„Wo soll man mit den Tränen der Freude und der Trauer hingehen, wenn nicht hierher?“- St. Anna in Großprüfening öffnet wieder ihre Tore

02.10.2019
Ein unscheinbares Kleinod: Außenansicht der Großprüfeninger Kirche St. Anna.

Die Altäre sind restauriert worden, die Bilder und Fresken rausgeputzt und die neue Heizung installiert. Es gibt neue Türen, Bestuhlung, Beleuchtung und sogar Fenster mit UV- und Infrarotschutz. Der gesamte Innenraum wurde restauriert, wie die Mesnerinnen Josefa Geitner und Cilly Lautenschlager erzählen. Jahrzehntelang war die spätgotische Kapelle aus dem 15. Jahrhundert nicht mehr für Passanten zugänglich und verschwand nach und nach aus dem Bewusstsein vieler Leute. Nur einmal in der Woche fand eine Messe der Pfarrei St. Bonifaz-St. Georg dort statt. Doch das wird sich jetzt ändern: Seit der Wiedereröffnungsfeier am Dienstagabend, 1. Oktober, ist die frisch restaurierte Kirche St. Anna jederzeit für jeden zugänglich.

Der Bischof nannte St. Anna eine lebendige Kirche: "Jeder restaurierte Gegenstand trägt ein Stück Geschichte in sich, wie auch die Haupt- und Seitenaltäre"

 

"Damit niemand vor einer verschlossenen Tür steht"

Seit September des letzten Jahres haben sich Kulturreferent Klemens Unger sowie Architekt und Projektleiter Michael Ballerstaller um die Sanierungsmaßnahmen an der Großprüfeninger Kirche gekümmert. Unger drückte bei der Wiedereröffnung besonders dem Architekten Michael Feil, der allerdings verhindert war, seinen Dank dafür aus, dass alles absolut einheitlich gestaltet sei. Bischof Rudolf Voderholzer zelebrierte die Vesper anlässlich der Wiedereröffnung in einem randvollen Kirchenhaus, das gleich die neue Heizung austesten konnte.

 

 

Altar: Haupt- und Seitenaltäre haben jeweils seitliche Flügeltüren, die sich öffnen und schließen lassen.

 

Unger war schon von klein auf mit der Geschichte der Kirche vertraut und hat sich lange für eine Sanierung eingesetzt: "Die Gitter waren mir ein besonderes Anliegen, damit niemand vor einer verschlossenen Tür steht, sondern jederzeit rein kann", sagt Unger über das im Hinterraum der Kirche angebrachte Gitter mit Tor, das den Eingangsflur vom restlichen Kirchenraum trennt. Mit dem Gitter, das verschlossen dem Schutz der Altäre dient, kann die Haupttür stets unverschlossen bleiben.

 

 

Auch die beiden Mesnerinnen von St. Anna, Josefa Geitner und Cilly Lautenschlager, freuen sich über ihre frisch sanierte Kirche

 

Die Bürger verhinderten ihren Abriss

 

Eine halbe Millionen Euro hat die Sanierungsmaßnahme gekostet. Unger erinnert daran, dass es letztlich die Steuern von jedem einzelnen waren, die hier alles finanziert haben. Und laut dem Bischof war es das auch wert. In Folge der der Säkularisation sollte die Kirche, die dem Kloster Prüfening gehörte, abgerissen werden. Die Prüfeninger Bauern kauften die Kirche, so dass sie gerettet wurde; sie blieb im Besitz der politischen Gemeinde Großprüfening und ging mit der Eingemeindung Großprüfenings in die Stadt Regensburg in städtischen Besitz über. Die Pfarrei St.Bonifaz/St.Georg darf die Kirche für liturgische Feiern nutzen. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche wurde vollständig wiederhergestellt: "Wo soll man mit den Tränen der Freude und der Trauer hingehen, wenn nicht hierher?", sagte Voderholzer.

 

Der Bischof nannte St. Anna eine lebendige Kirche: Jeder restaurierte Gegenstand trägt ein Stück Geschichte in sich, wie auch die Haupt- und Seitenaltäre: Die Leute sollen sich ab sofort stets an der "Festtagsseite" der Altäre freuen können, also die Altäre mit ihren geöffneten Flügeltüren in ihrer ganzen Pracht sehen. "Werktagsseite" nannte man die geschlossenen Altäre, die früher nur zu Feiertagen geöffnet wurden.

 

Das Mariahilf-Bild wurde im Krieg von einem kleinen Steinsegment durchbohrt, was man auch heute immer noch im Bild sehen kann.

 

Eine lebendige Kirche

Auch das Bild von Maria mit dem Jesuskind im Arm bewegte Bischof Rudolf: Das Mariahilf-Bild wurde zwar im Krieg verschüttet, blieb aber erhalten. Nur ein kleines Steinsegment hatte das Bild mittig durchbohrt, was auch heute noch im Bild zu sehen ist. Das Mariahilf-Bild hängt nun, mit der durchbohrten Stelle für alle zu sehen, an der rechten Seitenwand: "Ein Bild darf seine Geschichte erzählen", meinte Voderholzer. "Wir wollen alle beten, dass wir lebendige Steine dieser lebendigen Kirche werden", verkündete der Bischof.

 

Übrigens findet am nächsten Mittwoch, dem 9. Oktober um 08:00 Uhr zum ersten Mal die Heilige Messe in der restaurierten Kirche St. Anna statt.

 

 

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