Marsch für das Leben – Zeugnis für die Würde und Unantastbarkeit des Menschen

24.09.2018

"Menschenwürde ist unantastbar. Ja zu jedem Kind – Selektion und Abtreibung beenden" war das Motto beim Marsch für das Leben 2018 in Berlin am vergangenen Samstag. Zum vierten Mal beteiligte sich auch Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer an der Kundgebung, am Marsch und am ökumenischen Wortgottesdienst. Er zeigte sich beeindruckt, dass wiederum so eine große Anzahl von Menschen nach Berlin gekommen ist, um dem Lebensrecht der Schwächsten eine Stimme zu verleihen. Nach Polizeiangaben waren es 7000 Teilnehmer, die Organisatoren hatten 5500 Teilnehmer als erste geschätzte Zahl angegeben.

Bischof Rudolf freute sich auch, dass 120 Teilnehmer mit zwei Reisebussen aus dem Bistum Regensburg angereist waren. "Zeigen wir gemeinsam Flagge" – dazu hatte das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum eingeladen. Die Mitfahrenden in den beiden Bussen hatten sich bereits während der Fahrt durch Gebete und Lieder, aber auch durch inhaltliche Themen wie die Berliner Erklärung auf den Marsch vorbereitet. Informiert wurden die Teilnehmer auch über das "dringende Abraten" des Oberpfälzer Bundestagsabgeordneten Stefan Schmid (Bündnis 90/Die Grünen), hier vom Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen. Mit viel Applaus wurde das Antwortschreiben von Bischof Rudolf bedacht, indem er den MdB einlud, sich selbst ein Bild zu machen vom Einsatz derer, die auch im Hinblick auf das ungeborene menschliche Leben Ernst machen mit Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar".

Organisiert wurde der Marsch zum vierzehnten Mal durch den Bundesverband Lebensrecht e.V. (BVL), einem Zusammenschluss deutscher Lebensrechtorganisationen, der sich zum Ziel gesetzt hat, sich für den Schutz des Lebensrechts jedes Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod einzusetzen. Kundgebung und ökumenischer Wortgottesdienst fanden am Washingtonplatz direkt vor dem Hauptbahnhof statt. Es schloss sich der Marsch durch die Berliner Innenstadt an. „Sie haben sich alle aufgemacht, um heute hier ein Zeichen zu setzen, ein großes Zeichen für die Zukunft: auf der überparteilichen, generationenübergreifenden, größten Pro-Life-Veranstaltung in Deutschland“, begrüßte die Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht, Alexandra Linder, alle Teilnehmer bei der Kundgebung.

Der Marsch selbst führte durch Berlin-Mitte als Schweigemarsch. Die 7000 Mitmarschierenden trugen dabei zahlreiche Transparente, Schilder und Kreuze. Die Regensburger Teilnehmer reihten sich ganz unterschiedlich in den langen Zug ein. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer marschierte in etwa in der Mitte des Zuges und sagte später, dass die Wegstrecke in diesem Jahr etwas länger war, er auch sehr gerne marschiere und sich freut, dass das Anliegen "Einsatz für das Leben" von so vielen Menschen aus dem Bistum sichtbar durch die Teilnahme mitgetragen wird.

Er freute sich, dass wiederum so eine große Anzahl von Menschen nach Berlin gekommen ist, um dem Lebensrecht der Schwächsten eine Stimme zu verleihen. Laut gesprochen wurde nicht, jeder konnte aber für sich leise beten oder seinen Gedanken nachhängen. "Das Gebet ist die stärkste Waffe, die wir haben", sagte eine Jugendliche. Viele Teilnehmer bemerkten auch das 10 mal 10 Meter hohe "Lichtkreuz" am Berliner Fernsehturm, auf den der Marsch für das Leben teilweise zuging.

