Vom „christlichen Abendland“ zu sprechen ist richtig!

17.01.2019
Bischof Rudolf bei seiner Festansprache

„Die Seele Europas ist das Christentum und deshalb ist es auch historisch exakt und verantwortbar, vom ‚christlichen Abendland‘ zu sprechen. Ich halte es nicht für vernünftig, diesen Begriff und die Deutungshoheit darüber anderen zu überlassen, die nationalistische Interessen damit verbinden, die zutiefst einer katholischen Universalität widersprechen.“ Das sagte der Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer, in einem Festvortrag im Rahmen des Neujahrsempfangs der Lokalen Aktionsgruppe Altmühl-Jura in Mindelstetten am 16. Januar 2019.

 

„Europa hat eine Seele.“

Mit Blick auf die Europawahl im Mai dieses Jahres ging Bischof Voderholzer der Frage nach, was die Seele Europas sei, worin sie bestehe.

Europa sei Europa geworden durch den christlichen Glauben. Er trage das Erbe Israels in sich, er habe das Beste des griechischen und des römischen Geistes in sich aufgenommen und damit alle Wesensbereiche Europas geprägt. Deshalb konnte Europa zum Ursprungsort der wissenschaftlichen Welterklärung mit den Mitteln der menschlichen Vernunft werden. Deshalb konnte Europa Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit entwickeln. Und deshalb konnte Europa eine Kultur der Mitmenschlichkeit und Menschenwürde entwickeln.

 

„Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Der Bischof veranschaulichte die Prägekraft des Christentums mit einer Fülle an Beispielen, die auch immer wieder die Gefährdungen eben dieser grundlegenden Wesenskraft europäischer Identität aufzeigten.

Zum Beispiel die 10 Gebote, die zum jüdischen Erbe des Christentums gehören. Bischof Voderholzer: „Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote: Schutz der Unversehrtheit des Lebens, Schutz der Ehe und Schutz des Familienzusammenhangs, Schutz des Eigentums, Schutz des guten Rufes eines Menschen. Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist die Menschlichkeit in Gefahr. Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist auch Europa in Gefahr. Wer die Gebote Gottes nicht beachtet, beleidigt nicht den großen und heiligen Gott, sondern er schadet sich selbst. Um es in einem Bild zu sagen: Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Zum Beispiel der Gottesbezug in den Verfassungen, die sich damit zu den christlichen Fundamenten bekennen, die unser Wertesystem begründen. Der säkulare Staat mache damit deutlich, dass er auf Fundamenten steht, die keine freiheitliche Rechtsgemeinschaft aus sich selbst erschaffen kann, ohne sich selbst zu vergötzen. Bischof Voderholzer: „Deswegen (…) habe ich auch für den Kreuz-Erlass des bayerischen Ministerpräsidenten vom April letzten Jahres meine Stimme erhoben zusammen mit dem evangelischen Regionalbischof Hans-Martin Weiss.“

„Sage mir, was Dir heilig ist, und ich sage Dir, wer Du bist.“

Zu Europa gehöre auch die Ehrfurcht vor dem Heiligen überhaupt, vor Gott. Diese Ehrfurcht sei sehr wohl auch demjenigen zuzumuten, der selbst nicht an Gott zu glauben bereit ist. Wo diese Ehrfurcht zerbrochen wird, nimmt die Identität einer Gesellschaft Schaden. Bischof Voderholzer: „Sage mir, was Dir heilig ist, und ich sage Dir, wer Du bist, möchte man zu bedenken geben.“

Zum Fundament Europas gehöre auch die Feiertagskultur. Der Sonntag sei der Urfeiertag Europas. Der Regensburger Bischof wies auf die unbestrittene „soziale“ Bedeutung des Sonntag hin: „Wenn jeder einzelne sich die Rahmenbedingungen seiner Freizeitgestaltung selber schafft, gibt es bald keine gemeinsamen Aktionsmöglichkeiten mehr. Gerade auch als überindividuelle Institution ermöglicht der Sonntag als gemeinsamer Feiertag auch eine Fülle von gemeinschaftsstiftender, identitätsstiftender Aktivitäten. Deshalb ist er – noch weit über das kirchliche Anliegen hinaus – auch als Kulturgut höchsten Ranges, als soziale Einrichtung, über die Maßen schützenswert gegenüber allen ökonomischen Verrechnungs- und Vereinnahmungsversuchen.“

