Fragen zur Missbrauchsstudie

17.09.2018

Am Mittwoch, dem 12. September, veröffentlichten DIE ZEIT und der Spiegel die Ergebnisse der im Auftrag der deutschen Bischöfe erstellten Studie zum sexuellen Missbrauch durch katholische Kleriker zwischen 1946 und 2015. Vorgestellt werden sollten sie erst am 25. September im Rahmen der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda. Aus einer bisher unbekannten Quelle erhielten die beiden Medien aber mehr als 14 Tage früher die Studie und veröffentlichten sie. Was bedeutet diese Entwicklung für das Bistum Regensburg?

Von Clemens Neck, Pressesprecher des Bistums Regensburg.

 

 

Wie hat das Bistum Regensburg bisher auf die Vorveröffentlichung der Studie reagiert?

Zunächst hat uns natürlich die ungeplante Veröffentlichung des Berichts völlig überrascht. Damit will ich den Medien keinen Vorwurf machen, die über ihn berichteten. Dass Medien so eine Information unter dem Deckel halten, kann man wirklich nicht erwarten. Den Vertrauensbruch beging ein anderer.

Dann hat der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, am vergangenen Freitag an alle Priester und Diakone geschrieben. Er kündigte ein Hirtenwort von Bischof Rudolf Voderholzer an, mit dem sich der Oberhirte nach der Vollversammlung der Bischöfe vom 24. bis zum 27. September an alle Gläubigen wenden will. Er bittet bis dahin um Geduld und um das Gebet.

 

 

Warum hat Bischof Rudolf Voderholzer noch keine Stellung zu der Studie genommen, die ja ein erhebliches Ausmaß an Straftaten dokumentiert?

Die Studie liegt uns schlicht und einfach noch nicht vor. Wir kennen sie nicht. Bischof Rudolf Voderholzer bedauert sehr, sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter äußern zu können.

 

 

Bekannt sind die Zusammenfassung der Studie und die Zeitungsberichte. Die fassen die entscheidenden Daten zusammen.

Entscheidend ist für Bischof Rudolf in erster Linie, die Menschen hinter diesen Zahlen zu sehen. Es geht um seelische Verletzungen, die eine Person in tiefster Weise berühren. Das ist für diese Menschen eine Katastrophe, die nicht selten ihr ganzes Leben prägt. Es ist die Perspektive dieser Betroffenen, die wir als Kirche einnehmen wollen. Der Bischof betonte das bereits in seinem Hirtenwort im Juli 2017 anlässlich der Veröffentlichung des Domspatzenberichts.

Diese Straftaten wiegen umso schwerer, hält der Bischof dort fest, - ich zitiere- „als diese Kinder in gutem Glauben Priestern und kirchlichen Mitarbeitern anvertraut wurden, die im Auftrag Christi, des guten Hirten, den zehn Geboten und dem Gebot der Nächstenliebe verpflichtet waren.“ Und weiter schreibt Bischof Voderholzer: „All das macht mich zutiefst zerknirscht und erfüllt mich mit Scham. (…) Als Bischof der Kirche von Regensburg bitte ich anstelle der Täter, von denen die meisten verstorben sind, um Vergebung und bitte, dass diese Entschuldigung von den Betroffenen angenommen werde.“

Bischof Rudolf hat sich bereits mit vielen Geschädigten getroffen und ist auch weiterhin zum Gespräch bereit.

 

 

Entsetzen müssen die Zahlen hervorrufen, die das gewaltige Ausmaß der Straftaten beschreiben, die Priester in den 70 Jahren des Berichtszeitraums der Studie begingen.

So furchtbar die Zahlen der Zusammenfassung sind, so sind sie doch nicht wirklich neu. Sie fassen zusammen, was einzelne Diözesen in der einen oder anderen Form bereits berichtet haben.

Wesentlich ist für uns die Frage, welche Erkenntnisse die Studie erarbeitet hat, um etwa unsere Aufarbeitung und unsere Präventionsarbeit zu verbessern. Welche Konsequenzen müssen wir ziehen für die Kirche und für ihr Wirken? Genau danach würden wir in einer Pressekonferenz berechtigterweise gefragt werden. Es sind solche Fragen, die wir nicht beantworten können, solange uns die Inhalte der Studie nicht vorliegen.

 

 

Wann wird das Bistum Regensburg die Studie erhalten?

Bischof Rudolf fordert, die Studie jetzt und sofort allen Bischöfen zuzuschicken. Wir brauchen sie dringend. Noch heute! Es ist ein Unding, wenn die Studie der Zeit und dem Spiegel vorliegt, die Auftraggeber sie aber noch nicht in den Händen halten.

 

 

Wie wird es weitergehen, wenn dem Bistum Regensburg die Studie vorliegt?

Bischof Rudolf will die Studie zunächst gut durchschauen und eventuell auch Fachleuten vorlegen, damit wir die Aussagekraft ihrer Ergebnisse richtig bewerten können. Es geht ihm auch darum, diese Studie, die meines Wissens einzigartig ist in Deutschland, in den wissenschaftlichen Diskurs einzubringen.

Spätestens zum 25. September werden wir die Presse zu einer Konferenz in Regensburg einladen. Wir werden nicht nur zu den grundsätzlichen Fragen Stellung nehmen, sondern auch die Regensburger Daten transparent machen, die in diese Studie eingeflossen sind.

Das Bistum Regensburg möchte alle Medien bitten, die Telefonnummern der unabhängigen Missbrauchsbeauftragten zu veröffentlichen. Wir möchten alle Menschen bitten, sich an diese Beauftragten zu wenden, wenn sie erlittene Straftaten berichten wollen, die ihnen von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der Kirche angetan wurden.

Es handelt sich um die ehemalige Fachanwältin für Familienrecht, Marion Kimberger, die unter der Telefonnummer 0941/20914268 zu erreichen ist und um den Kinder- und Jugendpsychiater, Dr. Martin Lindner mit der Telefonnummer 0941/70546470.

So bitter diese Berichte für die Kirche auch immer sind, Bischof Rudolf Voderholzer will wissen, was geschehen ist und das Mögliche in die Wege leiten, um geschehenes Unrecht anzunehmen und um den Opfern zu helfen, mit diesem leidvollen Kapitel ihres Lebens Frieden zu schließen, soweit das auch immer möglich ist.

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