Militärputsch in Myanmar löst persönliche Betroffenheit im Bistum aus

09.02.2021
Generalvikar Michael Fuchs beim Besuch einer Schule im Bistum Pathein: „Bei meinem Besuch in Myanmar habe ich die Katholische Kirche als mutige Bewegung der Versöhnung im Vielvölkerstaat erlebt, mit Schulen für die Schwächsten und einer starken Caritas-Arbeit. Jetzt hoffe ich und bete dafür, dass nicht alles wieder niedergetrampelt wird.“ (alle Fotos: ©Gregor Tautz)

Wenn es Katastrophen in Ländern gibt, die man schon besucht hat, vor allem wenn es persönliche Beziehungen zu Menschen von dort gibt, dann treffen sie einen oft persönlich mehr als andere schreckliche Ereignisse. Der Militärputsch in Myanmar in der Nacht zum 1. Februar, ist für zahlreiche Menschen im Bistum Regensburg ein solches Ereignis. Seit 20 Jahren unterstützt das Bistum Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Akademischen Ausländer-Dienst (KAAD) junge Katholikinnen und Katholiken aus Myanmar mit einem Stipendienprogramm. Sie bekommen dadurch die Chance an der Katholischen Assumption-Universität in Bangkok ohne Studiengebühren zu studieren. Diese Abschlüsse bieten ihnen nicht nur persönlich große Chancen, sondern fördern auch die Katholische Kirche in Myanmar, für die sie nach ihrer Rückkehr haupt- oder ehrenamtlich arbeiten. Die Christen sind im „Musterland des Buddhismus“ eine sehr kleine Minderheit. Die Katholikinnen und Katholiken machen etwa ein Prozent der Bevölkerung aus, sind aber im Bildungs- und Sozialbereich gerade in den armen Regionen des Landes für die gesamte Bevölkerung sehr aktiv.

Die Deutschen Gäste in einer Pfarrei im Bistum Pathein.

Zahlreiche Begegnungen in den letzten Jahren

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Kontakte entstanden. So war 2019 eine Gruppe sieben ehemaliger Stipendiaten und Stipendiatinnen zusammen mit dem heutigen Weihbischof von Yangon und dem dortigen Generalvikar zu Besuch im Bistum. Ein Jahr zuvor waren elf junge Erwachsene aus Regensburg zusammen mit Jugendpfarrer Christian Kalis, Ruth Aigner aus dem Fachbereich Weltkirche und dem Myanmarbeauftragten des Bistums Gregor Tautz Gäste in Myanmar. Im November 2014 feierte Generalvikar Michael Fuchs das 500jährige Bestehen der Katholischen Kirche in Myanmar mit und war vom kirchlichen Leben, dass er dort erleben durfte, tief beeindruckt. Im gleichen Jahr war der Erzbischof von Yangon, der heutige Kardinal Charles Maung Bo, Gast beim Katholikentag in Regensburg. Neben einer Podiumsdiskussion an der Universität und der Mitfeier des großen Abschlussgottesdienstes traf er sich zum Erfahrungsaustausch unter anderem mit Bischof Rudolf im Institut Papst Benedikt XVI., mit dem Bischöflichen Jugendamt, dem Seelsorgeamt und der Katholischen Erwachsenenbildung. Besonders beeindruckt war er als Salesianer auch vom Besuch der Bischof-Manfred-Müller-Schule. In den Jahren vorher waren der damalige Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner, der vor 20 Jahren das Projekt initiiert hatte, und Gregor Tautz Gäste in Myanmar.

Kardinal Charles Maung Bo (Mitte) beim Einzug zum Festgottesdienst auf dem Katholikentag in Regensburg.

Planungen für 20-jähriges Jubiläum durchkreuzt

Für heuer war anlässlich des Jubiläums des Stipendienprogramms ein einmonatiger Besuch von acht Gästen aus Myanmar in kirchlichen Einrichtungen des Bistums geplant. Er sollte der beruflichen Fortbildung, dem fachlichen Austausch und dem Ausbau der persönlichen Beziehungen dienen. Ein Fachkongress in Regensburg am 16. und 17. September in Zusammenarbeit mit dem KAAD sollte nach ursprünglicher Planung die Rolle der Katholischen Kirche im zurückliegenden Transformationsprozess von der Militärregierung zur Demokratie beleuchten. Er wird real oder als Videokonferenz auf jeden Fall, aber mit aktualisiertem Thema, stattfinden.

