Papst emeritus Benedikt XVI. in Regensburg

21.06.2020

Es ist ein überraschender Besuch am Krankenbett. Papst emeritus Benedikt XVI. flog heute Vormittag von Rom nach Bayern, um an der Seite seines schwer erkrankten 96-jährigen Bruders zu sein. Es ist vielleicht das letzte Mal, dass sich die beiden Brüder, Georg und Joseph Ratzinger, in dieser Welt sehen.

Das Bistum Regensburg bittet die Öffentlichkeit, diese zutiefst persönliche Begegnung in ihrem privaten Rahmen zu belassen. Sie ist ein Herzenswunsch der beiden hochbetagten Brüder und verträgt weder Fotos noch öffentliche Auftritte noch darüber hinausgehende Begegnungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür.

Alle Menschen, die ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen wollen, sind herzlich eingeladen, ein stilles Gebet für die beiden Brüder zu sprechen. Vergelt‘s Gott.

Der 93-jährige Papst emeritus landete am Donnerstag, dem 18. Juni, gegen 11:45 Uhr in München. Dort hieß ihn Bischof Rudolf Voderholzer herzlich willkommen und begleitete ihn auf der Weiterfahrt nach Regensburg. Der Papst emeritus wohnt im Priesterseminar des Bistums Regensburg. Das Datum seiner Rückreise steht noch nicht fest.

Benedikt XVI. reist in Begleitung seines Sekretärs, Erzbischof Georg Gänswein, seines Arztes, seines Pflegers und einer Ordensfrau. Der Papst emeritus traf die Entscheidung für die Reise zu seinem Bruder nach Regensburg kurzfristig, nachdem er sich mit Papst Franziskus beraten hatte.

 

Update 19.06.2020

Gemeinsame Eucharistiefeier // Brezen und Apfelstrudel

Nach seiner Ankunft in Regensburg am gestrigen Donnerstagmittag hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. seinen Bruder Georg Ratzinger aufgesucht. In seinem Haus feierten sie gemeinsam eine Heilige Messe. Erschöpft von den Anstrengungen der Reise zog sich der papa emeritus am Nachmittag in das Priesterseminar zurück, um am Abend erneut zu seinem Bruder zu fahren.

Für den ersten Morgen in der alten Heimat erwartete den emeritierten Papst ein echt bayerisches Frühstück im Priesterseminar. Es gab Brezen, über die sich auch Erzbischof Georg Gänswein freute, der ihn begleitet.

Im Laufe des Vormittags haben die beiden Brüder ein gemeinsames Hochamt zum Herz-Jesu-Fest gefeiert. Danach gab es Apfelstrudel.

Am Freitagabend hat der emeritierte Papst seinen Bruder erneut für etwa eine Stunde besucht.

Das Bistum möchte sich bei allen Regensburger Bürgern und Anwohnern sowie bei den Pressevertretern für ihr Verständnis für den privaten Charakter der Reise bedanken. Besonderer Dank gilt auch den Maltesern.

 

 

Update 20.06.2020, 10.15 Uhr

Em. Papst erschöpft, aber voller Freude // Nuntius Dr. Eterović kündigt sich an

Es ist eine aufbauende und bewegende Begegnung für die beiden Brüder Joseph und Georg. Der emeritierte Papst ist erschöpft, aber voller Freude.

Am heutigen Vormittag feiern die Brüder wieder gemeinsam Eucharistie.

Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland, hat sich für den frühen Nachmittag angekündigt. Er wird als Repräsentant des Heiligen Vaters nach Regensburg kommen.

 

 

 

Update 20.06.2020, 15 Uhr

Em. Papst besucht Grab seiner Familie und ehemaliges Wohnhaus in Pentling

Der emeritierte Papst wird im Laufe des Nachmittags nach Pentling fahren.

Er wird dort sein ehemaliges Wohnhaus besuchen, das von 1970 bis 1977 der private Wohnsitz Professor Ratzingers war. Das letzte Mal hatte Benedikt XVI. das Wohnhaus während seiner Pastoralreise nach Bayern im Jahr 2006 besucht.

Auch wird er zum Grab seiner Eltern und seiner Schwester auf dem Ziegetsdorfer Friedhof kommen und dort im Gebet verweilen.

Wir bitten, die Privatheit dieser sehr persönlichen Momente zu respektieren.

