Gott öffnet den Himmel – Pontifikalamt mit Bischof Voderholzer am ersten Weihnachtstag

25.12.2019

Der Dom war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Bischof Rudolf Voderholzer am 25. Dezember das Hochfest der Geburt des Herrn im Regensburger Dom feierte. Die mittelalterliche Kathedrale war festlich geschmückt und erstrahlte in weihnachtlichem Glanz.

Unter Leitung des neuen Domkapellmeisters Christian Heiß sangen die Domspatzen die Missa Papae Marcelli des Renaissance-Komponisten Giovanni Palestrina, eines der bedeutendsten Werke der Vokalpolyphonie, wie Bischof Rudolf in der Begrüßung hervorhob. Eine Schola der Domspatzen sang das Proprium im gregorianischen Choral, geleitet von Kathrin Giel. Die Orgel spielte Domorganist Franz Josef Stoiber.

Fürbitten in verschiedensten Sprachen

Ein Fest der Kirche, das die Menschen aller Zeiten und aller Länder verbindet

Die weihnachtliche Freude verbindet die Menschen der ganzen Erde und aller Zeiten: In Latein, der welt- und zeitumspannenden Sprache der Kirche, wurden deshalb die zentralen liturgischen Texte gebetet und gesungen. In Polnisch las Schwester Franziska Pakula, die im Regensburger Alten- und Pflegeheim St. Ägid dient, die erste Lesung aus dem Buch Jesaja vor. In Deutsch trug ein Priesterseminarist die neutestamentliche Lesung aus dem Hebräerbrief vor. Koreanische, englische, polnische, französische, italienische und ungarische Muttersprachler, allesamt Schüler der Domspatzen, beteten die Fürbitten.

Gott wird Mensch – ohne Weihnachten verliert die Welt ihre Seele

In seiner Predigt sprach Bischof Voderholzer von der alles entscheidenden Bedeutung der Weihnachtsbotschaft. Gott ist wirklich ein Mensch geworden: daran glauben wir Christen.

Fehlt dieser Glaube, dann ist Weihnachten nur noch irgendein netter Mythos und das habe, so Bischof Rudolf „enorme Folgen für die übrigen Glaubensinhalte, gerade auch für die, über die jetzt beim so genannten Synodalen Weg gesprochen werden soll.“

Wenn Jesus nur ein Mensch war, dann ist die Kirche ein Verein wie andere auch. Eucharistie wäre dann nichts anderes als eine Art Totenkult. Priester brauchen wir nicht mehr. Wenn Jesus nicht Gott ist, dann ist er ein Mensch wie wir alle und kann sich nicht sakramental vergegenwärtigen.

Deshalb hänge alles von der Glaubensüberzeugung ab, „dass der menschgewordene, für uns am Kreuz gestorbene und auferstandene Christus der Herr seiner Kirche ist, dass er in der Kraft seines Geistes in ihr gegenwärtig bleibt und sie zu seinem sakramentalen Leib macht.“ Die notwendige Weihe der Priester erinnere daran, dass wir Offenbarung und Erlösung nicht selbst hervorbringen, sondern Gottes Gnade von außen her geschenkt bekommen und annehmen dürfen.

Ein vierter Punkt, der aus dem Inkarnationsglauben folgt, ist der Zölibat: „Ohne den Glauben an den Mensch gewordenen und auferstandenen Christus wird die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen zu einem kuriosen Unterfangen … Was sollte es auch für einen Sinn haben, auf etwas menschlich so Großes und Wertvolles wie Ehe und Familie zu verzichten, wenn es kein Leben nach dem Tod gibt“, fragte der Bischof. Jemand, der auf die Ehe verzichtet, der setze auf eine Vollendung der Liebe, die über jede menschliche Erfüllung hinausgeht.

Doch auch für Eheleute ist der Inkarnationsglaube wesentlich: Erst im Licht der Menschwerdung Gottes wird auch die Ehe zum Sakrament, zur „sakramentalen Vergegenwärtigung von Gottes Liebe“.

Bischof Rudolf Voderholzer zog in der Weihnachtspredigt das Fazit: Ohne den Glauben an den Mensch gewordenen Gott verliere die Welt ihre Seele. Die Welt bliebe in sich eingeschlossen. Nichts weise über sie hinaus. Der Horizont funktionierender Austauschbarkeit begrenzte das Leben der Menschen. Letztlich bleibe nur eine Welt, die den Stoff beliebiger menschlicher Manipulation liefere.

Der Blick auf diese Alternativen erschließt den Sinn unserer Weihnachtsfreude. Gott öffnet uns den Himmel. In diesem Sinne wünschte der Bischof allen Menschen frohe und gesegnete Weihnachten. Herzlich sind Sie eingeladen, seine Predigt hier nachzulesen.

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