Corona: Bischof Rudolf schreibt einen Ermutigungsbrief an alle Pfarreien

23.09.2020

Mit Kreativität und guten Ideen an der Seite der Menschen

Bischof Rudolf schreibt einen Ermutigungsbrief an alle Pfarreien des Bistums Regensburg

 

In diesen Tagen erhielten alle Pfarreien im Bistum Regensburg Post von der Diözese. Bischof Rudolf Voderholzer schrieb an die „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge und an die Mitbrüder im priesterlichen und diakonischen Dienst“.

Mit Kreativität und guten Ideen solle die Kirche auch und gerade in Coronazeiten an der Seite der Menschen stehen. Alle Menschen im Bistum Regensburg, die sich am kirchlichen Leben beteiligen wollen, seien sehr herzlich eingeladen, dabei zu sein.

Erntedank, das Gebet für die Verstorbenen, die Gräbersegnungen an Allerheiligen, die kirchlichen Höhepunkte im Advent, Weihnachten, Sylvester oder die Sternsinger Aktion sollen die Katholikinnen und Katholiken nach Kräften feiern. Alle seien aufgerufen mitzubeten, mitzusingen und Gutes und Beschwerliches miteinander zu tragen.

Bischof Rudolf: „Freuen wir uns (…) darüber, daß schon wieder so viele Schwestern und Brüder den Mut fassen, zur gemeinsamen gottesdienstlichen Versammlung zu kommen.“

Die Kirche werde neue Wege suchen und finden, zusammen mit allen Gläubigen, egal ob alt ob jung, trotz der Corona-Bedingungen den Glauben an Christus zu leben und zu feiern.

Manches werde vielleicht anders sein als in den vergangenen Jahren, stellt der Bischof fest. Das aber sei nicht unbedingt ein Grund zu klagen. Corona sei die Chance, das Echte und das Eigentliche in den Mittelpunkt zu rücken.

Natürlich brauche es ein wenig Offenheit und gute Information, wenn nicht alle zur gewohnten oder zur selben Zeit auf den Friedhof, zur Beichte, in die Adventsandacht, zum adventlichen Singen, zur Christmette oder zum Krippenspiel gehen können. Bischof Rudolf Voderholzer: Alle Menschen sollen wissen, „daß wir unser Möglichstes daransetzen werden, und daß uns keine Anstrengung zu viel sein wird, um den Kindern, den Familien und auch den Seniorinnen und Senioren die Mitfeier der Liturgie an Weihnachten zu ermöglichen.“

Nichts Wesentliches müsse ausfallen, kein Gebet ungesprochen und kein Lied ungesungen bleiben.

Angehängt an den Bischofsbrief finden die Angeschriebenen zwei Seiten voller Ideen. Sie seien eine erste Anregung, wie die bayerisch-christliche Feierkultur auch unter den Bedingungen der Pandemie ihre Lebensfreude und Ausstrahlungskraft bekräftigen kann.

Wohlgemerkt eine erste Sammlung: Denn viele Pfarreien sind schon längst dabei, nachzudenken und vorzubereiten. Gespannt ist der Bischof auf alle Rückmeldungen und verspricht, schnell und wirksam dafür zu sorgen, dass alle Ideen zeitnah in die große Bistumsrunde gehen. Man müsse schließlich nicht alles selbst erfinden. Bischof Rudolf Voderholzer: „Jede gute Idee, jeder Vorschlag ist willkommen!“

Regensburg am 21. September 2020, dem Fest des heiligen Apostels und Evangelisten Matthäus

Liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge,

das neue Schuljahr und somit auch ein neues Arbeitsjahr haben begonnen. Einige von Ihnen haben einen Stellenwechsel hinter sich. Sowohl die Verabschiedungen in der alten Stelle als auch die Begrüßungen an der neuen wurden von den Corona-Beschränkungen überschattet. Ich hoffe dennoch, dass diese auch menschlich so wichtigen Begegnungen gut verlaufen und gelungen sind. Mit einer Mischung aus Hoffen und Bangen sehen wir alle den kommenden Wochen und Monaten entgegen.

In diese Situation hinein möchte ich Sie herzlich grüßen und Ihnen zunächst dafür danken, dass die Urlaubszeit in so unkomplizierter und guter Weise gestaltet werden konnte, vor allem, weil die für dieses Jahr ausgehandelten Urlaubsregelungen gut angenommen wurden. Für viele war der „Urlaub daheim“ eine neue aber nicht unangenehme Erfahrung. Die wissenschaftliche Studie über die Pastoral in der Hochphase der Corona-Pandemie, vor allem über die Osterfeiertage 2020, zu der Sie mit dem Ausfüllen der Fragebögen die empirische Basis geliefert haben, hat bereits erste Auswertungsergebnisse vorzuweisen, die Ihnen bald kommuniziert werden. Wir haben die begründete Hoffnung, dass wir auch aus der Auswertung der gemachten und reflektierten Erfahrungen für die Zukunft werden lernen können.

