Krippenleidenschaft im Blut – eine besondere Ausstellung in Marktredwitz

29.11.2019
Bischof Rudolf Voderholzer vor der Benker-Krippe

Bischof Rudolf Voderholzer hat am Donnerstagabend die Sonderausstellung „Fast vergessene Marktredwitzer Krippen“ im Egerlandmuseum Marktredwitz besucht. Dort sind vor allem drei große traditionelle Familienkrippen aus Marktredwitz zu sehen. Sechs Wochen hat der ortsansässige Krippenbauer Albin Artmann gebraucht, um die Krippen der Ausstellung aufzubauen. Angesichts der drei großen bunten Miniaturwelten erscheint dies höchst kurz. Das Herausragendste für ihn? Dass man um eine der Krippen – nämlich um die 24 Quadratmeter große Ott-Krippe – sogar komplett herumgehen kann. Von allen Seiten kann hier bäuerliches Leben von vor etwa hundert Jahren bestaunt werden. Die Ott-Krippe wurde noch nie so aufgebaut und wird es wohl auch nicht mehr, nimmt Albin Artmann an.

Elemente der Volksfrömmigkeit, hier in der Ott-Krippe

Historisches Stück

Ein besonderes Stück stellt die Benker-Krippe dar: Teilweise stammen die Figuren noch aus den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts. Viele detailliert ausgearbeitete Häuser im alpinen Stil verleihen ihr eine besonders charakteristische Prägung. Die Krippe war seit 1956 nicht mehr komplett aufgebaut worden. Damals lief durch diese Krippenlandschaft auch eine Modelleisenbahn. Bischof Voderholzer war über eine Eisenbahn in einer Krippe nicht sonderlich erstaunt: „Eigentlich ist ja die Modelleisenbahn die säkularisierte Form der Krippe“, bemerkte er schmunzelnd.

Der Bischof war fasziniert von den großen Krippenlandschaften und entdeckte viele Details. Dabei wies er auch auf die zahlreichen Zeugnisse der Volksfrömmigkeit hin, die die Krippenlandschaften durchziehen, etwa die vielen Marterln. Vor allem betrachtete Dr. Voderholzer immer auch die eigentliche Krippenszene eingehend. „Ohne Krippe keine Krippe“, fasst er knapp zusammen.

Albin Artmann

Weihnachtliches Lokalkolorit

Auch die im Kontrast sehr kleine orientalische Krippe, die Kripperer Albin Artmann selbst gebaut hat, bestaunte Bischof Rudolf: „Da merkt man schon, Sie haben einen ganz eigenen Stil.“ Besonders die fein ausgearbeitete Figur der Jungfrau Maria beeindruckte ihn. Die Figuren sind groß: 20 Zentimeter. Albin Artmann fügt jedes Jahr genau eine Figur hinzu. Es sei recht aufwendig, Tonfiguren herzustellen, aber zugleich sehr entspannend. In seinem Werkkeller vergisst Albin Artmann regelmäßig die Zeit. Ihm liegt die Krippenleidenschaft im Blut, er habe die Krippen von seinem Großvater bekommen und so sei er zum Kripperer geworden. „Es geht um Glauben und es geht um Leidenschaft, die Figuren und Krippen aufzubauen“, sagt er. Die Hauskrippe der Familie Artmann, die auch in der Sonderausstellung aufgebaut ist, ist auch traditionell eine Station im Marktredwitzer Krippenweg (in diesem Jahr die Nummer 14).

Bischof Voderholzer fand es interessant, in der Krippe von Albin Artmann auch eine Krippe im orientalischen Stil zu sehen. Ungefähr Anfang des 20. Jahrhunderts seien zunehmend mehr Krippen in dieser Stilrichtung gebaut worden. Das damals sich stärker herausbildende historische Denken, das sich etwa in der historisch-kritischen Exegese zeige, sei auch in die Krippe eingeflossen. Man wollte das Lokalkolorit stärker betonen. Durch Naturtreue zeichneten sich im Übrigen schon die neapolitanischen Krippen aus.

Bäuerliches Leben in der Ott-Krippe

Öffnungszeiten

Die Sonderausstellung geht noch bis 2. Februar 2020 und ist Dienstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr geöffnet. Auch über den Krippenweg kann die Sonderausstellung vom 26. Dezember 2019 bis 6. Januar 2020 besichtigt werden. Die Öffnungszeiten während des Krippenwegs: Montag bis Sonntag, von 10 bis 18 Uhr, geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember. Nach Voranmeldung sind Gruppen auch zu anderen Zeiten willkommen.

Vor der Ott-Krippe
Das Zentrum jeder Krippe

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