Glaube in Bildern. Prof. Dr. Ludwig Mödl über die Bedeutung der Krippe und das Schreiben „Admirabile signum“ von Papst Franziskus.

10.12.2019

Am Ersten Adventssonntag hat Papst Franziskus ein Apostolisches Schreiben über die Krippe veröffentlicht: „Admirabile signum“. Es fragt nach der Bedeutung der Krippenfiguren, erklärt, wie man eine Krippe aufstellen kann, und was die kleinen Figuren mit unserem Leben zu tun haben. Im Interview sprechen wir mit Professor Ludwig Mödl, der als Pastoraltheologe an der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) in München lehrte und auch in diesem Semester eine Vorlesung hält.

 

In seinem Apostolischen Schreiben „Admirabile Signum“ vom ersten Adventssonntag schreibt Papst Franziskus: Es ist nicht wichtig, wie man die Krippe aufstellt; es kann immer gleich sein oder jedes Jahr anders – was zählt, ist, dass sie zu unserem Leben spricht.“ Wie kann es gelingen, die Krippe zum eigenen Leben sprechen zu lassen?

Eine Krippe ist die Nachbildung einer Szene, die erzählt von einem vergangenen Ereignis. Der Betrachter kennt die Geschichte und findet sie in der Krippe in besonderer Weise interpretiert. Der Stall und das Kind in der Futterkrippe sprechen von der Armut, Maria, Joseph und die Hirten drücken große Ehrfurcht aus, die Engel künden vom himmlischen Glanz usw. Jedes Detail trägt bei zur Deutung der Weihnachtsgeschichte und färbt sie damit emotional ein. Da christlich sozialisierte Menschen schon von früher Kindheit an die Thematik gerade durch die Krippendarstellungen kennen, ist beim Betrachten einer Krippe Erfahrung und damit Leben tangiert.

 

Wie wichtig ist es für den Glauben, sich in Bildern auszudrücken?

Wir dürfen uns zwar gemäß dem ersten Gebot von Gott kein Bild machen, sind aber in unserem ganzen Denken angewiesen auf Bilder, Geschichten, Metaphern und Sprachbilder verschiedenster Art. Viele Begriffe sind eingefrorene oder gebündelte Geschichten bzw. Bilder. Um eine theologische Wahrheit verstehbar zu machen, brauchen wir also erklärende Bilder oder bildhafte Erzählungen.

 

Hilft es uns Menschen, wenn wir die Szenerie des Evangeliums als Bilder vor uns haben?

Bilder helfen uns, Szenen des Evangeliums zu deuten und damit leichter zu verstehen.

 

Viele Krippen können auch in einem längeren Prozess aufgestellt werden. Papst Franziskus weist etwa darauf hin, dass irgendwann die Könige zur Krippe hinzutreten. Und er schreibt: „Wenn wir zu Weihnachten die Figur des Jesuskindes hineinlegen, beginnt gleichsam das Herz der Krippe zu schlagen.“ Ist die Krippe ein Prozess?

Eine Krippe, die langsam erweitert oder umgebaut wird, würde ich nicht Prozess nennen, sondern eher Szenenfolge. Hinzukommende Figuren oder andere Umbauten bringen den Beschauern je neue Aspekte der Weihnachtsgeschichte ins Gedächtnis.

 

Neben vielen „Pflichtfiguren“ in der Krippe – die heilige Familie, Engel, Hirten, Könige – gibt es immer wieder auch Krippen, die Fantasiefiguren verwenden. Kann man so sein eigenes Leben in die Krippe eintragen?

Mit Sicherheit kann man eigenes Leben in die Krippe hineintragen. Meist sind solche Szenen dann eigene Interpretationsversuche. In alten Krippen finden wir z.B. Darstellungen von Adam und Eva, was darauf hinweist, dass die Menschwerdung des göttlichen Wortes im Krippenkind die Menschheitsschuld von uns nehmen will. Oder die üppigen Szenen in Neapolitanischen Krippen wollen zeigen, wie die Menschwerdung des göttlichen Wortes inmitten des gewöhnlichen Lebens geschehen ist usw. Solche Zusätze sind jeweils Deutungen des Weihnachtsgeschehens, die dieses in unser Denken einordnen möchten.

 

Welche Rolle kann die Krippe für die Verkündigung des Glaubens in der Familie und in den Pfarreien haben?

Eine Krippe erzählt und bringt das theologische Ereignis in eine Bildwelt, die dem Betrachter bekannt ist oder in ihrer Fremdheit aufmerksam macht auf Elemente, die ihm helfen können, das Geschehen besser zu verstehen. Dabei ist es freilich wie bei allen bildlichen Darstellungen. Wer sie nur als Kunstobjekt sieht, der wird bei Form, Farbe oder anderen gestalterischen Elementen hängen bleiben. Wer sich jedoch durch diese Kunstformen zum Inhalt führen lässt, dem kann eine Krippe viel von der spirituellen Tiefe des Glaubensgeheimnisses vermitteln. Vor allem Kinder können durch die Krippenszene tief angesprochen werden – und in Erinnerung an die eigene Kindheit auch Erwachsene. Eine Krippe hat in jedem Fall eine pastorale Bedeutung.

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