 

 

Update 20.06.2020, 19.30 Uhr

Besuch ist Kraftquelle für beide Brüder

„Erinnerungen wurden wach. Es war eine Reise in die Vergangenheit,“ sagt Dr. Christian Schaller, stv. Leiter des Institut Papst Benedikt XVI., über den berührenden Moment, als der emeritierte Papst am Samstagabend in sein ehemaliges Wohnhaus zurückkehrte. Er blieb dort etwa 45 Minuten und konnte sich auch für einige Zeit im Garten des Hauses aufhalten. Alte Familienporträts bewegten ihn sehr.

Zuvor besuchte der emeritierte Papst das Familiengrab auf dem Ziegetsdorfer Friedhof und verweilte dort im Gebet. Es wurde ein Vaterunser und ein Ave Maria gesprochen.

Die Begegnungen in seiner Heimat würden den 93-Jährigen stärken, so Dr. Schaller: „Ich habe den Eindruck, dass der Besuch eine Kraftquelle für beide Brüder ist.“

Sein besonderer Dank galt den Medienvertretern: „Ich muss der Presse ein großes Lob aussprechen. Sehr zurückhaltend und sehr respektvoll.“

 

 

 

 

Update 21.06.2020, 10.30 Uhr

Sonntag als Ruhetag // Rückreise für den 22. Juni geplant

Der emeritierte Papst feiert auch heute die Heilige Messe gemeinsam mit seinem Bruder in der Luzengasse: am Vormittag und – wenn es die Kräfte zulassen – ein weiteres Mal in der zweiten Tageshälfte.

Der heutige Sonntag steht im Zeichen eines Ruhetages. Sollte sich der emeritierte Papst für weitere Stationen entschließen, teilen wir es Ihnen über unsere Kanäle mit.

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Die Rückreise des emeritierten Papstes ist für Montag geplant. Genaue Uhrzeiten stehen noch nicht fest. Am Montag um 14 Uhr wird der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in einem Pressestatement Bilanz ziehen.

 

 

 

Update 21.06.2020, 12.00 Uhr

Nuntius: „Ich danke für diesen Respekt und diese Freundschaft.“

Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland, war am Samstag anlässlich des Besuchs des emeritierten Papstes von Berlin nach Regensburg gekommen. Am Sonntagmorgen sprach er im Regensburger Dom ein Grußwort: „Es ist eine Ehre, den emeritierten Papst noch einmal in Deutschland zu begrüßen, selbst in dieser nicht einfachen familiären Situation.“

Erzbischof Eterović berichtete auch, dass er während der Begegnung mit dem emeritierten Papst den Eindruck gewonnen habe, „dass er sich gut fühlt hier in Regensburg“. Er dankte „dem Bischof, seinen Mitarbeitern, den Katholiken in dieser schönen Stadt, aber auch allen Einwohnern für diesen Respekt und diese Freundschaft, sodass sich der emeritierte Papst wie zuhause fühlt in dieser Stadt und hier in Bayern. Wir sind alle verbunden als Mitglieder der katholischen Kirche. Das ist eine große Familie auf der ganzen Welt.“

Zudem dankte der Nuntius allen Verantwortlichen und Einsatzkräften des Freistaats Bayern.

 

 

 

 

Update 21.06.2020, 17.00 Uhr

Gebet am Schrein des heiligen Wolfgang

Der emeritierte Papst wird am Abend, etwa um 18.30 Uhr, am Schrein des heiligen Bistumspatrons Wolfgang beten, der seit heute im Regensburger Dom zur Verehrung ausgesetzt ist. Der Dom wird in dieser Zeit für Besucher geschlossen sein.

 

 

 

Update 22.06.2020, 12.30 Uhr

Abschied und Rückreise

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat sich am Morgen von seinem Bruder Georg verabschiedet.

Er kehrt am heutigen Montag in den Vatikan zurück. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer begleitet ihn zum Münchener Flughafen.

 

 

 

Update 22.06.2020, 14.00 Uhr

Bischof Rudolf Voderholzer zieht Bilanz

Das Statement des Bischofs in Schriftform können Sie hier herunterladen.

 

 

Statement Bischof Rudolf Voderholzers

zum Besuch des emeritierten Papstes, Benedikt XVI.

