Mit der Monstranz durch die Straßen – Teublitzer Gläubige werden nicht alleine gelassen

08.04.2020

Seit Corona ziehen Pfarrer Michael Hirmer und Pfarrvikar Pater John Mathew jeden Sontag durch die Straßen ihrer Pfarrei in Teublitz und bringen Christus in der Monstranz zu den Menschen. Wir haben mit Pfarrer Hirmer gesprochen.

 

 

Sehr geehrter Herr Pfarrer Hirmer, Sie gehen jeden Sonntag mit der Monstranz durch die Pfarrei. Wie reagieren die Menschen darauf?

Ganz konkret berührt hat mich eine 90 Jahre alte Frau, der wir begegnet sind. Sie stand am Gartenzaun und brach in Tränen aus mit dem Blick auf die Monstranz. Diese Frau lebt aus der Eucharistie heraus. Ein anderes Mal sind wir in ein Neubauviertel abgebogen und ich dachte, da macht eh keiner auf. Doch dann standen die ganze Straße entlang Leute in ihren Gärten und warteten auf uns. Sie hatten teilweise ihre Musikinstrumente dabei und wir haben miteinander gesungen. Das war gigantisch.

 

 

Wie reagieren die Menschen allgemein?

Wir treffen auf ganz verschiedenes Publikum. Da gibt es zum einen Menschen, die mit der Kirche null zu tun haben. Die verstehen zwar nicht, was ich mit mir herumtrage und warum ich so komische Gewänder anziehe, aber staunen, dass der Pfarrer zu ihnen kommt. Von ihnen habe ich bisher sehr viel positive Rückmeldung bekommen. Und dann gibt es diejenigen, die wirklich aus der Eucharistie heraus leben. Sie haben eine tiefe Sehnsucht nach Jesus. Und viele schauen auch einfach neugierig aus dem Fenster zu uns heraus.

 

 

Den Glauben so offen zu bekennen, braucht Mut. Wie ist das bei Ihnen?

Ein guter Freund hat mir von einem Pfarrer aus Italien erzählt, der mit der Monstranz durch die Straßen zog. Als die Krise dann auch bei uns losgegangen ist, habe ich mich wieder an diese Aktion erinnert. Für mich ist unsere Sonntagsaktion kein besonders mutiger Schritt, sondern normale Seelsorge. Ich kann die Menschen nicht alleine lassen, die sich nach Jesus sehnen. Jetzt gilt es, die Zeichen der Zeit zu erkennen, wie Adolph Kolping das gesagt hat. Ich bin ein großer Verehrer von Adolph Kolping. Er hat geschaut, was die Zeit bot und dann darauf reagiert.

 

 

Jeden Mittwoch ziehen Pater John und Pfarrer Hirmer zum Teublitzer Altenheim. Die Bewohner singen und beten kräftig mit.

Sie haben noch eine weitere Aktion ins Leben gerufen

Jeden Mittwoch um 10 Uhr ziehen Pater John und ich rüber zum Teublitzer Altenheim. Dort bauen wir draußen unsere Mikrofone auf und beten mit den Bewohnern. Diese warten dann schon hinter ihren Fenstern oder auf dem Balkon. Wir reden mit den alten Leuten und machen Witze. Das dauert schon immer eine gute Stunde. Auch lesen wir das Evangelium und singen Lieder, die die Leute auswendig kennen. „Segne du Maria“ muss immer dabei sein. Die älteren Menschen singen dann kräftig mit.

 

 

Gemeinsames Beten ist wieder hoch im Kurs – welche Erfahrungen machen Sie in der Pfarrei?

Wir sind in der Pfarrei im Gebet verbundener denn je. Ich bekomme sehr viele Nachrichten von Gläubigen, die mir sagen, dass sie miteinander und füreinander beten. Menschen, die beten und auf Gott vertrauen, handeln anders. Das Gebet verwandelt einen. Da brauche ich dann keine panischen Hamsterkäufe mehr zu machen, oder die Ellenbogen auszufahren. Das Gebet bewirkt, dass ich auch in der Krise solidarisch sein kann. Das erlebe ich in der aktiven Gemeinde unglaublich stark.

 

 

Aber die Corona-Krise dauert an, trotz des vielen Betens...

Es gibt kein Gebet, das Gott nicht erhört. Nur manchmal wird es anders erhört, als wir es uns einbilden. Meine Großmutter, eine alte gläubige Frau, hat am Ende ihres Lebens gesagt: „Ich habe immer für euch gebetet, dass es recht wird, und es ist recht geworden.“ Wenn wir Gott vertrauen, können wir ihm schon jetzt danken, auch wenn die Krise andauert.

 

 

 

Sie feiern nun alle Gottesdienste ohne die Gläubigen. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Wir müssen jetzt noch bewusster die Heilige Messe feiern. So viele Menschen befinden sich in einer Notsituation. Die Eucharistiefeier erfolgt immer in Gemeinschaft mit der Weltkirche. Deshalb werden beispielsweise auch der Papst und der Bischof im Hochgebet erwähnt, aber auch die Heiligen und die Verstorbenen. Ob in Südafrika, in Regensburg oder in Teublitz – es feiert immer die ganze Kirche mit. In dieser Zeit ist das noch einmal mehr augenscheinlich, da die Kirchenbänke leer sind. Umso intensiver feiern wir die nicht sichtbare Gemeinschaft.

 

 

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