Durch das Kirchenjahr: Gerüchte über Jesus

13.09.2018
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… mit Benedikt.

Mk 8,27-35 – 24. Sonntag im Jahreskreis

Das mit den Gerüchten ist eine schlimme Sache. Klatsch und Tratsch hat immer etwas Gemeines, bisweilen sogar Anrüchiges. Wer hat den Satz noch nicht gehört? „Das darfst Du aber niemandem weitererzählen!“ Häufige Folge des Satzes: Man erzählt es eben schon jemandem, verbunden mit dem dann abgerungenen Versprechen, es seinerseits aber ja niemandem zu erzählen. Und so weiter.

Gerüchte haben immer etwas gemeinsam: Sie haben einen wahren Kern. Irgendetwas an der weitergetratschten Genschichte stimmt schon, meist aber verzerrt und nur halb wahr. Und: Die betroffenen Personen haben immer das Bedürfnis, dass ihre Geschichte eben nicht weitererzählt werden soll. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: Vielleicht schämt man sich dafür oder will eine Überraschung vorbereiten oder schlicht auf den passenden Moment für die Offenbarung des Geheimnisses warten.

Die Perikope dieses Sonntags erinnert mich irgendwie an solche Gerüchte. Im Volk sind verschiedene Versionen darüber im Umlauf, wer Jesus eigentlich sei. Einige denken, er wäre der Prophet Elija, andere halten ihn für den Täufer Johannes. Jesus will wissen, ob diese Gerücht auch bei seinen Jüngern angekommen sind und fragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Petrus, Sprecher der Gruppe, antwortet stellvertretend: „Du bist der Messias!“

Der Satz aber ist doch wahr! Sie haben verstanden, wer Jesus ist. Das hat doch nichts von einem Gerücht. Er aber verbietet ihnen trotzdem, darüber zu sprechen. Das ist schon seltsam. Falsche Gerüchte machen die Runde. Jesus hätte hier die Chance einzugreifen und die wahre Version durch seine Jünger zu verbreiten. Warum sollte er denn nicht wollen, dass alle wissen, dass er der Messias ist? Dafür muss er sich ja nicht schämen. Will er denn jemanden damit überraschen? Will er auf den passenden Moment für die Offenbarung warten?

Anscheinend. Denn wenig später erzählt er seinen Jüngern, dass er in Jerusalem sterben müsse. Dieses Gespräch ist der Wendepunkt des Markusevangeliums. Von hier an geht es abwärts nach Jerusalem und aufwärts auf das Kreuz zu. Petrus, gerade eben noch Übermittler der Jüngermeinung, will das nicht zulassen. Er widerspricht. Jesus darf doch nicht sterben! Jesus weist das mit selbst für ihn ungewohnten und harten Worten zurück: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!“

Deshalb will Jesus nicht, dass die Botschaft seiner Messianität die Runde macht! Sie würde nur falsch verstanden werden. Denn nur, wer versteht, dass er sterben muss, kann das wirklich verstehen. Als Messias ist Jesus kein mächtiger Herrscher, sondern der geschundene Mann am Kreuz. Petrus hat das nicht verstanden und die Chance stand hoch, dass das auch sonst keiner wirklich verstehen würde. Um das zu verhindern, verbietet Jesus gleich ganz, darüber zu sprechen.

Es wird so gewesen sein wie mit jedem Gerücht: Die Jünger haben es wohl weitererzählt. Der Grund für die von Jesus eingeforderte Verschwiegenheit war aber nicht die Unwahrheit der Aussage, er sei der Messias. Im Gegenteil: Einen wahreren Satz kann es gar nicht geben. Grund war die Gefahr, dass es falsch verstanden würde. Erst am Kreuz wird das verständlich. Erst am Kreuz wird aus der Botschaft hinter vorgehaltener Hand das Evangelium, das die Jünger in die ganze Welt getragen haben.