Eine erste Bilanz[1]

 

Regensburg, den 22. Juni 2020

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Der letzte Tag des Kurzbesuches von Papa em. Benedikt XVI. begann noch einmal überraschend, dann aber doch wieder nicht. Benedikt hatte entschieden, vor dem Abflug noch einmal in der Luzengasse vorbeizufahren und ein allerletztes Mal den Bruder zu treffen. So schließt sich der Kreis. Die erste und letzte Begegnung ist die am Krankenbett des altersschwach im Bett liegenden Bruders.

Am Flughafen wurden wir bereits erwartet von Ministerpräsident Söder und Staatsminister Florian Hermann, der auch schon bei der Begrüßung gekommen war. Viele Medien waren vertreten.

Der Ministerpräsident sprach von einer großen Ehre für Bayern und einer großen Freude.

Benedikt XVI. hat sich ganz herzlich bedankt für den Empfang und die große Wertschätzung, die durch die Anwesenheit des Ministerpräsidenten zum Ausdruck komme.

Ich habe ihm dann zum Schluss noch einmal Gottes Segen für einen guten Flug gewünscht und ihm versprochen, dass wir gut auf seinen Bruder schauen werden.

Mit diesem Abschied endete ein unvorhergesehener, auf die Schnelle von jetzt auf gleich zu planender, für alle Beteiligten herausfordernder, aber letztlich hervorragend verlaufener, hoch emotionaler Besuch.

Ich darf Ihnen sagen, dass ich natürlich sehr erleichtert bin, und dass es mich freut, dass die Begegnung, ein Herzenswunsch der beiden Brüder, für beide sehr aufbauend und ganz offenkundig auch stärkend war.

Benedikt XVI., der seit 2013 emeritierte Papst, war 5 Tage in Regensburg. Ein Mann besucht seinen schwerkranken und hochbetagten Bruder, bewegt von der Sorge, ihn nicht mehr lebend auf dieser Welt anzutreffen.

Er besucht seine Heimat, die Grabstätte seiner Eltern, sein Haus, mit dem ihn eine Lebenssehnsucht verbindet und wo er eigentlich seinen Lebensabend hatte verbringen wollen, er hat das Institut Papst Benedikt besucht, in dem sein Theologisches Werk umfassend dokumentiert und die Gesamtausgabe vorbereitet wird, und wir haben am Wolfgangs-Schrein im Regensburger Dom gebetet – es hat sich so gefügt, dass der spontane Besuch mit dem Beginn der Wolfgangs-Woche, der diözesanen Festwoche in der Vorbereitung auf die Priesterweihe zusammenfiel.

Es sollte ein rein privater Besuch werden ohne offizielles oder diplomatisches Protokoll, was natürlich bei einem Mann der Öffentlichkeit nur schwer zu realisieren ist.

So kam es immerhin zu einer Begegnung mit dem Apostolischen Nuntius, dem Vertreter von Papst Franziskus in Deutschland. Dieser Besuch, der nicht von extern, sondern von intern sozusagen kam, war ein Zeichen des Wohlwollens und der Unterstützung von Papst Franziskus.

Ich habe Benedikt in meiner Predigt vom gestrigen Sonntag einen Jahrhunderttheologen und den größten Prediger auf dem Stuhl Petri seit Leo und Gregor, den beiden „Großen“, genannt.

Unzählige Menschen haben sich ergreifen lassen von seinem Wort und finden nach wie vor in seinen Werken Ermutigung und Stärkung im Glauben.

Aus der Feder Joseph Ratzingers / Papst Benedikts stammen internationale Bestseller mit Millionenauflagen. Ich nenne nur seine 1968 erstmals erschienene „Einführung in das Christentum“ und seine „Jesus-Trilogie“. Er hat Millionen junger Menschen bewegt, etliche Hunderttausende allein zum Beispiel auf dem Kölner Weltjugendtag. Er sprach gerade die Zweifler an, die Menschen, die auf der Suche sind nach einer sinnerfüllten Existenz, die sich gleichzeitig den Herausforderungen der Vernunft und des Glaubens stellt. Er beeinflusste maßgeblich die zentralen Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, die der Kirche von heute und morgen den Weg weisen.

Sein theologisches Werk ist in vieler Hinsicht prophetisch und in seiner Tiefe ein epochales Zeugnis menschlicher Größe, Würde und Glaubenskraft.

