Auferstehung vor Augen – Alte und neue Heilige Gräber im Bistum Regensburg machen den Glauben anschaulich

10.04.2019

Eines der bedeutendsten Heiligtümer der Christenheit befindet sich in der Kirche zum Heiligen Grab in Jerusalem. Die Grabeskirche und das Heilige Grab, das sie beherbergt, wurden an der Stelle errichtet, wo das Grab Jesu vermutet wird. Vierzig Stunden lang dauerte die Grabesruhe Jesu und ebenso lange fasteten, wachten und beteten bereits die ersten Christen vor dem Heiligen Grab. Viel später entstanden in vielen christlichen Kirchen Nachbildungen des Heiligen Grabes. Hier versammelten sich die Christen nach der Karfreitagsliturgie in stiller Anbetung. Mancherorts sind so über die Jahrhunderte hinweg regelrechte Kunstwerke entstanden, die die Gläubigen zur Grabwache anhalten und ihnen das Osterwunder nahe zu bringen versuchen. Von kunstvollen figürlichen Darstellungen bis hin zu Heiligen Theatern haben sich die Christen dabei allerhand erdacht, um den Glauben angemessen zu verkünden.

Glauben anschaulich machen

Die Stadtpfarrkirche Sankt Laurentius in Neustadt an der Donau besitzt ein solches Heiliges Grab. Nach der Kirchenrenovierung im Jahre 2011 hat Regionaldekan Johannes Hofmann mit tatkräftiger Unterstützung von Ehrenamtlichen diese alte Tradition aufleben lassen. Seitdem wird jeweils nach der Karfreitagsliturgie das Heilige Grab enthüllt. Es zeigt den Leichnam des gekreuzigten Heilands. Nach der Osternacht wird das Grab leer sein; nur „die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte“ (Joh 20,6b). Glauben begreifbar machen – das ist Regionaldekan Hofmanns Absicht. Er kennt die Tradition des Heiligen Grabes noch aus Kindertagen. So ist es für ihn selbstverständlich, dass „ein Gotteshaus gerade für die geprägten Zeiten und Hochfeste im Kirchenjahr temporäre Zeichen braucht, die den Glauben anschaulich machen“. Dies ist ihm mit dem Grab in der Laurentiuskirche sehr gut gelungen. Zu sehen sind neben der Hauptfigur, dem Leichnam Jesu, zahlreiche symbolträchtige Details, die auf das Leben und Wirken Jesu aufmerksam machen. Seit 2017 wird während der Osterzeit auch ein Bild des Auferstandenen am leeren Grab gezeigt.

Heiliges Theater in Eugenbach

Um einiges dramatischer, allerdings auch mechanischer geht es seit Jahrhunderten in Eugenbach bei Landshut zu. Die Pfarrkirche St. Georg dort besitzt ein Heiliges Grab, das die Jesuiten im 17. und 18. Jahrhundert eingerichtet haben. Es ist eine mechanische betriebene sehr ansprechende Darstellung der Auferstehung, bei der die Figur des siegreichen Christus aus dem Grab im Hochaltar der Kirche emporsteigt.

Der Mechanismus wird im Anschluss an die Karfreitagsliturgie in Gang gesetzt. Dann nämlich bewegt der Kirchenpfleger mittels einer Kurbel die Monstranz mit der heiligen Eucharistie auf eine höhere Ebene oberhalb des Hauptaltares. An der Stelle, wo früher die Monstranz gestanden hatte, erscheint die Figur des Leichnams Christi im Heiligen Grab. Zwei Wächterfiguren stehen rechts und links des Grabes. Bis um 19 Uhr wird der Herr in eucharistischer Gestalt angebetet. Wenn in der Feier der Osternacht das dritte Halleluja erklingt, steigt Jesus Christus aus der Tiefe empor. Das heißt, der Mechanismus wird erneut betätigt: Die Figur des Auferstandenen wird emporgezogen und zugleich der Leichnam im Grabe zurückgeklappt. Diese Position ist dann während der folgenden Osterzeit zu sehen. Mit einer Ausnahme: das Patrozinium am 23. April. An diesem Datum wird das Bild des heiligen Georg am Altar zu sehen sein. Die Jesuiten, die von 1629 bis 1774 im Zuge der katholischen Reform in Landshut gewirkt haben, wollten mit dieser besonderen Installation des Heiligen Grabes und der Auferstehung das zentrale Glaubensgeheimnis visuell begreif- und erlebbar machen. Ein äußerst gut durchdachtes Unterfangen zu damaligen Zeiten, das auch heute seine Wirkung nicht verfehlt.

Heiliges Grab im Film

Die Frage, wie es zu verstehen ist, dass eine Figur in einem geistlichen Schauspiel die Auferstehung anschaulich macht, ist im Film behandelt: Der Mehrminüter enthält sehenswerte Detailaufnahmen des Mechanismus für das Heilige Grab in Eugenbach. Er lässt gläubige Menschen zu Wort kommen, die die Auferstehung in eigene Worte fassen.

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