Jetzt aber holt uns, mich den Bischof und Sie alle in den Pfarreien, erst einmal der pastorale Alltag mit voller Wucht ein. Vielerorts wurden und werden noch die Erstbeichten und die Erstkommunionfeiern nachgeholt. Der Religionsunterricht hat begonnen und wir sind gespannt, ob wir langsam zu „normalen“ Unterrichtsbedingungen werden zurückkehren können oder ob uns neue Einschränkungen drohen. Auch Firmungen sollen in diesem Jahr noch gefeiert werden. Bischof, Weihbischöfe und weitere Firmspender stehen zur Verfügung, auch für zwei Firmspende-Gottesdienste am Tag, wenn aufgrund der Rahmenbedingungen die Gruppen geteilt werden müssen.

Darüber hinaus stehen wir vor etlichen Fragen. Wie wird sich die Pandemie auf das Leben der Menschen auswirken? Wie können wir angesichts wirtschaftlicher Nöte vieler Menschen helfen? Werden wir für die alten und kranken Menschen da sein können? Die größte Sorge ist für viele, das weiß ich aus Gesprächen und Briefen: Werden die Menschen wieder in die Kirche kommen und wird sich die Gottesdienstgemeinschaft „erholen“? Wird das Leben in den pfarrlichen Gruppen, in den Verbänden, bei den Ministranten, in den Kirchenchören usw. wieder aufstehen? Oder ist es tatsächlich so, wie der Erzbischof von Luxemburg, Kardinal Hollerich dieser Tage zitiert wurde, dass die Corona-Pandemie mit den einhergehenden Versammlungsbeschränkungen die Säkularisierung unserer Gesellschaft derart beschleunigt hat, dass wir sozusagen um zehn Jahre vorausgeworfen wurden?

Darauf ist zunächst einmal zu sagen, dass wir es heute noch nicht wissen können. Auszuschließen ist es natürlich nicht. Aber ich bitte Sie dringend: Reden wir diesen Säkularisierungsschub nicht auch noch herbei. Vor allem besteht kein Grund zum Jammern. Die Menschen sind insgesamt sehr verunsichert. Insgesamt ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgrund der Einschränkungen, aber auch aufgrund der mittlerweile tiefsitzenden Vorsicht, massiv zurückgegangen. Alle gesellschaftlichen Gruppierungen teilen dasselbe Schicksal! Ob Theater, Konzerte, Fußballstadien, Kino, Sportvereine, Blaskapellen, weltliche Chöre usw., vom Hotel- und Gaststättengewerbe ganz zu schweigen (wo man mit großem Bangen den kühleren Wochen entgegensieht, wenn die Bewirtung im Freien nicht mehr so leicht möglich sein wird).

Dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur etwa ein Drittel bis die Hälfte (mancherorts sogar schon erheblich mehr!) der bisher gewohnten Gottesdienstbesucher gezählt werden, besagt m.E. noch gar nichts für die Zukunft. Freuen wir uns doch darüber, dass schon wieder so viele Schwestern und Brüder den Mut fassen, zur gemeinsamen gottesdienstlichen Versammlung zu kommen! Am vergangenen Sonntag haben im Regensburger Dom zum ersten Mal seit Anfang März die Domspatzen wieder gesungen. Ein gut ausgearbeitetes Konzept ermöglicht den Einsatz von 34 (!) Sängern im Chorraum.

Ganz entscheidend wird sein, wie wir die kommenden großen Herausforderungen bewältigen. Ich denke hier vor allem an das Erntedankfest, das Gebet für die Verstorbenen und die Gräbersegnung an Allerheiligen/Allerseelen, Advent, Weihnachten (vor allem den Heilige Abend), Silvester und die Sternsinger-Aktion.

Mir ist sehr wichtig, dass wir in unsere Pfarreien und in die sehr interessiert (und natürlich auch kritisch, bisweilen sogar feindselig) beobachtende mediale Öffentlichkeit hinein die Botschaft senden, dass wir alles Erdenkliche und Menschenmögliche tun werden, um allen, die es wünschen, die Teilnahme an diesen Kristallisationspunkten des kirchlichen Lebens auch unter Corona-Bedingungen zu ermöglichen. Wir werden dabei die Unterstützung durch die digitalen Medien nützen, sind uns aber gleichzeitig dessen bewusst, dass die leibhaftige Begegnung, das zwischenmenschliche Miteinander letztlich nicht zu ersetzen sind und immer das Ziel unserer Bemühungen sein müssen. Es wird im Bischöflichen Ordinariat in der Hauptabteilung Seelsorge Arbeitsgruppen geben, die Ideen sammeln, Konzepte ausarbeiten und Hilfestellungen geben werden für die Planungen in den Pfarreien. Jede gute Idee, jeder kreative Vorschlag ist willkommen! Eine erste Zusammenstellung wird Ihnen als Anhang schon mit diesem Brief mitgeschickt und in ständig aktualisierter Form auf der Homepage des Bistums verfügbar sein.