Er war Oberhaupt von 1,3 Milliarden Katholiken aller Völker und Nationen. Immer aber war er ein Brückenbauer, ein Pontifex, der in seiner stillen, ja demütigen Art Menschen gewinnen konnte, die Begegnung mit Christus zu suchen.

In den vergangenen fünf Tagen nun haben wir diesen Mann in seiner Gebrechlichkeit, in seiner Altersschwäche und seiner Endlichkeit erlebt. Er spricht mit leiser, ja fast flüsternder Stimme; und die Artikulation bereitet ihm sichtlich Mühe. Seine Gedanken aber sind völlig klar; sein Gedächtnis, seine Kombinationsgabe phänomenal. Für praktisch alle alltäglichen Lebensvollzüge ist er auf die Hilfe anderer angewiesen. Es gehört viel Mut, aber auch Demut dazu, sich so in die Hände anderer Menschen zu begeben; und sich auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Dabei war ihm klar, dass man ihn nicht würde ganz verbergen können. Unser Anliegen war es, Sie alle zu bitten, die Privatsphäre zu achten.

Seine verbliebene Kraft musste er vollständig mobilisieren, um Abschied zu nehmen. Benedikt XVI. begegnete uns in all seiner gealterten Schwäche und wir durften dabei erfahren und miterleben, was bei aller menschlichen Größe und Schaffenskraft am Ende aller Tage wirklich wichtig ist.

Da ist zunächst die Liebe, die ein Mensch von seinen Eltern erfährt. Sie baut ihn auf, sie ermutigt seinen Weg, sie entfaltet die Kraft, einem Lebensweg die Richtung zu schenken. Sie trägt ihn auch noch, wenn das Ende in Sicht ist. Ich habe gestern in der Predigt anlässlich der Feier der Ehejubiläen und im Blick auf die Priesterweihe nächsten Samstag gesagt: Die Liebe der Eltern ist das erste Sakrament im Leben eines Menschen, auch und gerade eines Priesters, sogar eines Papstes. Diese Liebe ist ein Abbild der Liebe Gottes, von der sie sich empfängt und die sie den Kindern überliefert.

Es ist die dankbare Erinnerung an diese grundlegende Erfahrung, die Benedikt XVI. an das Grab von Mutter und Vater in Ziegetsdorf führten. Zur Erinnerung: Die Geschwister Ratzinger hatten 1974 beschlossen, ihre Eltern vom Friedhof in Traunstein, wo sie ja zunächst begraben wurden – der Vater starb 1959, die Mutter 1963 – nach Ziegetsdorf überführen zu lassen, damit die Familie sozusagen beisammen ist. 1991 wurde in diesem Grab dann auch die ältere Schwester begraben, zu deren Tod der damalige Kardinal Ratzinger, zu seinem großen Schmerz, nicht rechtzeitig gekommen war.

All das zeigt aber, wie sehr für ihn Regensburg irdische Heimat darstellt. Heimat wird konstituiert vor allem durch Beziehung. Die Liebe zur Heimat steht dabei nicht im Widerspruch zur Hoffnung, Mutter und Vater in der Ewigkeit Gottes wiederzusehen.

Es ist diese Zuneigung, die Benedikt zu dieser Reise bewogen und die ihn an das Krankenbett seines Bruders geführt hat. Man kann nur jedem eine solche Zuneigung wünschen, ein so brüderliches Miteinander, wie sie sich in der Beziehung der Geschwister Ratzinger bezeugt. Sie lebt von Treue, Vertrauen, Selbstlosigkeit und einem tragfähigen Fundament: im Falle der Brüder Ratzinger ist das der gemeinsame, lebendige Glaube an Christus, den Gottessohn. Neunmal trafen die beiden Brüder zusammen. Jede dieser Begegnung hat ihnen ganz offenkundig Lebenskraft, frischen Mut und Freude vermittelt. Neunmal fanden sie zueinander mit wenigen Worten, mit den vertrauten Gesten und vor allem im Gebet. Bis auf heute wurde an jedem Tag am Krankenbett – im kleinsten Kreis – die Eucharistie gefeiert. Am Freitag, zum Herz-Jesu-Fest, durfte ich der Messe vorstehen. Man spürt: das ist die Quelle, von woher die beiden leben.

