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Zur Neuigkeit
Person der Woche: Simon Meier, Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der KJF Regensburg
Geballte Fachkompetenz auf Social Media
Regensburg, 15. Mai 2026
Im Rahmen unserer Reihe „Person der Woche” stellen wir jede Woche interessante Persönlichkeiten aus dem Bistum Regensburg und darüber hinaus vor. In diesem Interview beprechen wir mit Dr. Simon Meier, Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Elternder Katholischen Jugendfürsorge im Bistum Regensburg, warum die Beratungstellen jetzt auch bei Social Media präsent sind und wie wichtig diese Medien für die Beratungsarbeit der KJF sind. Seit 16 März 2026 präsentieren sich die Beratungstellen der KJF mit einem Account bei Instagram.
Sehr geehrter Herr Dr. Meier, Social Media spaltet die Gesellschaft. Für viele Menschen ist es Fluch und für die andere Hälfte ist es Segen. Bei Jugendlichen ist Social Media heutzutage nicht mehr wegzudenken. Warum haben sich die Beratungsstellen der KJF jetzt dafür entschieden auf Social Media präsent zu sein?
Vor allem die Generation der unter 35-jährigen in Deutschland suchen jetzt schon für den weit überwiegenden Teil ihrer Beratungsanliegen das Internet auf. Neben KI-Chatbots zur Wissensgenerierung und Beratung sind es vor allem die sozialen Medien. Dort gibt es eine attraktive Verknüpfung aus Bildern, Text und Videos die hochgradig pointiert und angereichert durch persönliche Selbstoffenbarung, den Nutzern das Gefühl geben, dass die Content-Produzentinnen und -produzenten einen persönlich verstehen und man mitgenommen wird in deren Erlebenswelt. Das Problem dabei ist aber, dass diese Kombination aus Homestory und persönlicher Meinung leider oft nichts mit Expertise zu tun. Aufklärung und Beratung dort erfolgt in der Regel falsch oder stark verkürzt. Und deshalb müssen wir mit der über 70-jährigen Beratungsexpertise und geballten Fachlichkeit, die Erziehungsberatungsstellen bieten, dort unbedingt hin und dürfen das Feld nicht den selbsternannten Mumfluencerinnen und Dadfluencern überlassen. Das wäre fatal und auch ein wenig feige.
Wie muss man sich die Social-Media-Präsenz der Beratungsstellen vorstellen? Wird es in Richtung Onlineberatung gehen, geben Sie Tipps, oder was erwartet mich auf Ihrem Kanal?
In der Online-Beratung sind wir bereits seit über 20 Jahren vertreten durch die Portale der bke (Bundeskonferenz für Erziehungsberatung) und der Caritas-Online-Beratung. Mit unseren Info-Slides, Reels und Carousel-Posts gehen wir jetzt aber einen deutlichen Schritt weiter. Wir informieren über unsere Angebote, stellen unsere 10 Beratungsstellen und 19 Außenstellen persönlich vor, darunter auch viele Beraterinnen und Berater, um Schwellenängste abzubauen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt aber zugleich auf kompakter Information zu aktuellen Erziehungsfragen und herausfordernden Themenfeldern, z.B. unsere Reihe „Was tu ich, wenn …“. Hier geht es um Ratschläge zu häufigen Beratungsthemen wie „bedürfnisorientierte Erziehung“, „Mediennutzung“, „Konzentrationsproblemen“ oder „Selbstverletzungen“. Und zusammen mit Lisa-Marie Ackermann, einer sehr vernünftigen Mumfluencerin, klären wir in Reels über Erziehungsmythen im Internet auf.
Das Thema Social Media wird sicherlich auch immer wieder bei Ihren Beratungen aufschlagen? Wie stehen Sie zu Social Media aus Psychologensicht?
Drei Punkte sind da ganz zentral, das Alter der Nutzerinnen und Nutzer, die tägliche Nutzungsdauer und die Inhalte. Nur mit dieser Differenziertheit kann man das Themenfeld Social Media seriös bewerten. Und in der Beratung von Eltern ist es besonders wichtig, dass diese sich für das interessieren, was ihre Kinder im Netz so treiben. Daher unbedingt im Gespräch bleiben und sich etwas darüber von den Kindern zeigen und erklären lassen. Es macht einen großen Unterschied, ob Eltern ausschließlich begrenzen und streiten hinsichtlich Mediennutzung der Kinder, oder ob sie sich manchmal auch darauf einlassen können die Reels, Posts, Games und Podcasts die ihre Kinder konsumieren selbst auszuprobieren und mit ihnen im Anschluss darüber diskutieren. Wenn das gelingt, dann werden Eltern auch viel häufiger einbezogen und um Rat gefragt, wenn im Netz Probleme auftreten, seltsame Anfragen und Aufforderungen an die Kinder und Jugendlichen herangetragen werden oder etwas Schlimmes dort passiert. Interesse der Eltern schützt hier ganz entscheidend.