Angesichts der aktuellen politischen Lage und auch wegen Corona kann der Besuch aus Myanmar in diesem Jahr wohl nicht stattfinden. Stattdessen wird überlegt, wie den Partnern in der aktuellen Situation sinnvoll in ihrem Land geholfen werden kann. „Uns allen ist angesichts vereinzelter Berichte, die uns auf Facebook trotz der Sperre durch die Regierung noch erreichen, überhaupt nicht zum Feiern zumute“, so Gregor Tautz. Er hat 2006, noch während der Zeit der Militärdiktatur, erstmals Myanmar besucht. Vor allem die älteren Stipendiatinnen und Stipendiaten hätten die Zeit der vorhergehenden Militärregierung noch in lebendiger Erinnerung. „Die letzten zehn Jahre konnte man einen hoffnungsvollen Aufbruch gegenüber der Perspektivlosigkeit der Vergangenheit erfahren. Dass das alles wiederkommen soll, erfüllt die Menschen dort mit Verzweiflung. Als tiefgläubige Menschen haben sie uns erschütternde Bitten um das Gebet für sie, für ihr Land und für einen friedlichen Verlauf der kommenden Auseinandersetzungen übermittelt.“

Auch Ruth Aigner aus dem Fachbereich Weltkirche betont den traurigen Rückschlag, den diese Entwicklungen zeigen. „Die Ereignisse in Myanmar machen deutlich, dass Frieden immer einen kontinuierlichen Prozess erfordert: Den Willen, die Offenheit zum Dialog und den andauernden  gemeinsamen, gewaltfreien Einsatz von allen Beteiligten.“  

Bischof Rudolf Vorderholzer und der Erzbischof von Yangon Charles Kardinal Maung Bo beim Besuch im Institut Papst Benedikt XVI.

Bitte um Gebet und Solidarität

Als in der Woche vor dem Putsch sich abzeichnete, dass es dazu kommen könnte, hatte Kardinal Bo, einen eindringlichen Appell an die Militärs gerichtet. Unmittelbar nach dem Putsch folgte "eine Botschaft an das Volk von Myanmar und unsere internationalen Gemeinschaften" (link). Darin lädt er ein zum Gebet aller Religionen im Land und weltweit, sowie zum gewaltlosen Kampf für die Wahrheit und Würde. Ganz aktuell ist in unseren Medien zu hören, dass die gewaltfreien Bewegungen zum zivilen Widerstand aufgenommen wurden. An die internationale Gemeinschaft appelliert er, nicht mit Sanktionen zu reagieren, die die Wirtschaft ruinieren und nur Supermächten wie China dienten, die das Land ausplündern wollten, und die vor allem die Ärmsten treffen. Vielmehr sollten in einem Dialog alle Akteure eingebunden werden.   

Weitere Informationen zum Projekt auf der Homepage des Bistums www.bistum-regensburg.de unter Einrichtungen - Weltkirche.

 

Aus der Botschaft von Kardinal Bo vom 3. Februar

„Wir haben genug Blut vergossen. Lasst nicht zu, dass noch mehr Blut in diesem Land vergossen wird. Selbst in diesem herausfordernden Moment glaube ich, dass Frieden der einzige Weg ist, dass Frieden möglich ist. Es gibt immer gewaltfreie Wege, unsere Proteste auszudrücken. Die sich entwickelnden Ereignisse sind das Ergebnis eines traurigen Mangels an Dialog und Kommunikation … Lassen Sie uns in diesem Moment, in dem wir um Würde und Wahrheit kämpfen, den Hass nicht fortsetzen. Lassen Sie alle Verantwortlichen der Gemeinschaften und religiösen Führer beten und die Gemeinschaften zu einer friedlichen Reaktion auf diese Ereignisse animieren. Beten Sie für alle, …und vermeiden Sie Anlässe zur Provokation.“

Lesen Sie hier die Botschaft von Kardinal Bo im Wortlaut in englischer Sprache.

Lesen Sie hier die Botschaft von Kardinal Bo im Wortlaut in deutscher Sprache.

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