Wie bereits bei der Kundgebung startete auch beim Schweigemarsch eine vergleichbar kleine Gruppe von Gegendemonstranten, oftmals jugendliche Störer, lautstarke Übergriffe. Parolen wie „Ihr seid hier nicht willkommen!“ waren noch harmlos und schmerzhaft laute Trillerpfeifen ertönten. Rauchbomben mit farbigem Rauch flogen in die Menschenmenge und nahmen Sicht und Luft, aber auch da und dort zeugten Eierschalen von den Wurfgeschossen. Diese Gegendemonstranten, darunter radikale Feministen sowie Vertreter der Interessen homosexueller Menschen, beschimpften die Demonstrationsteilnehmer und begleiteten ihren Marsch durch die Stadt protestierend. Der Versuch einer Sitzblockade scheiterte, da sie zu klein ausfiel und die Polizei kurzerhand den Marsch über den Bürgersteig umlenkte. Die immer wiederkehrenden Parolen, die Beschimpfungen und Proteste dieser radikalen Gegendemonstranten stimmten viele der Marschteilnehmer sehr nachdenklich. So berichtete ein 68-jähriger Mann aus dem Bistum Regensburg, dass er mit seinem weißen Kreuz auf den Schultern ruhig marschierte, als sich eine Gruppe der Gegner vor ihn in den Zug zwängte. Er schätzte die junge Frau auf Anfang 20, die sich zu ihm umdrehte, ihn fixierte und an seiner Hand mit dem Ehering hängenblieb. Die Frage "Sind Sie verheiratet?" bejahte er und ein wehmütiger Blick und kurzes Schweigen folgten. Bald darauf wurde wieder gegröhlt und der Schweigemarsch gestört.

"Was beschäftigt diese jungen Leute? Welche Not haben sie?" waren die Fragen, die sich der 68-jährige und viele andere Teilnehmer stellten. Die „Obszönität des Protestes“ der aggressiven Gegendemonstranten kann man als Hinweis dafür sehen, dass die Lebensrechtler etwas Wichtiges zu sagen und etwas Heiliges zu schützen haben. Acht Hundertschaften von Polizeibeamten hatten alle Hände voll zu tun, um die Gegendemonstranten in Schach zu halten, die wie "Hase und Igel" immer wieder die Straßen und Plätze entlang des Zuges wechselten. Die Marschteilnehmer wirkten durch ihr ruhiges und leises Dasein anscheinend wie eine Provokation auf die Gegendemonstranten, eine stille und friedliche Provokation.

"Ich bin in diesem Jahr zum ersten Mal beim Marsch für das Leben dabei und bin berührt davon, wie viele Menschen dort in friedlicher Weise für das Leben einstehen. Es überrascht mich aber auch, wie groß der Kontrast zwischen den beiden Seiten der Demonstranten ist. Außerdem habe ich die Einheit der Christen über die Konfessionen hinweg selten so herzlich erlebt, wie beim anschließenden Gottesdienst. Besonders habe ich mich über junge Familien gefreut, die den Mut hatten, mit ihren Kindern zu kommen", sagte der 18-jährige Thomas S. aus den Reihen der Teilnehmer aus dem Bistum Regensburg.

Ebenso die 17-jährige Teresa: "Es war ein atemberaubendes Erlebnis und ich kann nicht beschreiben, wie berührt ich davon war, dass sich so viele für das Leben der Schwächsten unter uns einsetzen. Bestürzt haben mich aber die Gegendemonstrationen, vor allem auch, weil viele einfach falsch oder gar nicht informiert waren, wofür wir überhaupt auf die Straße gehen.". Bei der stundenlangen Heimfahrt im Bus zieht auch die 21-jährige Michaela ein positives Resümee: "Ich habe ein inneres Gefühl, das mir sagt, dass es richtig war, mitzugehen! Für Menschen sich einzusetzen, die sich nicht wehren können! Und die ganzen Gegendemonstrationen zeigen nur, dass es wichtig ist! Und noch viel getan werden muss! Jedes Leben ist kostbar von Anfang an: Es ist „nicht nur“ ein „Zellhaufen“, sondern schon ein Baby. Kinder sind keine Belastung oder so, sie sind Geschenke! Die schönsten Geschenke, die es gibt."

Am Straßenrand tauchten immer wieder teils bunt kostümierte, teils ganz in schwarz gekleidete Protestler auf, die Sternen- und Antifa-Flaggen schwenkend lärmten, teils der Demo den Mittelfinger zeigten. Mit dabei: die RAF Berlin. Mit einem Banner „RAF Berlin. Der Kampf geht weiter“ suchten sie, die das Banner hielten, den Konflikt mit Teilnehmern des Marsches, wie auch die Regensburger erzählten. „Komm her und halte mir Deine Wange hin. Du bist Christ, Du bist Idiot!“, sagte einer der Männer zu einer der Regensburger Teilnehmerinnen. Sie blieb ungerührt und "strafte" ihn mit einem freundlichen Lächeln – und stillem Gebet.

