Martin I.: Kämpfer gegen den Monotheletismus

10.04.2019
Griechische Ikone des Heiligen Martin I.

Jeder gläubige Mensch wird ein ganz bestimmtes, individuelles Bild von Jesus Christus haben. Viele Aspekte überliefern uns die Evangelien. Jeder Gläubige wird den ein oder anderen Charakterzug Jesu mehr beherzigen und ihm einen mehr oder weniger großen Raum in der eigenen Spiritualität geben. Das hindert die große Gemeinschaft der Gläubigen, die Kirche, aber nicht daran, bestimmte Dinge über Jesus als verbindlich anzusehen; etwas zu verkünden, das den verschiedenen Facetten der Jesusbilder gemeinsam ist. Diese großen Grundzüge stehen für uns heute vermeintlich fest: Wir glauben an Jesus als das fleischgewordene Wort Gottes. Wir bekennen, dass er ganz Gott und ganz Mensch war, am Kreuz starb und von Gott auferweckt wurde.

 

Jesus ist nie selbstverständlich

So selbstverständlich das heute auf uns wirkt, so umkämpft waren viele dieser Glaubenssätze in der frühen und alten Kirche. Nicht selten forderten diese Auseinandersetzungen aber auch Opfer. Eines von ihnen ist der heilige Papst Martin I. Er wurde vermutlich um das Jahr 600 herum geboren, wurde Diakon und Botschafter des Papstes am Kaiserhof von Konstantinopel. Als er schließlich zum Papst gewählt wurde, wandte er sich entschieden gegen die dogmatische Lehre des „Monotheletismus“. Das Abschlussdokument der Synode schickte Papst Martin I. allen Bischöfen des Ostens und Westens, damit diese zustimmen konnten. Der Patriarch von Konstantinopel verweigerte die Zustimmung, Martin wurde im Auftrag des oströmischen Kaisers verhaftet, nach Konstantinopel gebracht und zum Tode verurteilt. Obwohl der Papst begnadigt wurde, konnte ihn das nicht vor der Auspeitschung und Vertreibung ins Exil auf die Krim bewahren. Dort starb er 655 als Märtyrer an den Folgen der gewaltsamen Behandlung.

 

Jesus: wahrer Mensch und Gott. Aber wie?

Worum war es eigentlich gegangen? Die Anfrage des Monotheletismus ist eine der letzten großen christologischen Streitigkeiten der späten Antike und des frühen Mittelalters. Schon über viele Aspekte Jesu Christi hatte man gestritten: Die Adoptianisten behaupteten, Jesus sei ein ganz normaler Mensch gewesen, den Gott im Zuge einer „Adoption“ zum Messias erwählt habe. Das Gegenstück bildeten Doketismus und Gnosis, die behaupteten, Jesus sei nur Gott. Seine Menschengestalt habe er nur dem Schein nach angenommen. Wurde festgestellt, Jesus sei ganz Mensch und Gott, stellten sich automatisch neue Fragen: Wie kann man das denn denken?

 

Einen Willen?

Vor allem: Wie ist denn das Zusammenspiel von Gott und Mensch in dem einen Jesus von Nazareth denkbar? Hat er einen einzigen Willen oder einen menschlichen wie einen göttlichen, die gegeneinanderstehen? Die Monotheletisten behaupteten, Jesus habe einen einzigen Willen gehabt. Das hört sich erstmal auch vernünftig an – ist aber auch gefährlich. Die große Gefahr daran ist, die menschliche Seite Jesu indirekt abzuwerten. Der Mensch Jesus hat nur einen einzigen Willen – und der ist nicht menschlich, sondern göttlich. Was bleibt dann aber vom Menschen Jesus übrig? Nicht viel, nur das äußere Gewand.

Dagegen wandte sich die von Papst Martin I. einberufene Synode. Für das Bekenntnis gegen den Monotheletismus musste der heilige Papst sterben. Jesus Christus und unser Bild von ihm sind eben nicht so selbstverständlich. Die großen christologischen Streitigkeiten haben wir hinter uns gelassen. Und doch darf das Jesusbild nie verstauben. Auch heute noch brauchen wir eine lebendige Debatte und einen geschwisterlichen Dialog über diesen Jesus von Nazareth – gewaltfrei natürlich.

Die Kirche feiert den heiligen Papst Martin I. am 13. April.

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