„Zur Ehe berufen“- Neues Forschungsprojekt zur Ehevorbereitung

20.05.2019

Das Forschungsprojekt „Zur Ehe berufen“ hat mit einer „Kick-Off“-Veranstaltung am vergangenen Freitag, 17. Mai 2019, im Vielberthgebäude an der Universität Regensburg seinen Auftakt gefunden. Hierbei geht es um ein Forschungsprojekt zur Ehevorbereitung der Diözese Regensburg, gemeinsam mit den Nachbardiözesen Eichstätt und Passau.

 

Erfahrungen der Menschen gefragt

Im Rahmen von Workshops und mehreren Fragerunden wurden im Verlauf der Veranstaltung Impulse geliefert, welche anschließend in die Fragebogenstellung des Projektes einfließen. Zur „Kick-Off-Veranstaltung“ an der Universität Regensburg waren Priester und Kursleiter der Ehevorbereitung im Bistum Regensburg eingeladen. Geleitet wird das internationale Forschungsprojekt von Prof. Dr. Rupert M. Scheule, Lehrstuhlinhaber für Moraltheologie an der Universität Regensburg. „Durch die Mitwirkung an der Veranstaltung können die Teilnehmer bereits das Forschungsprojekt mitgestalten“, sagte Prof. Scheule in seinen Begrüßungsworten an die 60 anwesenden Teilnehmer der Auftaktveranstaltung.

Die Mühen und Anstrengungen lohnen sich

Bischof Rudolf Voderholzer, der Initiator dieses Forschungsprojektes, ging in seinem Grußwort auf die Entstehung der Projektidee ein. Denn es handelt sich hierbei um ein Gemeinschaftsprojekt der Diözesen Regensburg, Eichstätt und Passau. Grundlage dieses Projektes sei auch das nachsynodale Schreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus. In diesem Schreiben geht es vor allem um die Themen der Ehe und Familie, sowie der Ehevorbereitung. Als Bischof Voderholzer sich mit seinen beiden Bischofskollegen über diese Idee austauschte, war allen drei Bischöfen klar: „Es lohnt sich, sich auf dieses Projekt einzulassen.“ Bischof Dr. Rudolf Voderholzer blickte auch auf die aktuelle Situation der Ehevorbereitung in seinem Bistum. Er sehe, was bei den Verantwortlichen im Bistum „für ein enormer Aufwand betrieben wird“, um angehende Ehepaare auf das Sakrament der Ehe gut vorzubereiten. Und deshalb möchte er dieses Projekt auch nicht als Kritik an der aktuellen Arbeit verstehen, betonte der Regensburger Bischof ausdrücklich. Ein großes Anliegen sei den drei Bischöfen gewesen, alle Verantwortlichen aus dem Bereich der Ehevorbereitung bei diesem Projekt mit ins Boot zu holen. Er zitierte dabei seinen Passauer Amtskollegen Stefan Oster mit den Worten: „Wir müssen alle, die sich im Bereich Ehe auskennen, zusammenbringen.“

 

 

Miteinander Kirche gestalten

Das Projekt soll anhand einer Datenerhebung herausfinden, was sich künftige Ehepaare von der Ehevorbereitung erwarten. Und vor allem muss das Ergebnis so gut sein, „dass es auch von den Paaren angenommen wird“, betonte Bischof Rudolf. Er zog dabei einen Vergleich mit dem Erwerb des Führerscheins oder dem Sakrament der Kommunion bzw. der Firmung. „Dabei bereitet man sich sehr lange auf das Ereignis vor und diese Erwartungen dürfen wir durchaus auch an die künftigen Ehepaare“ stellen, fügte er an. Er freue sich auch über die Kooperation mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die vor allem bei der Erhebung und Auswertung der Daten eine wichtige Rolle spielen wird. Er wünschte abschließend allen Beteiligten gutes Gelingen und dankte den anwesenden Teilnehmern für ihre Bereitschaft an der Mitwirkung bei diesem wichtigen Projekt.

 

Partizipative Theologie

Nach dem Grußwort von Bischof Rudolf stellten Prof. Dr. Rupert Scheule von der Universität Regensburg sowie sein Eichstätter Kollege, Prof. Dr. Klaus Stüwe, das Forschungsprojekt kurz vor. Prof. Dr. Stüwe leitet an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt das Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG). „Wir sind ein erfahrenes Institut, wenn es um Datenerhebung und deren Auswertung geht“, so Prof. Stüwe. Mit seinen Mitarbeitern wird Prof. Klaus Stüwe die Fragebögen für die Datenerhebung ausarbeiten und die eingegangenen Daten dann auswerten. Anschließend wird Prof. Scheule mit seinen Mitarbeitern die empirischen Schlüsse aus diesen Daten ziehen, so der Politikwissenschaftler. Prof. Dr. Rupert Scheule bedankte sich bei seinem Eichstätter Kollegen für die gute Kooperation bei diesem Projekt und sprach anschließend noch kurz über die Vorgehensweise bei der Datenerhebung.

