Immer zu zweit - Durch das Kirchenjahr

12.07.2018

... mit Benedikt.

Plötzlich standen die beiden in meinem Garten. Ob ich mit ihnen über Gott reden wolle? Ich wollte. Die „Zeugen Jehovas“ waren nicht zum ersten Mal bei mir. Wenn ich Zeit habe, rede ich ganz gerne mit ihnen. Irgendwie ist es jedes Mal spannend. Zwei ältere Herren versuchten mich dieses Mal davon zu überzeugen, der Name Gottes müsse unbedingt ausgesprochen werden. Während die „Zeugen Jehovas“ Gott immer bei seinem Namen ansprechen, tun dies die allermeisten anderen Christen nicht. Wir sagen Gott, Herr, Vater. In der neuen Einheitsübersetzung steht der Gottesname gar nicht mehr ausgeschrieben, aus Respekt vor dem Judentum: Seit mehr als zweitausend Jahren vermeiden es Juden, Gott mit seinem Namen anzusprechen. Aus Ehrfurcht und Verehrung.

Die beiden Zeugen Jehovas waren da etwas anderer Ansicht. Unbedingt müsse man den Namen aussprechen! Nun ja, ich war und bleibe anderer Meinung. Man darf ja durchaus etwas auch mal anders sehen. Die beiden gingen wieder. Es war wie jede Begegnung mit Vertretern dieser Religionsgemeinschaft: Die Dialoge wirken wie einstudiert, ja, auswendig gelernt. Aber irgendwie habe ich vor ihnen auch Respekt. Meines wäre das ja nicht - von Haus zu Haus ziehen und hoffen, dass irgendwer die Türe öffnet und sich auf ein kurzes Gespräch einlässt. Interessanterweise scheinen aber die Apostel genau das auch gemacht zu haben.

 

Auch die Apostel gingen von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf

Das Evangelium dieses Sonntags erzählt davon: Jesus schickt die zwölf Apostel los, „jeweils zwei zusammen.“ Sie sollen unreine Geister austreiben. Von Dorf zu Dorf sollen sie ziehen. Will man sie an einem Ort nicht aufnehmen, sollen sie wieder gehen: „Schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis.“ Irgendwie lässt dieser Bibeltext mehr Fragen offen, als er beantwortet. Was hat Jesus eigentlich gemacht, als die Apostel loszogen? Ging auch er auf Wanderschaft? Alleine? Oder wartete er auf ihre Rückkehr? Der Evangelist Markus erzählt zwar, dass die Jünger viele Dämonen austrieben und viele Kranken heilten – aber wurden sie in jedem Dorf aufgenommen? Oder haben sie auch Ablehnung erfahren?

Die Zeugen Jehovas kommen auch immer zu zweit zu mir. Ob sie den Staub von den Schuhen schütteln, nachdem sie gegangen sind, weiß ich nicht. Vor mir machen sie das nicht. Aber vielleicht vor der Haustüre? Irgendwie habe ich Respekt vor ihnen. Sie schämen sich für ihren Glauben nicht. Wie oft fürchten wir, das Glaubenszeugnis könne falsch ankommen? Wie oft denken wir, es sei gerade fehl am Platze? Dabei ist das Evangelium nie fehl am Platz. Jeder kann Zeuge der frohen Botschaft werden. Davon erzählt auch die erste Lesung dieses Sonntags: Der Prophet Amos reflektiert dort seine Berufung. „Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter, und ich ziehe Maulbeerfeigen“, sagt er. Mit anderen Worten: Von ihm würde man nicht gerade erwarten, von Gott als Prophet losgeschickt zu werden. Wird er aber. Gott wählt ihn aus. Auch bei den zwölf Aposteln versteht man nicht immer so ganz, warum er sich gerade diese Männer ausgesucht hat. Aber er hat sie ausgesucht. Sie verkünden seine Botschaft in den Dörfern, sie tragen seine Worte weiter. Das aber ist Aufgabe aller Christen.