Es hat sich gezeigt, dass in manchen Pfarreien das technische Equipment vorhanden und auch die entsprechenden Talente für die Realisierung von Livestream-Gottesdiensten und anderen Vermittlungsformen vorhanden sind. Freilich sind bei weitem nicht alle Kirchen mit der nötigen Technik ausgestattet. Ich bitte dafür Sorge zu tragen, dass gerade auch im Hinblick auf die bevorstehenden Gräbersegnungen und dann die Weihnachtstage die technischen Voraussetzungen gegeben sind, auch größere Versammlungen im Freien gut zu beschallen, gegebenenfalls die Liturgien aus dem Kirchenraum auch ins Freie (etwa den die Kirche umgebenden Friedhof) zu übertragen und ähnliches mehr. An der Technik darf es jedenfalls nicht scheitern, und dafür müssen trotz aller Aufrufe zur Sparsamkeit die nötigen Geldmittel vorhanden sein. Das gilt auch und vor allem für die Internetpräsenz der Pfarreien. In einer Zeit, in der sich nicht nur, aber vor allem die jungen Menschen zuallererst übers Internet über Gottesdienstzeiten, Aktivitäten und auch inhaltliche Botschaften informieren, muss jede Pfarrei über eine eigene Seite verfügen, um auf diese Weise präsent zu sein.

Was den bevorstehenden Advent betrifft, so wird er sich wohl erheblich von den bisherigen Adventen unterscheiden. Es besteht gewiss kein Grund, den vorherzusehenden Ausfall von so mancher mehr bürgerlich-oberflächlichen denn geistlich erhebenden „Weihnachts“-Feier (im Advent) oder der nicht unbedingt weihnachtlichen Erscheinungsformen so manches Christkindlmarktes zu beklagen. An uns ist es, behutsam in diese sich vermutlich auftuenden Freiräume die aus der Tradition uns zur Verfügung stehenden Formate geistlichen Brauchtums hineinzustellen und anzubieten (Beichte und Feier der Versöhnung, Hausgottesdienst zum Advent, Adventsandachten, Adventskalender, Frauentragen etc.) und diese auch kreativ fortzuentwickeln. Es ist freilich auch hier die Unterscheidung der Geister notwendig. Das christliche Weihnachtsfest ist mehr als die „Waldweihnacht“ im Sinne einer Feier der Wintersonnwende. Welche Formen von adventlichem Singen und Krippenspielen im Freien gestaltet werden können, ob und wie das Angebot von weiteren Christmetten nötig sein wird, ist gewiss von den örtlichen Rahmenbedingungen abhängig. Ich weiß, dass vielerorts schon damit begonnen wurde, für Weihnachten zu planen. Es scheint mir wichtig, die Menschen gut und frühzeitig zu informieren, Verständnis dafür zu wecken, dass Weihnachten heuer vielleicht auch im Kreis der Familie etwas anders verlaufen könnte als in schon liebgewordener Tradition. Allen aber muss vermittelt werden, dass wir unser Möglichstes daransetzen werden, und dass uns keine Anstrengung zu viel sein wird, um den Kindern, den Familien und auch den Seniorinnen und Senioren die Mitfeier der Liturgie an Weihnachten zu ermöglichen. Je früher um Verständnis dafür geworben wird, dass nicht alle gleichzeitig zur gewohnten selben Zeit in die Kirche werden kommen können, desto besser können sich unsere Mitchristen darauf einstellen und entsprechend planen.

Auch für die Aktion Sternsinger werden wir, werden Sie, werden wir zusammen Formate finden, damit dieses Brauchtum, das die Botschaft von Weihnachten und den Segen von der Krippe her in die Häuser bringt und zugleich die weltweit größte Solidaritäts-Aktion von Kindern für Kinder ist, unter Berücksichtigung der Vorsichtsmaßnahmen zur Minimierung der Infektionsgefahr stattfinden kann.

Bis dahin ist noch ein wenig Zeit, die wir freilich gut zur Vorbereitung nützen werden.

 

Dankbar für all Ihr Engagement in der Seelsorge und Verkündigung des Evangeliums bin ich in Gedanken bei Ihnen und den Pfarreien, und grüße Sie im Gebet verbunden

Ihr Rudolf Voderholzer

Bischof von Regensburg

 

 

Als PDF können Sie sich den Ermutigungsbrief von Bischof Rudolf Voderholzer hier downloaden

Weihnachten in Corona-Zeiten: Allgemeine Überlegungen und Krippenspiel

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Allerheiligen in Corona-Zeiten: Das Gebetsgedenken am Grab für Allerheiligen und Allerseelen

 

 

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