„Ohne ihr Wissen geht nichts bei diesem Projekt!“

Besonderen Dank richtete Prof. Scheule an die anwesenden Teilnehmer der „Kick-Off“-Veranstaltung mit den Worten: „Wir als Wissenschaftler sind auf Ihr Wissen, Ihre Erfahrungen und Expertise angewiesen.“ Dabei sprach er von der partizipativen Theologie, bei der eine Verzahnung von Theorie und Praxis erforderlich sei. Deshalb versammelten sich die anwesenden Kursleiter der Ehevorbereitungsseminare aus dem Bistum Regensburg zu einer Arbeitsphase, um ihre Erfahrungen auf Papier zu bringen, sei es bezüglich des Ablaufs, der Struktur oder der Inhalte bestehender Ehevorbereitungsseminare. Diese Informationen fließen dann in die Erstellung der Fragebögen für die angehenden Ehepaare mit ein. Ein Team der Gemeinde- und Organisationsberatung des Bistums Regensburg moderierte die Arbeitsphase. Somit profitieren alle Seiten von diesem spannenden internationalen Forschungsprojekt zur Ehevorbereitung. Auch die Seelsorgeämter und alle Verantwortlichen im Bereich der Ehevorbereitung der drei Kooperationsdiözesen arbeiten bei diesem Projekt Hand in Hand.

Lesen Sie hier das Interview mit Prof. Dr. Rupert Scheule über das internationale Forschungsprojekt „Zur Ehe berufen“.

Wie ist es derzeit - allgemein gefragt - um die Ehe bestellt?

Der Befund ist gar nicht so eindeutig: Verglichen mit anderen Institutionen hält sich die Zivilehe eigentlich ganz gut, massive Einbrüche gibt es aber bei den kirchlichen Eheschließungen. Ich fürchte, wir haben in den vergangenen Jahrzehnten zu viel von den Problemen und zu wenig von der Überzeugungskraft der sakramentalen Ehe gesprochen.

An welchem Punkt setzt das Projekt "Zur Ehe berufen" ein?

Das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ ermutigt uns, bei den Menschen selbst anzusetzen: v.a. den Braut- und Eheleuten. Was denken sie über gute Ehevorbereitung, gute Ehen, über Gott in ihrem Leben und ihre Berufung in der Welt? Das wollen wir erheben und auf der Basis der kirchlichen Lehre neu deuten. Praktisch sollen so Entwicklungsimpulse entstehen für die Ehevorbereitung in den Bistümern Eichstätt, Passau und Regensburg. Die ist vielfach allerdings schon jetzt ziemlich gut.

Welche Kooperationen sind geplant?

Theologie im Dialog ist für uns das Entscheidende. Als Mittel des Dialogs konzipieren wir nach der Kick-off-Veranstaltung einen Fragebogen, mit dem wir uns an die Teilnehmenden von Ehevorbereitungsangeboten in den drei genannten Diözesen wenden. Auch Erhebungen in den USA, Chile, Australien und Südkorea sind geplant. Dazu braucht es - Sie vermuten das vollkommen richtig - gute Kooperationspartner. Im „Zentrum für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG)“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt haben wir einen solchen Partner gefunden. Die Eichstätter Kollegen sind Experten für Umfragen dieser Art. Darüber hinaus sind die Seelsorgeämter der beteiligten Diözesen natürlich unsere wichtigsten Partner. Ohne sie geht da gar nichts.

Welche Stärken weist die Moraltheologie auf, die sie hier einbringen kann und auch soll?

Die Moraltheologie will beitragen zu Perspektiven gelingenden Lebens. Während andere theologische Disziplinen die geschichtliche Entwicklung, die Sakramentalität oder die seelsorgliche Begleitung von Ehe im Blick haben, ist es mir als Moraltheologen daher wichtig, die Möglichkeiten gelingender Ehe auszuloten. Und das eben im Dialog mit den Menschen. Ein Zweites: Moraltheologie interessiert sich u.a. für das Thema „Berufung". Nun hat die Ehe ja aufgehört, eine selbstverständliche Lebensform zu sein. Sie ist eine echte Entscheidung. Wer sich ganz bewusst für die Ehe entscheidet, kann das als Berufung zu dieser Lebensform verstehen. Was aber bedeutet die Berufung zur Ehe theologisch genau? Was bedeutet es, sich zu diesem einen konkreten Mitmenschen von Gott gerufen zu wissen? Kann man von solchen Fragen her eine einladende Berufungstheologie der Ehe denken, mit der auch die Ehevorbereitung etwas anfangen kann? Das interessiert mich. Außerdem glaube ich, als Moraltheologe beitragen zu können zu einer eigenen Theologie der Vorbereitung. Eine solche hatten wir bislang vielleicht zu wenig auf dem Schirm. Und auch zu einer Theologie des Versprechens. Denn das ist Ehe immer auch: eine versprechensförmige Art zu leben.

Was geschieht mit den Ergebnissen, d.h.: Wie werden sie praktisch verwertet?

Zunächst sichten wir gemeinsam mit dem ZFG die erhobenen Daten und ordnen sie. Dann erörtern wir auf einem Workshop die Ergebnisse. Dazu werden Fachleute aus den drei Diözesen ebenso wie internationale Experten eingeladen. Anschließend wollen wir zusammen mit den Diözesen ein Schulungsangebot für Multiplikatoren und Prozessbegleiter entwickeln, das auf unseren Ergebnissen aufbaut. Wenn in der konkreten Ehevorbereitung der Bedarf besteht, können wir uns durchaus eine langfristige Zusammenarbeit vorstellen. Wissenschaftliche Theologie und kirchliche Praxis haben einander noch viel zu sagen.

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