Ein wichtiges Thema der Kundgebung war die Schwangerschaftskonfliktberatung. Hierzu sprachen eine Mutter aus Uganda, ein Vater aus Israel und eine erfahrene Beraterin, die deutlich machte, dass Frauen in diesem Konflikt Empathie, Zeit, Zuwendung und hilfreiche Lösungsansätze brauchen, keinesfalls aber eine Werbung für Abtreibung. Gäste aus dem Ausland und die Jugend für das Leben machten deutlich, wie jung und vielfältig die Lebensrechtsbewegung ist. Das war auch bei den Teilnehmern sichtbar – vom Baby im Kinderwagen bis zum über 90-Jährigen waren alle Generationen, vor allem viele junge Menschen und junge Familien, vertreten.

Bei der Kundgebung wurde eine Resolution mit neun Forderungen an den neuen Bundestag von den Teilnehmern mit breiter Zustimmung verabschiedet. Die sieben Punkte lauten:

Mehr Respekt vor dem Grundgesetz;

Mehr Gesetze, die wirksam dem Leben dienen;

Mehr Aufklärung, die Frauen und Kinder berücksichtigt;

Mehr Rechte für Kinder;

Mehr Konsequenz bei der Inklusion;

Mehr Solidarität zur Annahme jedes Kindes und mehr Aufmerksamkeit für suizidgefährdete und sterbende Menschen!

Dazu ist auf allen Ebenen ein Umdenken zugunsten von ungeborenen, kranken und alten Menschen erforderlich. Nur so ist allen Menschen ein Leben in Selbstbestimmung, Freiheit und Würde möglich. Ein großes Zeichen für die Zukunft soll mit diesen Forderungen zum Schutz des menschlichen Lebens gesetzt werden. Der Wunsch der Teilnehmer und Redner war es dabei zu zeigen, dass große Teile der Bevölkerung dies auch in der Politik umgesetzt sehen möchten. Angesichts hoher Abtreibungszahlen und der wachsenden Tendenz, Kinder, die nicht der Norm entsprechen, abzutreiben, erschienen diese Themen nach wie vor brandaktuell.

Beim ökumenischen Abschlussgottesdienst war erfreulich, dass eine breite ökumenische Basis aus vielen Kirchen und Gemeinden da war, denen Gottes Wort auch noch etwas bedeutet, sodass man es im Alltag sehen kann. Die Kölner Band „Könige und Priester“ spielte und zeigte auf den, der der Grund unserer Hoffnung ist: Jesus Christus. Sie ließen sich dabei auch nicht von den Trillerpfeifen und dem Geschrei der Lebensgegner aus dem Takt bringen.

Es sprachen dann auf der Bühne einige von ihren Berührungen mit dem Thema Lebensrecht, wie Frauen in scheinbar ausweglosen Situationen wirklich geholfen werden kann und bereits geholfen wird, wie das Bewusstsein für dieses himmelschreiende Unrecht gestärkt werden kann.

Der evangelische Bischof Hans-Jürgen Abromeit aus Greifswald rief zur Hilfe für schwangere Frauen in Notsituationen auf. "Eine ungewollte Schwangerschaft ist eine Nagelprobe auf die Solidarität der Gesellschaft", so der evangelisch-lutherische Bischof. Beim Engagement für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder gehe es aber nicht um Zwang. Das deutsche Recht setze darauf, dass die Eltern sie freiwillig annähmen. "Wir brauchen aber noch ganz andere Unterstützungssysteme", forderte Abromeit. Väter, Eltern, Nachbarn und Arbeitgeber müssten ihre Verantwortung noch viel intensiver annehmen, "damit die Frauen am Ende nicht alleine dastehen".

Weihbischof Matthias Heinrich aus Berlin sagte, der Marsch trete auch für die hungernden, kranken und flüchtenden Menschen ein, denen das Lebensrecht abgesprochen werde.