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich für junge Menschen bei der Nutzung von Social Media?
Der größte Vorteil ist sicherlich, dass junge Menschen zu allen erdenklichen Themen über Social Media schnell an schier unendlich viel Wissen, Trends, Tipps und Tricks für den Alltag kommen. Danach hätten sich glaube ich alle früheren Generationen sehr gesehnt, auch wenn man nun leider nicht weiß, was ist echt, was ist fake, was ist wahr und wo werde ich manipuliert. Der größte Nachteil ist sicherlich die schnell dramatisch ausufernde Suchtgefahr, die man hirnorganisch sehr gut mit Drogenkonsum von Amphetaminen vergleichen kann. Gerade die kurzen Videos und das unbegrenzte weiterwischen befeuern in unserem Gehirn Neuronenverbände derart stark, dass die reale Welt um uns herum als vergleichsweise öde, eintönig und vor allem langweilig erlebt wird.
Und wenn ich selbst auf Social Media meinen eigenen Content poste, dann bekomme ich dieses unmittelbare Feedback in atemberaubender Geschwindigkeit. Ich kann es vom „niemand“ zum gefeierten „Social Media Star“ manchmal innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen schaffen. Ich kann aber auch drastische Hasskommentare abbekommen mit fürchterlichen Folgen, gerade wenn ich von der Meinung anderer emotional sehr abhängig bin und ich keine ausreichend haltgebenden realen Beziehungen habe. Suizid ist seit 2023 die häufigste Todesursache bei jungen Menschen im Alter zwischen 10 und 25 Jahren und hat den Bereich der Verkehrsunfälle überholt. Da braut sich was zusammen.
Wie steht die Wissenschaft zur Nutzung von Social Media bei Kindern und Jugendlichen? Hat die Mediennutzung Auswirkungen auf die Entwicklung der jungen Menschen?
Das ist eindeutig so und es ist mittlerweile in sehr vielen Ländern mit sehr guten Untersuchungen belegt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie im weltweit bedeutsamsten Wissenschaftsmagazin „Nature“ hat anhand einer Stichprobe von 50.000 6-17-jährigen in den USA gezeigt, dass mehr als 4 Stunden Medienkonsum pro Tag mit einem erheblichen Anstieg an seelischen Problemen korreliert (61% mehr depressive Symptomatik, 45% mehr Angststörungen, 24% mehr Sozialverhaltensstörungen und 21% mehr ADHS-Phänomene). Wenn wir hier nicht unmittelbar mit klaren Regeln, Grenzen und Verboten als Gesellschaft arbeiten, dann geht die „Problemexplosion“ bei jungen Menschen ungebremst weiter und das verursacht großes menschliches Leid und völlig ausufernde Folgekosten. Es ist geradezu zynisch hier von gesellschaftspolitischer Seite nur zuzusehen, nicht zu handeln und gleichzeitig massiv an der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland aktuell Einsparungen vorzunehmen. Daher die klare Forderung nach einem vollständigen Social Media-Verbot bis zum Alter von 14 Jahren und einer Heranführungsphase mit limitierten Möglichkeiten und Begleitung im Altersbereich zwischen 14 und 16 Jahren. Im Straßenverkehr haben wir gesellschaftlich ja schließlich auch reagiert und es ist glasklar geregelt ab welchem Alter man einen Führerschein machen darf, und dass es beispielsweise eine Gurtpflicht gibt.
Sollte aus Ihrer Sicht in den Schulen das Thema Medienpädagogik ein größeres Gewicht bekommen?
Unbedingt! Vor allem bedeutet Medienpädagogik eben nicht nur Anschaffung von Hardware wie Laptops für die Klassen und den Unterricht, sondern Menschen, die Nutzungskompetenzen und eine gesunde, kritische Haltung vermitteln können. Wir dürfen aber zugleich auch nicht das Thema Medienkompetenzvermittlung nur auf die Schulen abwälzen. Es bedarf einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, bei der gerade auch Vereine, Parteien, Jugendzentren, Jugendhilfeeinrichtungen und vieles mehr Verantwortung übernehmen muss. Überall dort, wo jetzt schon viel Gutes läuft, möchte ich mich ganz herzlich dafür bedanken. Diese Arbeit ist pures Gold wert.
Interview: Christian Beirowski
(chb)

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