Gedanken am Aschermittwoch - Pontifikalamt mit Bischof Rudolf Voderholzer am Aschermittwoch 2016

11.02.2016

Pontifikalamt in der Niedermünsterkirche. Aschermittwochabend 18:30 Uhr. Voller Gedanken bin ich in die Kirche hineingegangen. Arbeitsalltage lassen sich nicht ausknipsen wie das Licht im Flur. Der Kopf hängt noch am Telefon. Habe ich gut argumentiert? Alles notiert? Den Tag morgen gut vorbereitet? Wie schafft man jetzt Raum für das Wesentliche?

„Bekehre uns, vergib die Sünde, schenke Herr uns neu dein Erbarmen“: Der Einzugshymnus im Wechselgesang ergreift die Sinne und das Denken, führt hinaus ins Weite.


© istock.com/slacroix

Zerbrechliches Dasein

Der Bischof knüpft an das Eisenbahnunglück von Bad Aibling an. Er lädt ein mitzutrauern, greift unser Entsetzen auf. Menschen, die auf grausame Weise aus dem Leben herausgerissen wurden, führen uns vor Augen, wie zerbrechlich auch unser Dasein ist.

Menschenleben im Spannungsfeld. Auf der einen Seite das Bewusstsein, ja die Gewissheit, das Leben wird enden, wir verlieren unsere Kraft, werden hinfällig, und all unsere menschliche Herrlichkeit ist flüchtig wie der Straßenstaub im Wind. Auf der anderen Seite sehnen wir uns danach, das Leben zu halten, etwas Beständiges in seine Mitte zu stellen, etwas zu begreifen, was die Zeiten überdauert.

Der Priester spricht es aus, wenn er den Gläubigen das Aschekreuz auf die Stirn zeichnet:

„Gedenke Mensch, dass Du aus Staub bist und zum Staub wirst Du zurückkehren.“

Dürfen wir ernsthaft hoffen?

Das Kreuz ist Ausdruck der Hoffnung in dieser staubigen Aussichtslosigkeit. Christus zeigt den Weg über den Tod hinaus. Auf der Straße der letzten Einsamkeit, auf der niemand uns begleiten kann, geht er voraus und mit uns. Er selbst ist sie gegangen, diese Straße. Und er ist wiedergekommen. Er schenkt mit seiner Auferstehung uns – die wir an ihn glauben, - die Gewissheit, der verwirbelnde Staub ist nicht das Ende alles Seins. Da gibt es einen, der geht mit uns den letzten Weg und führt uns durch das Nichts des Vergehens in das Leben.

Wir glauben, weil wir in Christus einer Person begegnen, die uns ihre Freundschaft anbietet, und zu der wir unser Ja sagen können. „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluß oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“2  

© Archiv Bulst, Regensburg

Beweise es doch!

Dieser Beziehungsglaube lässt sich genauso wenig beweisen, wie die Liebe, die mich mit meiner Frau bindet oder die Freundschaft, die mir Menschen schenken. Der Bischof macht das deutlich, als er das Faksimile des Turiner Grabtuchs vorstellt. Es ist wohl der wissenschaftlich bestuntersuchte Gegenstand der Geschichte. Aber es ist kein Beweis für den Urgrund unseres Glaubens. Bischof Voderholzer zählt all die Indizien auf, die die Möglichkeit nahelegen, dass wir auf diesem Stoff tatsächlich den Abdruck des Leibes und des Antlitzes Jesu sehen. Jedenfalls konnte niemand den Nachweis führen, dass es sich um eine mittelalterliche oder antike Fälschung handele. Das Grabtuch ist so unerklärlich wie die Menschwerdung Gottes selbst. Hier können Sie seine Predigt nachlesen.

Misericordiae vultus  heißt die Verkündigungsbulle, mit der Papst Franziskus am 13. März 2013 das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit ankündigte. Christus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Wir schauen auf dem Grabtuch3  in die geöffneten Arme des Vaters, der dem verlorenen Sohn entgegeneilt, obwohl der alles tat, was dem Vater zuwider war und erst in seinem tiefsten Elend den Weg nach Hause einschlug. Man versteht den älteren Bruder, der das ungerecht findet. Er ist halt nicht der Vater. 


Nicht zu vergessen: Kleine Anleitung zum Fasten

Wichtig für die Fastenzeit, war auch die Lesung des Tages. Das Evangelium nach Matthäus kann man lesen wie eine kleine Anleitung zum christlichen Fasten. Deshalb sei es hier zitiert:


Evangelium (Mt 6,1-6.16-18)

Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten

1 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Hütet euch,
eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen;
sonst habt ihr keinen Lohn
von eurem Vater im Himmel zu erwarten. 

2 Wenn du Almosen gibst,
lass es also nicht vor dir herposaunen,
wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun,
um von den Leuten gelobt zu werden.
Amen, das sage ich euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 

3 Wenn du Almosen gibst,
soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. 

4 Dein Almosen soll verborgen bleiben
und dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten. 

5 Wenn ihr betet,
macht es nicht wie die Heuchler.
Sie stellen sich beim Gebet
gern in die Synagogen und an die Straßenecken,
damit sie von den Leuten gesehen werden.
Amen, das sage ich euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 

6 Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest,
und schließ die Tür zu;
dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.
Dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.

16 Wenn ihr fastet,
macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler.
Sie geben sich ein trübseliges Aussehen,
damit die Leute merken, dass sie fasten.
Amen, das sage ich euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 

17 Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest,
und wasche dein Gesicht, 

18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest,
sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht;
und dein Vater, der das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten. 

Was man immer weglässt

Fast immer steht der Wortgottesdienst im Mittelpunkt solcher Berichte oder Reflektionen, wie ich sie heute hier geschrieben habe. Dabei kommt der Höhepunkt erst danach im Hochgebet. Man schreibt nicht darüber, weil es den liturgischen Regeln folgt und hineinnimmt in einen (fast) immer wortgleichen Ablauf, dessen Bekanntheit vorauszusetzen ist – jedenfalls bei den Gläubigen. Zu den Gedanken des heutigen Abends aber passt die Akklamation im Hochgebet ganz besonders. Sie fasst eigentlich alles in drei Zeilen zusammen. Ich möchte sie deshalb zum Abschluss meiner Gedanken rund um das Pontifikalamt hervorheben – quasi als Leitwortvorschlag für die Fastenzeit:

Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,
und deine Auferstehung preisen wir,
bis du kommst in Herrlichkeit.


Lesen Sie auch:

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1 Gotteslob, 2013, Lied 266
2 Deus Caritas Est, Einleitung
3 Grabtuch zu verleihen: Man kann das Grabtuch übrigens ausleihen. Dieses Antlitz Christi, das sich womöglich auf dem Grabtuch abbildet, wird bis zum Christkönigssonntag durch das Bistum Regensburg reisen und zwar in Form eines Faksimiles, das Bischof Rudolf Voderholzer erworben hat. Es kann zur Meditation und Bildungsarbeit verwendet werden und eignet sich wegen seiner Verbindung von Tod und Auferstehung besonders für die Vorbereitungszeit bis Ostern. Alle Pfarreien und Einrichtungen, wie beispielsweise Schulen, Orden oder Verbände, haben während dieser Zeit die Möglichkeit, das über vier Meter lange und einen Meter breite Faksimile zu buchen.

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