Durch das Kirchenjahr: Das Evangelium duldet keinen Aufschub

24.06.2020
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… mit Benedikt

13. Sonntag im Jahreskreis A – Matthäus 10,37-42


Es hört sich eigentlich wie ein Widerspruch an, was wir im Evangelium dieses Sonntags hören: Es ist der Abschluss jener langen Rede, die Jesus vor seinen Jüngern hält, bevor er sie lossendet, das Evangelium zu verkünden. Während er zunächst betont hatte, das Evangelium habe man umsonst empfangen und solle es also auch umsonst weitergeben, zeigt er nun scheinbar die Schattenseite des Evangeliums auf. Schon vorher hatte Jesus davon gesprochen, dass das Evangelium auf Ablehnung stoßen könnte. Gewalt gegen die Jünger könnte die Folge sein.

Nun treibt Jesus das scheinbar auf die Spitze: Wer Vater und Mutter mehr liebt als Jesus, ist seiner nicht wert. Wer seine Kinder mehr liebt als Jesus, ebenfalls nicht. Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt, ist Jesu ebenfalls nicht wert: „Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden“ (Matthäus 10,39). Trennung von der Familie fordert Jesus und die tägliche Annahme des Kreuzes um seinetwillen.

Die Bilder beschweren uns zunächst. An anderer Stelle wird das noch deutlicher: Da will einer dem Herrn nachfolgen, zuerst aber noch seinen anscheinend verstorbenen Vater beerdigen. Jesus reagiert geradezu schroff: „Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!“ (Matthäus 8,22). Es scheint, als dulde das Evangelium keinen Aufschub. Wer Jesus nachfolgen will, hat nicht einmal mehr die Zeit, den verstorbenen Vater zu Grabe zu tragen; er muss sofort mit Jesus gehen.

An anderer Stelle wird dann aber sehr wohl deutlich, wie wichtig menschliche Bindungen für Jesus sind. Etwa wenn er seinen Jüngern sagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Johannes 15,13). Auch das Begraben der Toten ist eine menschliche Pflicht.

Jesus spricht bildhaft. Keiner muss den toten Vater liegen lassen, wenn er wirklich ein Jünger Jesu sein will. Aber der Herr zeigt: Der Dienst für das Evangelium und die Nachfolge Jesu dulden keinen Aufschub. Jetzt ist der Augenblick, ihm zu folgen – Ausreden zählen sozusagen nicht. Das Evangelium nimmt den Menschen voll in Anspruch, ohne aber ein drückendes Joch zu sein. Wer dem Ruf Jesu folgt, der wird das wirkliche Leben gewinnen, auch wenn es in der Welt bisweilen so scheinen mag, als würde er sein Leben verlieren. Wer dem Herrn nachfolgt, der macht sich auf die Suche nach dem wahren Leben in Fülle.

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