Benedikts Reise war vielleicht auch ein Abschied von seiner bayerischen Heimat. Heimat ist der Horizont der ersten Erinnerungen und der Ort, mit dem sich die tragenden Beziehungen eines Menschen verbinden. Es war zu spüren, wie sehr Benedikt aufblühte, wenn er die vertraute Landschaft, die vertrauten Gassen und Wege und vor allem die Menschen durch die Scheiben seines Transportautos sah. Ich glaube, am liebsten wäre er wie früher von Pentling mit dem Fahrrad in die Regensburger Altstadt gefahren und gerne hätte er sich zu den jungen Menschen auf den Bismarckplatz gesetzt, um zuzuhören, mitzulachen und um ein wenig zu ratschen.

Benedikts Reise war auch ein geistlicher Weg. In meinem Erleben schloss sich ein Kreis, als wir am Sonntag zusammen am Schrein des Heiligen Wolfgangs im Regensburger Dom beteten. Wir beteten eine Fürbittlitanei zum Heiligen Wolfgang, dann das Vater Unser, ein Ave Maria, sangen das Te Deum und das Salve Regina. Ich bat Benedikt um seinen Segen für die Gläubigen und die Kirche in Regensburg, den er bereitwillig spendete. Getragen war das gemeinsame Beten von der Hoffnung und dem Glauben, geborgen zu sein in Gott. Einem Gott, der uns die Türen des Himmels offenhält. Der uns einen Platz in der ewigen Heimat bereithält. In dem unser Leben seinen Sinn und seine Fülle gewinnt. Und der uns mit Gnade und Barmherzigkeit betrachtet.

Manche sahen in Benedikts Besuch ein historisches Ereignis. Andere zuckten vielleicht mit den Schultern, weil sie Christus und seiner Kirche wenig Bedeutung beimessen. In meinen Augen war der Besuch vor allem eine Reise der Menschlichkeit. Ein Mann, mit dem man Großes verbinden kann, begegnete uns als gebrechlicher, ja hilfloser Mensch, dessen verbliebene Lebenskraft gerade mal ausreicht, das Wesentliche auf dieser Welt im Blick zu halten. Mich hat dieses Erlebnis sehr bewegt – ich brauche selber jetzt erst einmal ein wenig Abstand. Es hat mich ja ganz unvermittelt und unvorbereitet getroffen. Meine erste Reaktion auf die Ankündigung von Erzbischof Gänswein war: wir werden alles in unserer Macht stehend tun, um dem Papa emerito diesen Wunsch zu ermöglichen, und es war mir und allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Ehre, dem emeritierten Papst zu Diensten zu stehen. Ich danke allen Mitarbeitern in der Ordinariats-Konferenz, im Domkapitel und im Priesterseminar unter Leitung von Regens Msgr. Martin Priller, die in kürzester Zeit die Beherbergung organisierten – nicht nur für Benedikt selbst sondern auch für die Menschen, die ihn begleiteten und für die Polizisten, die die Verantwortung für die unmittelbare Sicherheit trugen. Ich danke dem Caritas-Direktor Diakon Weißmann, der ja nicht nur Theologe sondern auch ausgebildeter Krankenpfleger ist, für die hervorragende Arbeit im Hintergrund.

Den großen und weitgehend ehrenamtlich geleisteten Dienst der Malteser, die den Fahrdienst bewerkstelligten, habe ich bewundert ebenso wie die so flexible, freundliche und zutiefst professionelle Arbeit der Polizei. Ich bitte Sie, diesen meinen Dank, auch im Namen von Benedikt XVI. und von Erzbischof Gänswein, unbedingt öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Nicht zuletzt möchte ich diesen Dank auch Ihnen, den Journalistinnen und Journalisten aussprechen. Sie haben zurückhaltend berichtet und mit diesem Dienst wesentlich dazu beigetragen, dass diese im Kern private Reise auch eine private bleiben konnte, und doch ein bewegendes Ereignis wurde für viele Regensburgerinnen und Regensburger, für die ganze Region und, wie ich von verschiedenen Seiten mitgeteilt bekomme, für die Christenheit sogar weltweit.

Vielen Dank!


[1] Dieser Text ist das Redemanuskript Bischof Voderholzers für sein Statement im Rahmen einer kleinen Pressekonferenz im Innenhof des Bischöflichen Ordinariats am 22.6. 2020. Während des Vortrags ergänzte er das geschriebene Wort um einige Anmerkungen.  

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