 

„Sorgen muss sich Europa nicht machen wegen der Stärke des Islam….“

Da aktuell der Begriff des „christlichen Abendlandes“ vielfach in politischen Debatten auftaucht, ging der Regensburger Bischof auch auf die Stimmen derjenigen ein, die die Gefährdung unseres Kulturraumes hervorheben. Er gehöre zu denen: „die diese Sorgen nicht einfach von der Hand weisen. Ich wiederhole aber auch hier, was Peter Scholl-Latour, einer der besten Kenner des Orients und des Islam schon vor etlichen Jahren gesagt hat: ‚Sorgen muss sich Europa nicht machen wegen der Stärke des Islam, sondern wegen seiner eigenen geistigen Schwäche.‘ Ganz ähnlich hat Papst Franziskus etwa anlässlich der Verleihung des Karls-Preises eine gewisse ‚Müdigkeit‘ und ‚Kraftlosigkeit‘ Europas beklagt.“

 

Glaubenszuversicht und Gottes reichen Segen

Seinen Vortrag beendete Bischof Rudolf Voderholzer mit Segenswünsche für das Jahr 2019, die er hier an die Menschen in den 12 Gemeinden der Altmühl-Jura Allianz richtete, die aber auch alle Menschen in der Diözese und darüber hinaus einbeziehen.

Im Wortlaut: „Meine sehr verehrten Damen und Herren! Europa hat eine Seele. Unsere Heimat hat eine Seele. Sie hat unsere Heimat so lebens- und so liebenswert gemacht. Es ist der christliche Glaube. Es kommt darauf an, diese Seele nicht verkümmern zu lassen, sondern frohgemut zu leben!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für das soeben angebrochene neue Jahr 2019 viel Glaubenszuversicht und Gottes reichen Segen.“

Lesen Sie den Vortrag in voller Länge nach.

 

 

Der LAG-Vorsitzende Manfred Preischl (rechts) und der Mindelstettener Bürgermeister Alfred Paulus dankten Bischof Voderholzer.

In Mindelstetten hat sich viel getan durch den Einsatz der Lokalen Aktionsgruppe Altmühl-Jura

Der traditionelle Neujahrsempfang der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Altmühl-Jura, zu der zwölf Gemeinden aus den Landkreisen Eichstätt, Neumarkt und Roth zusammengeschlossen sind, fand am Mittwochabend mit rund 300 Gästen in der Grundschule Mindelstetten statt.

Wichtigste Errungenschaft der Lokalen Aktionsgruppe Altmühl-Jura ist die weitere Sicherung des Regionalmanagements für die Jahre von 2019 bis 2021, die ein langfristiges zukunftsorientiertes Planen der Verantwortlichen möglich mache. Bürgermeister Alfred Paulus sagte in seinem Grußwort, dass in Mindelstetten in den letzten beiden Jahren mit der Begegnungsstätte am Anna-Schäffer-Haus mit dem Kreuzweg im Garten des Hauses und der Schaffung der Traditionsbahnen mit Bobbycarbahn, Eis- und Bocciabahn zwei große Leaderprojekte mit Unterstützung der LAG Altmühl-Jura gefördert wurden. 2019 sollen das neue Gemeindezentrum und die Gestaltung des Marktplatzes in Mindelstetten realisiert werden. Die stv. Eichstätter Landrätin Rita Böhm lobte in ihrem Grußwort, dass die kommunale Allianz der LAG Altmühl-Jura eine gute Entwicklung genommen habe. Dies sei auch wichtig um die gute Beschäftigungslage und Wirtschaftslage auch über Landkreis- und sogar Bezirksgrenzen hinweg in der Region zu sichern. Deshalb würden dem Leaderprojekt und dem Regionalmanagement eine große Bedeutung zukommen.

Nach dem Festvortrag des Bischofs und den Ehrungen der Gemeinde Mindelstetten sprach der stellvertretende LAG-Vorsitzende Andreas Brigl aus Tittling Dankesworte an alle, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Mit der Bayernhymne wurde der offizielle Teil des Neujahrsempfanges beendet.
Bei Häppchen und Getränken wurde dann die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen intensiv genutzt.

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