Nein zur Angst, die in Panik ausartet – Philosophieprofessor Bonk rät, wie wir mit Corona umgehen sollen

03.04.2020

Prof. Dr. Bonk ist Philosoph und Direktor der Akademischen Forums Albertus Magnus der Diözese Regensburg. Im Gespräch mit Dr. Veit Neumann, Redakteur der Presse- und Medienabteilung, stellt der Diakon dar, wie wir vernünftig mit der Gefahr des Corona-Virus umgehen können.

  

Herr Prof. Bonk, wie kann uns die Vernunft angesichts der nur schwer fassbaren Bedrohung durch das Corona-Virus zur Seite stehen?

Das Wort Vernunft kommt von dem Wort vernehmen. Es ist wichtig, dass wir das zur Kenntnis nehmen, was die Gesundheitsexperten raten, und es auch ernstnehmen. Die Vernunft lässt uns Spielräume des eigenen Überlegens. Meine Frau und eine ihrer Freundinnen nähen derzeit Mundschutzmasken, die sie verteilen. Außerdem: Man soll immer an die ganze Weite der Vernunft denken. Das hat uns Papst Benedikt XVI. beigebracht. So sollen wir uns klar werden, dass diese Epidemie nicht die erste ist. Auch existentiell sollen wir denken: Der Gedanke der eigenen Sterblichkeit könnte aktuell werden.

Welche Rolle spielen Ängste, die uns auch hierbei begleiten?

Ängste sind etwas Positives. Sie haben sich bewährt, sonst hätten die Tiere und wir sie nicht. Sie helfen uns, damit wir uns voll auf eine Gefahr konzentrieren können. Ein Übermaß an Angst ist aber schädlich. Also: Ja zur Angst, die uns mit der Ernsthaftigkeit der Gefahr konfrontiert; aber nein zu einer Angst, die in Panik ausartet.

Die Zukunft ist in vielerlei Hinsicht offen, teilweise beängstigend offen. Wie gehst Du damit um? Wie sollen wir damit umgehen?

Alle säkularen deterministischen Geschichtsphilosophien sind falsch. Die Zukunft wird uns immer überraschen. Ich bedenke die Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen. Das Thema ist in den Hintergrund geraten. Wir alle wissen, dass in der frühen Kirche das eschatologische Denken im Vordergrund gestanden hat. Es ist verschoben worden. Als Christen müssen wir die Wiederkunft Christi und den Gedanken daran in dieser Krise sehr ernst nehmen.

Ist es nicht der Normalfall, dass unser Leben – individuell und gesellschaftlich – aus den Fugen gerät?

Ich erinnere an zwei große Gottesdienste im Dom, die ausfallen werden: Ostern. Das ist absolut nicht der Normalfall, dass die größte Feier der Christenheit ausfällt. Ostern ist das Fest des Sieges über den Tod. Wenn aus Angst vor dem Tod das Fest des Sieges über den Tod entfällt, ist das seltsam. Am 8. Mai sollte ein Gottesdienst stattfinden: 75 Jahre Frieden, 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch dieser entfällt. Aber das Jubiläum zeigt uns, welche lange Zeit des Friedens und Wohlstands jetzt hinter uns liegt. Wir haben uns daran gewöhnt, dass das der Normalfall ist. Ich gebe Dir recht, Veit: Wenn man in die Geschichte zurückschaut, ist es eher normal, dass die Krise herrscht als dass so lange Zeiten in Wohlstand und Frieden verbracht worden sind.

Wie können wir rational hoffen? Gibt es überhaupt eine rationale Hoffnung?

Sicherlich gibt es sie. Es gibt auch Hoffnungszeichen in der Krise. Man nimmt mehr Rücksicht aufeinander. Das war aus der Mode gekommen. Ein Hoffnungszeichen: Auch in Regensburg sind Schwerkranke aus Bergamo in den Krankenhäusern. Viele werden weitermachen wie vor der Krise, gerade wenn es um den Konsum geht. Aber nicht wenige werden zur Besinnung gekommen sein. Das ist wichtig auch für die Kirche. Die Kirche erhält eine neue Chance. Es kommt viel darauf an, wie sich die Kirche in der Krise verhalten wird, wie sie sich präsentieren wird. Der katholische TV-Sender „Noe“ in Tschechien zum Beispiel hat Zuschauer wie nie zuvor. Der Sender hat sein Programm eigens ausgedehnt.

Online Welt wieder einblenden

Onlinewelt öffnen
Onlinewelt schließen