An vorderster Front, wenn es um die Sorge für die Menschen geht – Bischof Voderholzer stellt sich im Pflegetarifstreit hinter Caritas

02.04.2021

Am Donnerstagabend feierte Bischof Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom die Messe vom Letzten Abendmahl. Mit ihr leitete er die Feierlichkeiten des österlichen Triduums von Gründonnerstag, Karfreitag und Osternacht ein. Auf die traditionelle Fußwaschung wurde angesichts der Corona-Pandemie verzichtet. Stattdessen erinnerten im Altarraum die Waschschüssel, der Krug und das Handtuch aus dem Domschatz an den Vollzug dieses Zeichens in der Liturgie. In seiner Predigt stärkte Bischof Voderholzer im Pflegetarifstreit den Rücken.

 

Dem „Dritten Weg“ soll der Garaus gemacht werden

Bischof Voderholzer hat sich in seiner Predigt am Gründonnerstag im Pflegetarifstreit hinter die Caritas gestellt. „Wenn die Arbeitnehmervertreter wirklich etwas Gutes für die Frauen und Männer in den nichtkirchlichen Einrichtungen tun wollen, dann sollen sie sich dafür einsetzen, dass überall so gut bezahlt wird wie bei der Caritas“, sagte Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt am Gründonnerstagabend. Es geht um den Vorwurf, die Arbeitsrechtliche Kommission des Deutschen Caritasverbandes habe verhindert, dass den Pflegekräften eine bessere Bezahlung zuteil werde, weil sie sich geweigert hat, der Ausdehnung eines von den Gewerkschaften ausgehandelten Flächentarifvertrags in der Altenpflege auf die gesamte Pflegebranche zuzustimmen. Für ihn dränge sich vielmehr der Verdacht auf, dass es in der Kritik an der Caritas gar nicht um gerechtere Bezahlung der Pflegekräfte gehe. Vielmehr solle dem sogenannten „Dritten Weg“ der Garaus gemacht werden.

Eine besondere Form der Tarifeinigung

Der „Dritte Weg“ ist eine besondere Form der Tarifeinigung, die die Katholische Kirche in Deutschland für sich und ihre Einrichtungen geschaffen hat, um Arbeitsvertragsbedingungen auszuhandeln. Die Arbeitsbedingungen werden nicht durch weltliche Instrumentarien wie Tarifverträge, Streiks und Aussperrung, sondern durch paritätisch besetzte arbeitsrechtliche Kommissionen festgelegt.

 

Caritative Dienste verdienen gute Entlohnung

„Dieser Dritte Weg hat sogar zu wesentlich besseren Konditionen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geführt“, bekräftigte Bischof Voderholzer in seiner Predigt. Und er belegt das mit Zahlen. So sehe der allgemeinverbindliche Tarif für Pflegehelfer einen Mindestlohn von 11,80 Euro vor. Die Caritas zahle dagegen über 4 Euro mehr pro Stunde, nämlich 15,90 Euro. Den kirchlichen Trägern gehe es nicht um Geschäftsmodelle mit Gewinnmaximierungsabsichten, sondern letztlich um einen evangeliumsgemäßen Umgang mit Menschen. Bischof Voderholzer betonte, dass die nicht nur system-, sondern auch existenzrelevanten caritativen Dienste eine gute und auskömmliche Entlohnung verdienten. Denn: „Klatschen genügt nicht. Loben und danken – nur mit Worten – reicht nicht!“

 

Dank an Mitarbeiter der Caritas

Am Gründonnerstag findet nach dem Vorbild Jesu traditionell die Fußwaschung statt. Heuer wurde im Gottesdienst auf sie coronabedingt verzichtet. Im Altarraum erinnerten jedoch eine Waschschüssel, ein Krug und ein Handtuch aus dem Domschatz an die Fußwaschung. Bischof Voderholzer: „Das Zeichen der Liturgie kann man verkürzen. Im konkret-realen Leben freilich, am Krankenbett daheim oder in einer Klinik oder einem Seniorenheim, ist dies unmöglich.“ Der Bischof dankte allen Frauen und Männern, die im zurückliegenden Jahr die Krankenbetten dieser Erde zu „Brennpunkten der Menschlichkeit“ gemacht haben. Ganz besonders galt sein Dank jedoch den Mitarbeitern der Caritas als kirchlicher Sozialverband. „Gerade in Gestalt der Einrichtungen der Caritas war und ist die Kirche an vorderster Front tätig, wenn es um die Sorge für die Menschen geht.“

 

Die Predigt im Wortlaut finden Sie hier.

Hier finden Sie Hintergrundinfos zum Thema „Altenhilfe Pflegetarif“ und der sog. Ablehnung eines Flächentarifvertrages durch die Arbeitsrechtliche Komission der Caritas:

www.caritas.de/bessere-pflege

Infoflyer Pflege

Infoflyer Pflege für Spender

Im Anschluss an die Eucharistiefeier wurde das Allerheiligste in den Sakramentsaltar in der Sailerkapelle übertragen. Das „Gebet am Ölberg“ fand unmittelbar im Anschluss an die Übertragung statt.

Online Welt wieder einblenden

Onlinewelt öffnen
Onlinewelt schließen