ihre Ware feilschen, mitten im Trubel die Heiligen Drei Könige, und nicht zu übersehen: Benino, der berühmte schlafende Hirte, der von dem Wunder, das passiert, träumt.

 

Eine reichhaltige Sammlung

Die Sammlung Bischof Rudolfs beinhaltet Krippen aus 45 Materialien: Glas, Stein, Bananenstroh, Keramik, alle möglichen Formen von Holz – es gibt nichts, woraus keine Krippe irgendwann und irgendwo entstanden ist. Jedes Zimmer, jede Ecke bietet eine neue Krippe – einen neuen Stil, eine neue Interpretation der Darstellungen der Menschwerdung Gottes.

 

Text: Sabrina Melis

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