Sehnsucht nach dem Einfachen – ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Krippenvereins Abensberg

16.01.2020

Martin Neumeyer ist der Vorsitzende des Krippenvereins Abensberg. Die Mitglieder organisieren jedes Jahr Krippenausstellungen und -fahrten, bieten Kurse zum Krippenbauen an und bauen selbst große Krippen in Abensberg auf. Im Interview spricht Martin Neumeyer über die Krippenfaszination und das neue Apostolische Schreiben „Admirabile signum“ von Papst Franziskus.

Herr Neumeyer, Papst Franziskus schreibt in „Admirabile signum“: „Das wunderbare Zeichen der Krippe, die dem christlichen Volk so sehr am Herzen liegt, weckt immer wieder neu Staunen und Verwunderung.“ Erleben Sie in Ihrem Krippenverein dieses Staunen, diese Verwunderung?

Es ist wirklich so. Wir haben den Krippenverein vor zwanzig Jahren gegründet, weil wir eine berühmte Osterrieder-Krippe kaufen wollten. Unsere Aktivitäten haben sich dann immer weiterentwickelt. Wir veranstalten beispielsweise Ausstellungen, die jedes Jahr größere Besucherzahlen aufweisen. An den ersten beiden Adventswochenenden hatten wir in Abensberg Rekordbesuche. Die Menschen werden sich wieder bewusst, was Krippen bedeuten. Die Tendenz ist wirklich zum Staunen.

Woran liegt das?

Ich glaube, die grundsätzliche Weihnachtsfaszination spielt hier mit hinein. Bei Krippen ist das Religiöse präsent, aber sie haben natürlich auch künstlerische und darstellende Komponenten. Und dann gibt es eine solche Vielfalt: Krippen aus dem orientalischen und italienischen Raum, aus Bayern und Norddeutschland. Man sieht hier, der Mensch denkt einfach visuell. Im Zusammenhang mit Krippen erleben wir die Sehnsucht nach Traditionen, eine Sehnsucht danach, nicht alles wegzuwerfen, was etwas wert ist. Die Menschen besinnen sich auf gute und positive Werte.

Pflegen Ihrer Wahrnehmung nach noch viele Menschen die Tradition einer Krippe?

Viele Familien pflegen die Tradition der Krippen noch. Wir stellen zuhause auch jedes Jahr eine Krippe auf. Man baut immer wieder neu auf, ergänzt etwas, fügt etwas hinzu. Ich würde sagen, es bleiben immer etwa gleich viele Menschen, die sich für Krippen interessieren. Wir erleben, dass Menschen weiterhin Krippen kaufen, sich eine Krippe bauen lassen. Wir bieten Krippenbaukurse für Erwachsene und Kinder an. Unsere Kurse sind immer voll, die Plätze sind sehr begehrt. Ich stelle übrigens auch einen Trend fest, wieder Passionskrippen aufzubauen.

Warum stellen wir überhaupt Krippen auf?

Einmal, weil es die Bastelkunst herausfordert, das Malen und Modellieren. Aber das Darstellen von Christi Geburt, die Einfachheit seiner Geburt, ist sehr wichtig. Ich habe den Eindruck, die Menschen lieben das Einfache und auch das Religiöse wieder mehr. Man merkt das doch auch an den Besuchen der Weihnachtsmärkte und der lebenden Krippen. In Abensberg haben wir eine schwimmende Krippe – auch die ist sehr beliebt.

Der Heilige Vater schreibt von der Freude gerade der Kinder, aber auch der Erwachsenen, immer neue Figuren in die Krippe zu integrieren. Sind der Phantasie hier Grenzen gesetzt?

Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Krippen – aus Holz und aus Ton, aus den verschiedensten Materialien, sogar aus Playmobilfiguren oder Papier. Entscheidend sind drei Personen: Maria, Josef und Jesus. Das ist der Kern, den braucht es, aber man kann ihn natürlich ganz unterschiedlich darstellen. Und bei dem, was noch dazukommt, gibt es auch ganz viel Freiheit.

„Es ist nicht wichtig, wie man die Krippe aufstellt; es kann immer gleich sein oder jedes Jahr anders – was zählt, ist, dass sie zu unserem Leben spricht.“ Wie gelingt das?

Es ist toll, dass der Papst rechtzeitig vor Weihnachten die Krippe in die Mitte stellt und als Möglichkeit empfiehlt, die Geburt Christi darzustellen. Wer eine Krippe aufstellt, bekommt ja in der Regel mindestens von Kindern ein paar Fragen gestellt. Das Aufstellen von Krippen regt zu Gesprächen und Diskussionen an, häufig auch mit Nichtchristen. Ich gehe davon aus, dass eine Krippe viele Fragen aufwirft und so im Bewusstsein der Menschen etwas anstößt.

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