Führung im Ordinariat: In Krippen spiegeln sich alle Kulturen wieder

17.10.2019

Sie stehen jedes Jahr unter dem Weihnachtsbaum: die kleinen Figuren von Josef, Maria und dem Jesuskindlein, mit Ochse und Esel in der Scheune, umgeben von Hirten, Schafen und den heiligen drei Königen. Doch die interessanteste Krippensammlung Regensburgs findet man im Bischöflichen Ordinariat, wo auf zahlreiche Orte verteilt Krippen aus den verschiedensten Kulturen zu sehen sind. Bischof Rudolf Voderholzer hat am vergangenen Dienstagabend, 15. Oktober, die Kolpingsfamilie von St. Cäcilia durch die umfassende Krippenlandschaft geführt. Zu vielen Krippen wusste der Bischof Hintergründe und interessante Details zu erzählen.

Bastelei mit Gebrauchsgegenständen

Bischof Dr. Voderholzer nahm sich viel Zeit für die Führung. Die Besucher lauschten gespannt. „Ich weiß nicht, wie viele hundert Menschen ich hier schon geführt habe“, sagte Dr. Voderholzer: „Es ist eine schöne Weise der Verkündigung“, sagte der Bischof über die Bedeutung der Krippen. Die 16-köpfige Gruppe konnte in den kleinen Kunstwerken die verschiedensten Materialien erkennen: von Holz und Papier über Porzellan, Keramik und Acrylglas bis hin zu Speckstein und Styrodur. Sogar von Playmobil ist eine Krippe dabei. Doch alle Werke haben eine gemeinsame Thematik: Die Menschwerdung von Gottes Sohn, der später als Opferlamm für die Menschen am Kreuz stirbt.

Faulenzerkrippen – der schnelle Weg zum Aufstellen

Über zwei Stockwerke verteilt erstrecken sich deckenhohe Regale mit allerhand ungewöhnlichen Krippenarten. Oft wurden auch Gebrauchsgegenstände in den Krippenbau einbezogen, wie bei der kleinen Metallkrippe aus recycelten Zündkerzen, der kleinen Variation aus buntem Stanniolpapier oder der dekorierten halben Nussschale, die man auch als Christbaumschmuck verwenden kann, in der kleinste Figuren der Heiligen Familie zu erkennen sind. Auch ein Plattencover gibt es zu entdecken: „Pop-up-Krippe“, nennt es Bischof Rudolf, als er die Plattenhülle aufklappt und daraufhin die Figuren zum Vorschein kommen. In den 70er-Jahren hat der Sänger Heino seine Platte mit Weihnachtsliedern auf den Markt gebracht. Öffnet man das Plattencover, kommt eine dreidimensionale Krippenszene aus bunt bedrucktem Papier zum Vorschein. „Es war damals eine Sensation“, erzählt Voderholzer.

Eine ganz andere Sensation ist der große dreiteilige Glaskasten, der auf einem kleinen Tisch ausgestellt ist. Es handle sich um eine typische Art der Faulenzerkrippen, erklärt der Bischof. So nennt man die Art, die man nicht erst aufbauen muss, sondern schon fertig hinstellen kann, wie diesen Glaskasten. Die mittlere Sparte des Krippengehäuses, mit der Anbetung des Jesuskindes darin, überragt die anderen beiden Teile des umgebauten ehemaligen Schreins. Die farbigen Holzfiguren stellen verschiedene Krippenszenen dar, wie den Hirten mit seinen Schafen oder die anreisenden Könige. Die Figuren des böhmischen Kunstwerkes stammen aus dem 19. Jahrhundert, wobei der frühere Schrein sogar noch ein Jahrhundert älter ist.

Für alle Völker geboren

Die verschiedensten Länder bringen sich in die Krippenlandschaft des Ordinariats ein und übermitteln die klare Botschaft, dass Jesus für alle Völker der Erde geboren ist: Es gibt kleine aus Ton modellierte und bemalte Figuren aus dem südamerikanischen Peru, eine Krippe aus Uganda als afrikanische Rundhütte, aus Rindenstoff mit Strohdach, und eine in der

Suchtklinik Haselbach angefertigte Krippe, deren Klienten als Teil der Therapie handwerkliche Arbeiten fertigen.

Im polnischen Krakau gibt es die tragbare Krippe schon seit etwa 1900. Da Steinmetze oder Maurer im polnischen Winter keine Arbeit fanden, sind sie für zusätzlichen Verdienst mit ihren selbstgebauten Krippen umhergezogen. Die Weihnachtsgeschichte ist hierbei zumeist vor dem Hintergrund polnischer Kirchenbauten zu sehen, wie die Krakauer Marienkirche. Farbenprächtiges, glitzerndes Stanniolpapier überzieht die dünnen Holzstäbe und den Pappkarton, die das Gerüst bilden. Auch der polnische Adler und die Nationalfahnen dürfen nicht fehlen.

Natürlich hat Bischof Rudolf auch seine persönliche Krippe: In der großen Krippe sind die vielen Figuren simultan aufgestellt, es sind also etwa sieben Szenen gleichzeitig zu betrachten. Darunter erkennt man die Taufe Jesu, die Herbergssuche und die Begegnung von Maria und Elisabeth auf der Brücke. Es mache ihm immer eine Freude, wenn man ihm eine weitere Figur schenke, um seine Krippe zu erweitern, erzählt Bischof Rudolf der Gruppe.

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